Speyer
Wolfgang Grill leitet noch bis November das Caritas-Zentrum in Speyer
„Die Fachaufsicht betrifft den gesamten Armutsbereich“, erklärt Grill zu seiner Tätigkeit bei der Caritas. Der gelernte Wirtschaftsjurist hat zwölf Jahre in Köln gelebt und kam dort mit Fragen aus dem sozialen Bereich in Berührung.
Grill ist es beruflich wie ehrenamtlich wichtig, mit allen Beteiligten im Gespräch zu bleiben. „Das funktioniert in Speyer gut“, betont er. „Auf jeden Fall besser als in einer Großstadt wie Köln.“ Die Sozialberatung der Caritas sei vorwiegend mit Bürgergeld-Anträgen beschäftigt, berichtet er aus dem Alltag. „Die Menschen können an sie gestellte Herausforderungen nicht mehr gut akzeptieren“, stellt Grill eine Veränderung seiner Klientel nach der Corona-Pandemie heraus. Doch ihn befriedige es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen konkret helfen zu können. „Daran ändert sich auch mit immer zu wenig Geld für Projekte, knappem Fachkräfte-Personal und stets zu vielen Terminen nichts“, betont Grill.
Die Anzahl der Wohnungslosen, die auf einen Caritas-Briefkasten angewiesen sind, sei gestiegen, ebenso die Beratungen. „Die, die zu uns kommen, benötigen zunehmend Hilfe, Wege aus schwierigen Lebensphasen zu finden“, beschreibt er Entwicklungen, die er im Blick behalten will und muss. Aus allen gesellschaftlichen Schichten kämen Ratsuchende nach Trennung, Scheidung oder mit Erziehungsproblemen zur Caritas, gibt Grill Einblick in den Arbeitsalltag. Schwangerschafts- und Suchtberatungen kämen hinzu. Sämtliche Angebote würden von Stadt, Land und zu 20 Prozent aus Kirchensteuermitteln finanziert. Sorgfältige Budgetplanung gehöre ebenso zu seinen Aufgaben wie Beratungen so zu steuern, dass die Kunden in die Lage versetzt würden, ihr Verhalten zu ändern, betont Grill.
„Arm sein bedeutet nicht unbedingt, ein trauriges Leben zu führen“ habe er gelernt, sagt der Caritas-Zentrumsleiter. Dankbar blickt er auf bereits eineinhalb Jahre Leitung des Caritas-Zentrums in Speyer zurück. Als überzeugter Christ glaubt Grill an eine positive Zukunft. Wenn er vor den Bäumen steht, die sein Großvater gepflanzt hat, spüre er die natürliche Verbundenheit mit der Heimat unmittelbar. „Das trägt mich“, sagt Wolfgang Grill.
Mit 80 Prozent Frauen sei das Speyerer Caritas-Zentrum sehr weiblich aufgestellt, sagt der Interims-Leiter. „Das bringt viel Kindersegen mit sich.“ Im vergangenen Jahr hätten sechs Schwangerschaften und somit ebenso viele Elternzeiten den Beschäftigten Flexibilität abverlangt, sagt Grill. Jetzt freut er sich, dass die jungen Mütter bald wieder in den Beruf einsteigen wollen.
Seine Pfälzer Wurzeln hätten ihn zurück nach Hause geholt, berichtet Grill vom Umzug nach Dudenhofen ins Haus des Großvaters. Da ist der Familienvater von drei mittlerweile halbwüchsigen Kindern heimisch geworden. Oft sei er auch in der Kölner Zeit im Pfälzerwald Rennrad gefahren, habe die Familie und Freunde besucht, sagt Grill. „Aber es waren eben lediglich Besuche“, erklärt er den Unterschied zu seiner heutigen Lebenssituation.
Mit dem Fahrrad fährt er täglich zum Arbeitsplatz in der Ludwigstraße 13 und zurück nach Dudenhofen. Ehrenamtlich engagiert sich der Caritas-Zentrumsleiter auf Zeit im Vorstand des Waldbauvereins Ganerb und bei den Dudenhofener Christdemokraten. „Ich betreibe aktiven Waldbau“, betont Grill, der mit Holz aus dem eigenen Wald heizt.