Speyer Wunderheiler Martin

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Ein toller Sonntag liegt von den Genossen in der Bundesrepublik. Dessen sind sich auch die Mitglieder der SPD im Stadtverband Speyer sicher. Denn morgen kommt der Heiland zu ihnen. Er heißt Martin Schulz, kommt nicht direkt aus dem Himmel, sondern aus Europa und wird das Wunder vollbringen, die Genossen von Berlin aus das Land „von vorne“ regieren zu lassen, wie das im angesagten Polit-Sprech der Spitzengenossen jetzt heißt. Klar, dass „der Martin“ die Republik rockt und sein Weg direkt vom Stuhl des Präsidenten des Europäischen Parlamentes auf den Chefsessel im Kanzleramt führt. Mutti Merkel geht Ende September in Rente – so endet das Wunder im Lieblingstraum der Sozialdemokraten. „Ich war positiv überrascht am Dienstagmorgen, als ich das gehört habe“, gibt die Stadtverbandsvorsitzende Stefanie Seiler zu. „Es gibt nur positive Reaktionen, von den Genossen sowieso, aber auch von Anhängern anderer Parteien“, zieht sie eine erstaunte Bilanz über das, was ihnen der plötzlich und unerwartet scheidende Obergenosse Sigmar Gabriel ihnen wieder „eingebrockt“ hatte. Selten waren die Sozialdemokratzen so glücklich über die Sprunghaftigkeit ihres Chefs. Dass er selbst den von ihm verordneten Zeitplan der Kandidatenkür in die Tonne kloppt, sei’s drum. Es ist eine Marginalie in der langen, ruhmreichen Geschichte der SPD. Aus dem Radio hat Seiler erfahren, was sie – und mit ihr die Ortsvereinsvorsitzenden in der Domstadt – vor wenigen Tagen noch in der Umfrage der RHEINPFALZ als Wunschvorstellung genannt hatten. „Das ist ein bisschen Balsam auf die doch geschundenen Seelen der Parteimitglieder“, analysiert Seiler. Das weiß sie auch aus der landesweiten Telefonschalte mit den Ortsvereinsvorsitzenden. Die wird nur bei großen Sachen aktiviert. Und der Dienstag war eine solche Sache. Seiler spürt neuen Schwung, Ende der „gewissen Lethargie“ an der Basis. „Und auf die kommt es ja an.“ Den Eindruck teilt auch Philipp Brandenburger, Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Stadtrat. Er traute seinem Handy kaum, als der die Push-Nachricht von der Personalie las. „Große Freude“ bei den Genossen. Er selbst hatte zwar gesagt, wer es wird, der wird’s. Aber jetzt sagt er, dass er für Martin Schulz natürlich noch lieber Wahlkampf macht. Es gibt ja wieder eine Erfolgsaussicht. Natürlich danken Seiler und Brandenburger Gabriel für seine Größe, sich hinten anzustellen. Jetzt wollen sie sich aber schleunigst darum kümmern, dass „der Martin“ auf Wahlkampftour möglichst bald leibhaftig in Speyer, zumindest in die Region, erscheint. Damit der Schwung nicht endet. Seit Dienstag ist die Welt für die SPD-Mitglieder nicht mehr rot, sondern rosarot. Der Mann aus Würselen bei Aachen soll jetzt dafür sorgen dass die Zukunft für die Roten golden wird.

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