Speyer Wochenchronik:
Keine gute Woche für die Region. Stichwort BASF: Das schreckliche Ereignis in Ludwigshafen hat auf einen Schlag schonungslos bewusst gemacht, wie riskant Leben ist. Ganz gleich, was die Ursache von Brand und Explosion im Landeshafen im Norden der Chemiestadt gewesen sein mag. Das Furchtbare kann jeden treffen. Stichflamme, Rauchsäule, Explosion, Hitze – leider gibt es vergleichbare Fälle in der direkten Umgebung. Die Explosion in Harthausen kommt einem unweigerlich sofort wieder in den Sinn. Nicht nur, weil sich die Bilder gleichen. Nein, auch, weil es neben dem Matrosen erneut Feuerwehrleute waren, die Opfer des Ereignisses wurden. Männer, die für die Allgemeinheit ihr Leben riskieren – und es in diesem Fall sogar verloren haben. Das kann keinen kalt lassen. Tut es auch nicht. Es ist einfach nur schrecklich. Worte fallen schwer angesichts solch erbarmungsloser Schicksalsschläge. Der Polizeibeamte vom Dienst in Speyer hat es am Unglücksabend beim obligatorischen Rundruf bei Redaktionsschluss ganz betroffen mit tonloser Stimme auf den Punkt gebracht. „Lage in Speyer normal. Und sowas wie in Ludwigshafen brauche ich nicht.“ So etwas braucht keiner. Der Redakteur wünscht wie üblich „ruhigen Nachtdienst“. Und wird sich der Tragweite der Worte wieder einmal voll bewusst. Persönlich eine angenehme Zeit hat hoffentlich in dieser Woche Oberbürgermeister Hansjörg Eger erlebt. Er weilt noch bis Montag dienstlich in der israelischen Partnerstadt Yavne, in Haifa und in Jerusalem. Wir wünschen jedenfalls, dass er etwas Entspannung gefunden hat bei der Auslandsvisite. Denn in Speyer läuft es derzeit nicht ganz so rund – vor allem nicht bei Groß- und Prestigeobjekten. Auf die Luftnummer Stadtlogo folgte die Pleite beim Vorhaben gemeinschaftliches Wohnen oder „Pannonia-Projekt“. Vertreter von Stadt (namentlich der Oberbürgermeister), potenzielle Interessenten (die soll es tatsächlich gegeben haben) und „Experten“ geben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern. Die Wahrheit dürfte wohl eine Mischung aus allen Argumenten und Behauptungen sein. Bittere Tatsache ist, dass es ein solches Wohnprojekt vorerst in Speyer nicht gibt. Zunächst steht der Bauherr alleine auf der Baustelle. Nicht richtig wohl gefühlt hat sich ein Speyerer unlängst in einem Speyerer Lokal, das in jüngster Zeit verstärkt auf bayerische Lebensart setzt, entsprechend auftritt und auftischt und mit beidem durchaus Erfolge verzeichnet. Dem Mann aus Speyer hat auch geschmeckt, was ihm serviert wurde. Übel aufgestoßen ist ihm dagegen eine Tafel über der Kasse am Tresen im Schankraum. Darauf stand mit Kreide „deutlich sichtbar und in Übergröße“ geschrieben: „Tinkgeld nur In Scheine“. Schon für die Schreibfehler fühlte er sich zum Fremdschämen veranlasst. Aber solche gibt es leider sogar in Zeitungen. Doch nun waren aber auch noch seine Begleiter aus den USA. Die hatte er extra nach „Bayern“ geführt. Und die wollten alles ganz genau wissen. Auch was da steht. Sie baten um eine Übersetzung. Damit war es für den Speyer erst richtig peinlich geworden. Er habe dem Wunsch natürlich Folge geleistet und den Inhalt seinem Gegenüber als eine Art Ausdruck bayrischer Grobschlächtigkeit oder Derbheit interpretiert. Der Besucher aus Übersee habe es mit einem gequälten Lächeln quittiert, berichtet der Speyerer. „Vielleicht ein negativer Lustgewinn?“. Richtig gelungen findet er den Tafelwitz, falls es so einer sein sollte, nicht. Gerade in der Touristenstadt Speyer. Und räsoniert dann weiter: „Wenn die Armut überwunden, fängt die Gier an.“ Nicht klar ist, ob die Gäste Trinkgeld in der gewünschten „Stückelung“ dabei hatten. Anknüpfen an gute alte Zeiten will – und muss ganz dringend – die Sparkasse Vorderpfalz am Standort Speyer, wenn sie gegenüber dem Wettbewerb nicht weiter an Boden verlieren will. Zu lange hat sie nach der Fusion und der Konzentration auf Ludwigshafen ihre, wie es neudeutsch heißt, „Performance“ in der Domstadt nur schludrig gepflegt. Sie war einfach nicht mehr präsent. Hinzu kamen unter anderem Filialschließungen und Automaten statt Menschen. Einen ersten Schritt zurück zu alter Stärke hat das Kreditinstitut in den vergangenen Wochen mit seiner Spendenausschreibung über einen Plakatwettbewerb für Vereine versucht. Die Preisübergabe – 27.500 Euro – am Mittwoch in der Hauptstelle in der Wormser Straße war ein großes Ereignis, nicht nur für die 24 der 35 teilenehmenden Vereine. Wie wichtig die Sparkasse den Auftritt nahm, zeigt sich schon daran, dass der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Linnebank persönlich den Weg nach Speyer gefunden hatte in das von ihm „Generalversammlung der Speyerer Vereine“ titulierte Ehrenamtler-Treffen. Dass es neben der Förderung des Ehrenamts auch um das Image der Bank vor Ort geht, stritt der Bankenchef auf die entsprechende Frage nicht ab. Den Vereinen kann es egal sein. Sie haben sich kreativ gezeigt, konnten mit den Plakaten in der Schalterhalle werben und sind für ihren Einsatz in barer Münze entlohnt worden. Das Schönste daran: Die Sparkassen-Wohltätigkeits-Aktion für Speyerer Vereine soll jedenfalls weitergehen, sagte der Vorstandschef vor versammelter Mannschaft spontan zu. Und die Idee, jeden Teilnehmer mit 500 Euro zu bedenken, war jedenfalls marketingstrategisch zumindest sehr, sehr clever. So klappt es bestimmt auch wieder mit dem Image. Wohl nicht immer nur rosarote Zeiten hat die Schaustellerfamilie Barth in den 80 Jahren ihrer Geschichte erlebt. Unter dem Strich jedoch ist sie ganz prima durch die Jahrzehnte gekommen, präsentiert sich voller Tatendrang und – mit Recht – stolz auf das Erreichte. Das hat sich bei der Jubiläumsparty am Donnerstag auf dem Festplatz bei des Schaustellers Lieblingswetter in beseelter Atmosphäre gezeigt. Der Andrang war immens. Fast alle der 650 Eingeladenen waren zur Freude der Gastgeber erschienen. Laut Einladung nur „Freunde der Familie“. Und alles ist gekommen, wie gewünscht: Dresscode „Biergarten feucht/fröhlich“. Bilanz: viel feuchter geht nicht (danke Petrus), die Stimmung war großartig. Ein schönes Wochenende nur unter guten Freunden wünscht | Stefan Keller