Speyer Wochenchronik:

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Es war einmal ein Kreditinstitut namens Kreis- und Stadtsparkasse Speyer. Der Name ist verschwunden mit der Fusion 2013 zur Sparkasse Vorderpfalz. Auch die Bank ist seitdem weg. Gefühlt jedenfalls. Denn lange waren deren oberste Repräsentanten in Speyer nicht zu sehen. In Lu spielt nun die Musik. Die jüngsten Meldungen hießen Personal- und Filialabbau sowie Negativzinsen. In dieser Woche kam jedoch ein neues Lebenzeichen aus Speyer: das oft avisierte, jetzt aber „verbindliche“ Startsignal für die Umbauplanung der Hauptstelle am Willy-Brandt-Platz. Entschieden ist noch nichts, aber„alles ist auf dem Prüfstand“, so die Sprecher des Instituts. Nur eines stehe schon fest: Wohnungen sollen entstehen. Das bestehende Gebäude ist wohl in modernen – zunehmend menschenlosen, aber automatisierten – Bankzeiten falsch dimensioniert. Und mit Wohnungen lässt sich Geld verdienen. Im Gegensatz zum Handeln mit Krediten und Zinsen. „Ein erfahrener Investor“ soll das Gelände neu entwickeln. Die Speyerer wissen, dass das nichts Gutes bedeuten muss. Laut Satzung und Selbstverständnis sind deutsche Sparkassen gemeinnützige Anstalten des öffentlichen Rechts, die dem Wohl der Wirtschaft und den Menschen in ihrer Region verpflichtet sind. Von möglichst hohen Gewinnen ist keine Rede. Umso mehr heißt es aufpassen, was besagtem Investor einfällt. 8700 Quadratmeter „Filetstück“ bieten Optionen. Ach ja, noch was ist sicher: „Vor Ende 2018 wird es keinen Hammerschlag geben.“ Na dann: fröhliches Planen. Im Prinzip ist es ja schon kurz vor dem Speyerer Fest der Feste: dem Brezelfest. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins, „Brezel-Uwe“ Wöhlert, ist heute schon selig. Nicht nur wegen der tollen Idee, am 8. Juli erstmals eine Brezel-Königin suchen, krönen (und dann wohl auch küssen) zu dürfen. Nein, etwas anderes lässt sein Herz vor Freude springen. Bei der Nachbereitung der Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins ist Brezel-Uwe doch in der Tat auf der Startseite seines Internet-Dienstleisters darauf gestoßen, dass bei den Symbolbildchen als Anhang für Nachrichten im Netz, den sogenannten Emojs, doch tatsächlich demnächst die Brezel erscheinen wird. Er habe das schon lange anregen wollen. „Ich freue mich umso mehr, als sogar die dafür zuständige Emojis-Welt-Organisation, das Unicode-Konsortium, den Wert des Speyerer Nationalgebäcks erkannt hat. Jetzt kann der Speyerer hoffentlich rechtzeitig zum Fest die symbolische Brezel rund um die Welt senden“, jubelt Brezel-Uwe und fühlt sich seither wie ein Brezel-König. Allein über den Nachrichtendienst WhatsApp werden im Schnitt 42 Milliarden Nachrichten verschickt – pro Tag. Wenn nur die Hälfte davon eine Brezel-Emoji anhängt und davon wiederum die Hälfte zum Speyerer Brezelfest kommt. Dann wird es mindestens eng auf dem Festplatz. Nicht jeden Speyerer haben die neuesten Pläne von Domkustos Peter Schappert für die Parkplätze an seiner Kathedrale begeistert. „Mit Bedauern“ habe er der RHEINPFALZ am Mittwoch entnommen, dass der geistliche Würdenträger vorhabe, einen Teil der bisher für Besucher des Doms und der Innenstadt zur Verfügung stehenden Parkplätze künftig für Mitarbeiter des Domkapitels zu reservieren, sagt etwa Thomas Armbrust, seine Zeichens Geschäftsinhaber und Sprecher des Einzelhandelsverbandes Speyer. Die Stadt sei damit einverstanden, hatten wir berichtet. Armbrust hält dem Ansinnen des Bodenpersonals des Herrn die Heilige Schrift, Kapitel Lukas 18, Vers 16 entgegen: „Lasset die Menschen zu mir kommen und wehret es ihnen nicht.“ Dort heiße es nicht etwa: „Lasset meine Mitarbeiter mit dem Auto direkt vor meine Türe fahren“, sagt Armbrust und denkt wohl noch: „Opfert nicht leichtfertig begehrte Stellplätze für einkaufswillige Kunden“. Die Speyerer Ordnungsdezernentin Stefanie Seiler (SPD) hat sich regelrecht verbissen in ihr Thema öffentliche Sauberkeit. Nach dem Problem mit unschönen Hinterlassenschaften vieler Lastwagenfahrer auf Durchreise am Straßenrand und dem Austausch von Mülleimern in der Innenstadt packt sie nun das Netz der Ausgabestellen von „Sch…tüten“ fürs große Hundegeschäft an. Zwei weitere Tütenspender – insgesamt 22 – sind nun installiert. Standorte und weiterer Bedarf werden überprüft, kündigte Seiler an. Um Kosten zu sparen, lässt sie das „Mannheimer Modell“ prüfen. Das heißt Patenschaften für die „Sch… tüten-Spender“ von Bürgern. In der Quadratestadt scheint das zu funktionieren – mit roten Tüten. „Spender sucht Pate“ steht dort auf dem Gerät. In Speyer sind nicht nur die dünnen Beutel schwarz. Es gibt unter den Nutzern auch schwarze Schafe. Viele ziehen sich einen, um darin ihr Butterbrot zu verstauen. Andere schaffen es sogar, so berichtet Seiler aus eigenem Erleben, die Hinterlassenschaft ihres Hundes zwar einzupacken, dann den gefüllten Beutel in die Botanik zu werfen. Echt beschissen. Zu oft fehlen Mülleimer neben an – von der Stadt weggeräumt. Das Abitur ist vorüber. Heute steigen die letzten Abibälle. Die Schüler sind glücklich. Die Lehrer auch. Und die Eltern. Ebenso wie mindestens eine Kindergartenleiterin aus dem Umland: Ute Wirtgen. Die Chefin der Kita St. Dominikus in Harthausen und Mutter einer äußerst erfolgreichen Abiturientin am Kaiserdom-Gymnasium hat nach der Zeugnis- und Preisvergabe gleich zweierlei festgestellt. Wie erfolgreich die „Kinder vom Land“ in der Stadt waren. „Relativ stärker sogar als die Städter, zumindest an unserem Gymnasium“, pflichtete ein nicht minder stolzer Vater bei. Allein unter den Preisträgern am Gymnasium am Kaiserdom waren alle drei Schüler der „Goldenen Abi-Generation“ aus Harthausen. Sogar der Jahrgangsbeste der Schule kommt aus dem Tabakdorf. Dazu stellt die Gemeinde vier weitere Preisträger an anderen Gymnasien. „Und alle Harthäuser waren dort im Kindergarten. Wir haben die Grundlagen gelegt“, frotzelte Wirtgen Richtung Domstadt mit schelmischem Lachen. Früh übt sich und Ehre, wem Ehre gebührt. Es geht endlich los: Das erste Wochenende mit einer Großveranstaltung, wie es sich für Speyer gehört, hat gestern Abend begonnen. Es steht im Zeichen des Weins, ist Spaß und Herausforderung. Der Auftakt mit dem Weinhopping ist schon vorbei. Ab heute läuft die fünfte Messe „Wein am Dom“ an sechs Standorten. „Da musst Du strategisch vorgehen“, riet ein Weinkenner über den Katalog gebeugt. 923 Gewächse verzeichnet das Werk. Alle zu probieren will, geht nur mit Zeitplan im Sekundentakt. Rainer Göhl, Cheflogistiker für das Ereignis rund um Flasche und Glas, hat es durchgerechnet.13 Stunden lang ist die Messe geöffnet. Um jeden Wein zu probieren, bleiben 50 Sekunden je Gewächs. Ohne Pause, ohne Schluck Wasser zwischendurch, ohne Extra-Angebote zu kosten. Und ohne eine Brezel zu essen. Unser Rat: Probieren Sie, nicht alles zu probieren. Dann könnte Zeit bleiben fürs Genießen. Ein genussreiches Wochenende wünscht | Stefan Keller

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