Speyer Zum zweiten Mal Chai-Festival
Der Verkehrsverein wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Speyer und der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz vom 4. bis 7. Juni im mittelalterlichen Judenhof von Speyer erneut ein Musikfestival mit jüdischer Musik präsentieren. „Es ist der Wunsch des Vereins, rund um den UNESCO-Welterbetag Anfang Juni 2026 dieses Festival dauerhaft in der Speyerer Kulturlandschaft zu platzieren“, sagt Uwe Wöhlert, Vorsitzender des Verkehrsvereins, auch mit Blick auf die guten Besucherzahlen der Konzerte 2025. „Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir das kulturelle Erbe der SchUM-Städte lebendig halten und zugleich neue Perspektiven auf jüdisches Leben heute eröffnen“, ergänzt Kulturbürgermeisterin Monika Kabs.
Das Programm konzipiert hat wieder Matthias Nowack, vormals der Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadt. Er hat unter anderem vergleichbare Festivals mit Jüdischer Musik besucht und Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern aufgebaut. Sein neues Programm sein noch internationaler, sagt er. Das Festival solle belegen, das Jüdische Kultur zu Speyer gehört. Musikerinnen und Musiker aus Schweden, den USA und dem Iran sind angekündigt. Darüber hinaus werden die beiden lokalen Größen Hans-Jürgen Herschel und Lömsch Lehmann ihr neues Programm „Im Dunkel ein Glanz, unverlöschlich“ vorstellen – ein musikalisch-literarischer Streifzug auf den vielfältigen Spuren jüdischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Deutschland. Musik und Literatur werden zur Brücke zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Generation.
Das Festival für jüdische Musik soll die historischen Stätten im Speyerer Judenhof auch emotional wieder erfahrbar machen und Besucherinnen und Besucher jeden Alters und jeder Religion dazu einladen, das mittelalterliche jüdische Gemeindezentrum zu besuchen mit dem SchUM-Erbe in Verbindung zu treten.
Alle Konzerte sind als Open-Air-Konzerte unter dem Dach der Mikwe und auf der Wiese vor den mittelalterlichen Synagogenmauem geplant. „Chai“ ist ein hebräisches Wort und Symbol, das „Leben“ oder auch „lebendig“ bedeutet. Jüdische Menschen tragen oft einen Chai als Glücksbringer an einer Halskette in Form eines Medaillons oder Amuletts.
Folkadu feat. Yaser Bayat kommen mit „Jüdisch-persischen Begegnungen“ am 4. Juni um 19.30 Uhr. Ein Konzert wie eine Zeitreise – von den Gassen Jerusalems bis zu den Gärten Isfahans. Folkadu lässt jüdische Melodien in neuem Licht erklingen – mit Gesang, Oud, Akkordeon, Trompete und dem archaischen Klang des Schofars. Das Repertoire des Trios umfasst Lieder auf Hebräisch, Jiddisch und Ladino – musikalische Schätze, die Brücken schlagen zwischen Orient und Okzident. Gemeinsam mit dem iranischen Multiinstrumentalisten Yaser Bayat entfaltet Folkadu eine Klanglandschaft, die über Raum und Zeit hinaus schwingt. Wenn sich diese Klänge mit den sanften Tönen der persischen Setar, dem goldenen Schimmer der Santur und dem Puls der Daf verweben, entsteht ein Dialog jenseits von Grenzen.
Das schwedische Duo Shtoltse Lider kommt am 5. Juni um 19.30 Uhr. Es lässt fast vergessene Dichterinnen der jiddischen Blütezeit wieder erklingen. Worte von vor hundert Jahren werden in Klang verwandelt: zwischen Klezmer und Kammermusik, zwischen zarten Volkstönen und dem bittersüßen Geist des Kabaretts der 1920er-Jahre, zwischen Traum und Tanz entfaltet sich eine Klangwelt voller Intensität, Schönheit und Wagemut. Jüdische Poesie neu erzählt. Die ätherische Stimme und das lebendige Klavierspiel von Ida Gillner treffen auf das leidenschaftliche, feinsinnige Geigenspiel von Livet Nord.
Am 6. Juni um 19.30 Uhr kommt Daniel Kahn wieder, mit Jake Shulman-Ment aus New York und wie im Mai mit Christian Dawid. Was geschieht, wenn jiddische Lieder zu Manifesten werden? Wenn alte Balladen von neuen Unruhen erzählen? In „Umru/Unrest“ verschmelzen Tradition und Rebellion. Es sind Balladen, die Grenzen unterwandern, Fahnen niederreißen, Unterdrückung beklagen und die Freiheit zelebrieren. Daniel Kahn - Dichter, Sänger, Anarcho-Barde - erhebt die Stimme einer Diaspora, die sich weigert, zu verstummen. Mit Jake Shulman-Ment an der Violine und Christian Dawid an Klarinette, Saxofon und Percussion entsteht ein brodelndes Klanguniversum zwischen Melancholie und Aufbegehren. Ein Abend zwischen Liederabend und Revolution.
Am Welterbetag, 7. Juni, ist tagsüber Familientag im Judenhof bei freiem Eintritt. Abends um 19.30 Uhr treten dann Hans-Jürgen Herschel und Lömsch Lehmann auf bei einem musikalisch-literarischen Streifzug, der die vielfältigen Spuren jüdischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller erkundet: Von Moses Mendelssohn über Heinrich Heine, Joseph Roth und Franz Kafka führt die Reise bis zur Lyrik von Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Nelly Sachs und Paul Celan. Oft dem Dasein abgetrotzt, stehen diese Texte doch für „Chai“, für die Kraft des Lebendigen, rufen zu Versöhnung und friedlicher Koexistenz auf. Herschel verleiht diesen Stimmen Ausdruck; an seiner Seite Lömsch Lehmann, Saxofonist, der sich improvisierend in die Texte hineinspinnt, sie kommentiert, widerspricht, umarmt. rhp/rg
Info
Karten gibt es ab sofort bei allen Reservix-Stellen und in der Tourist-Info.