Speyer Zeugnisse der Heimatgeschichte verteilt
Das Westheimer Heimatmuseum in der Kirchstraße 219 ist seit Sonntag selbst Geschichte: Richard Hummel junior, der Sohn des 1999 verstorbenen Vorbesitzers und Ehrenbürgers Richard Hummel senior, hat es aufgelöst, Exponate und Hausrat teilweise verkauft. Verkauft hat er auch das Gebäude – an einen Handwerker aus Speyer, wie er auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilte.
„Ich möchte, dass das Haus weiter gut betreut wird. Das kann ich von Wiesbaden aus nicht leisten“, begründet Hummel junior den Verkauf des eingeschossigen Fachwerkhauses, das 1786 errichtet wurde und seit 1982 unter Denkmalschutz steht. Kirchenbaumeister Richard Hummel senior hatte im elterlichen Anwesen an die Vergangenheit erinnert: Windmühle, Holzpflug, Mähmaschine, Strohschneider, Hanfpresse, Butterfass, Kühe- und Pferdegeschirre gehörten einst ebenso zum Innenleben wie eine alte Kutsche, Küchengeschirr und diverse Utensilien aus früheren Zeiten. Etliche Westheimer hatten Hummel senior ihre „Schätze“ als Leihgaben oder Schenkungen zur Verfügung gestellt. Hummel junior, der in Wiesbaden wohnt, betonte auf Anfrage: „Jeder hatte die Gelegenheit, seine Sachen abzuholen.“ Er sagte aber auch: „95 Prozent der Sachen gehören mir.“ Und er räumte ein: „Es gab Fälle, wo es ein bisschen strittig war, weil drei Generationen dazwischenlagen.“ Für Ausstellungsstücke, die nicht verkauft wurden, gibt es seiner Aussage nach drei Alternativen: Zum einen sei er im Gespräch mit einem Amerikaner, zum anderen gebe es „eine vertragliche Vereinbarung mit dem neuen Eigentümer“ – über die dritte Möglichkeit wolle er nicht reden. Hummel junior wollte das Museum 2012 zunächst vermieten und hatte hinsichtlich touristischer Nutzung an die Gemeinde gedacht. Im Juni 2012 lehnte das der Gemeinderat einstimmig ab. Alle Fraktionen waren sich einig, dass das Gebäude für kulturelle Veranstaltungen nicht nutzbar ist. Die beiden Problempunkte: Sicherheit und Kosten. Hummel wollte monatlich 500 Euro Miete haben. Im Dezember 2014 lehnte der Rat auch den Kauf des Gebäudes einstimmig ab. Anfangs hatte Hummel junior 190.000 Euro, zuletzt 150.000 Euro verlangt. (nti)