Speyer / Schwegenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Hebammen konzentrieren sich künftig auf Hausgeburten

Hebammen: Yvonne Romero Alvarez und Birgit Piorr-Kemmer.
Hebammen: Yvonne Romero Alvarez und Birgit Piorr-Kemmer.

Die Hebammen Yvonne Romero Alvarez und Birgit Piorr-Kemmer verlassen den Belegkreißsaal „Das Hebammenzentrum“ im Speyerer Diakonissen-Krankenhaus und konzentrieren sich künftig auf die Hausgeburtshilfe. Der Bedarf danach ist groß, erzählen die beiden Frauen.

Die Entscheidung, künftig in die Hausgeburtshilfe zu wechseln, sei schon längere Zeit gereift, sagen Yvonne Romero Alvarez und Birgit Piorr-Kemmer. Die Hebammen sind selbstständig und Teil eines 15-köpfigen Teams, das sich in Schwegenheim in einem Hebammenzentrum zusammengeschlossen hat und dort etwa Geburtsvorbereitungskurse anbietet. Das Hebammenzentrum arbeitet mit dem Diakonissen-Stiftungskrankenhaus zusammen, betreut dort in zwei Kreißsälen Schwangere. Kolleginnen von ihnen werden das auch weiterhin tun, betonen Romero Alvarez und Piorr-Kemmer. Sie wollen sich aber künftig auf die Hausgeburtshilfe konzentrieren. Dadurch, dass sie nicht mehr im Kreißsaal seien, hätten sie mehr Kapazität für die Betreuung.

Schon im vergangenen Jahr begleiteten beide acht oder neun Hausgeburten, künftig wollen sie vier bis sechs Kinder pro Monat in den eigenen vier Wänden der Eltern zur Welt bringen. „Das kommt natürlich auf die Nachfrage an“, sagt Romero Alvarez. Diese sei in den vergangenen Jahren gewachsen. „Wir greifen einen Markt auf, auf dem viel Bedarf ist“, so Kollegin Piorr-Kemmer. Schließlich habe jede Frau das Recht, den Ort der Geburt ihres Kindes selbst zu wählen. Hausgeburten seien einmal etwas völlig normales gewesen: „Ursprünglich war das der richtige Ort“, erklärt Piorr-Kemmer. Dann sei nach und nach das Krankenhaus hinzugekommen – dem die beiden Hebammen die Bedeutung auch überhaupt nicht absprechen wollen. „Hausgeburten sind nicht die bessere Variante“, betont Romero Alvarez. Aber Frauen müssten die Möglichkeit haben, zu wählen.

Frühzeitige Gespräche wichtig

Wobei es natürlich Regeln für die Hausgeburt gebe: „Nicht jede Frau kann zuhause gebären“, sagen die Hebammen. Ganz wichtig sei die Gesundheit der Frauen. Auch deshalb seien frühzeitige Gespräche zwischen Hebamme und Schwangerer bedeutsam: „Wenn wir früh Kontakt aufnehmen, kann man sehen, welche Themen es gibt“, erklären sie. Falls eine Hausgeburt nicht möglich sei, „verlegen wir auch gerne an unsere Kolleginnen“. Denn es gebe auch Schwangerschaftsverläufe, die einfach ins Krankenhaus gehörten.

Der möglichst frühe Kontakt ist Teil des ganzheitlichen Konzepts, auf das die Hebammen setzen. „Je früher der Kontakt, desto besser für die frühkindliche Bindung“, unterstreicht Piorr-Kemmer. Und auch vor der Schwangerschaft könne der richtige Zeitpunkt für ein erstes Gespräch sein. „Für Paare, die sich ein Kind wünschen, aber vielleicht der Aufgabe nicht gewachsen sehen“, erklärt die Hebamme. Diese Angst wollen sie den werdenden Eltern nehmen – und dabei auch auf die Bedürfnisse der Väter und Mütter eingehen. So sei geplant, eine Sprechstunde für Väter anzubieten, in der diese ihre Fragen loswerden könnten. „Wir leben in einer sehr baby-zentrierten Gesellschaft“, sagt Romero Alvarez. Dabei sei es so wichtig, auch die Frau zu unterstützen. Das könne etwa über Massagen, psychosomatische Angebote, aber auch Coaching gelingen – ganz individuell abgestimmt. Denn schließlich „bringen sie einen kleinen Menschen auf die Welt“, unterstreichen die Hebammen. „Ohne die Frau geht es nicht.“

Kontakt

www. dashebammenzentrum.de

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