Speyer
Zu teuer: Schließt das Spielhaus Sara Lehmann schon Ende des Jahres?
Das Spielhaus Sara Lehmann ist schon eine Traditionseinrichtung in Speyer – auch wenn es 2021 eine Organisationsänderung gab: Mit Inkrafttreten des neuen Kita-Gesetzes ist aus dem Spielhaus für alle Kinder ein Hort geworden. Nun sollte der städtische Jugendhilfeausschuss über die Zukunft des Sara-Lehmann-Hauses beraten. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung gibt es die aber nicht. Zu klein, zu teuer, zu wenig besucht. Derzeit seien nur zwölf der 18 Plätze besetzt. Der Personalstand sinkt, sodass im nächsten Schuljahr lediglich zwei statt bisher vier Erzieherinnen zur Verfügung stehen. Notfallpläne müssten schon derzeit eingesetzt werden.
Bereits 2022 habe die Stadt die Anzahl der Betreuungsplätze von 25 auf 18 gesenkt, berichtete Michael Stöckel, städtischer Abteilungsleiter Kindertagesstätten und Kindertagespflege. Anmeldungen seien weiterhin rückläufig, auch wenn weitere zwei Anmeldungen für das kommende Schuljahr vorlägen. „Je größer eine Einrichtung ist, desto wirtschaftlicher arbeitet sie“, nannte Stöckel einen weiteren Grund für die beabsichtigte Schließung des Sara-Lehmann-Hauses nach 39 Jahren.
Wo werden die Kinder künftig betreut?
Nach städtischer Planung ist demnach am Ende des nächsten Schuljahres Schluss mit der Betreuung der Schulkinder im Schlangenwühl. Laut Stöckel gibt es Überlegungen, das Haus bereits zum Ende dieses Kalenderjahres zu schließen. „Wir reden von einer freiwilligen Leistung“, betonte der Abteilungsleiter. Zudem sollten Kinder aus finanziell schwächergestellten Familien, die mittlerweile aus dem ganzen Stadtgebiet kämen, auf dem Weg zur Inklusion mit allen gesellschaftlichen Schichten in Kontakt kommen.
Zunächst seien Kinder aus den benachbarten Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften im Sara-Lehmann-Haus aufgenommen und unterstützt worden, berichtete Einrichtungsleiterin Isabel Estevez-Aneiros von gewachsenen Beziehungen und großer Identifikation der Kinder und ihrer Familien mit dem Spielhaus. Ihr sei wichtig, dass diese auch künftig gut betreut würden und das erhielten, was die Familien alleine nicht leisten könnten. „Unsere Kinder brauchen Teilhabechancen.“ Nach Plänen der Stadt sollen die Hortkinder vom Schlangenwühl nahtlos in anderen Einrichtungen wie Ganztagsschule oder Hort im Stadtgebiet übernommen werden.
Kabs: Keine leichte Entscheidung
Die Beratungen des Jugendhilfeausschusses fielen kurz aus. Lediglich Martina Queisser (SPD) mochte sich nicht mit der kurzfristigen Schließung des Sara-Lehmann-Hauses abfinden. Sie regte einen Umzug in ein kleineres Gebäude beispielsweise in den Stadtteil West an, der indes nicht auf Gegenliebe stieß.
„Es fällt uns nicht leicht“, betonte Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU). Nach langen Gesprächen mit Kollegen und der Einrichtungsleiterin bleibe auch aus Kostengründen keine andere Wahl, als das Betreuungsangebot zu beenden. Rund 420.000 Euro, von denen etwa 200.000 Euro vom Land gedeckt seien, müssten dafür jährlich aufgebracht werden. Knapp 200.000 Euro müsse die Stadt im Jahr für die Betreuung von zwölf Kindern ausgeben, gab Stöckel zu bedenken. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Spielhauses soll in der September-Sitzung des Jugendhilfeausschusses fallen.
