Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenchronik

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Karikatur: Uwe Herrmann

Selfie-Points: Zum Draufdrücken

Die Digitalisierung ist auch im Stadtmarketing angekommen. Bereichsleiter Matthias Nowack präsentierte in dieser Woche einen neuen Coup: Selfie-Points. Die Metropolen machen es vor, demnächst soll es testweise auch in Speyer Punkte geben, die den Standort für das perfekte Touristen-Selfie markieren. Wobei Punkte wörtlich zu verstehen ist. Genauer gesagt sollen es große blaue Punkte mit weißen Pfeilen und einem Smartphone-Symbol sein, die auf der Maximilianstraße und Co. angebracht werden. Diese „Bodentattoos“ gefielen im städtischen Tourismus-Ausschuss nicht jedem. Zu groß, zu blau, hieß es von einigen Mitgliedern. Das Design ist noch nicht endgültig beschlossen, beschwichtigte Nowack. Den Einheimischen würde das garantiert nicht gefallen, orakelte Philipp Rumpf (SWG). Und die Touristen? Für junge Menschen sei das nichts, sagte Rumpf. „Die suchen sich ihre Selfie-Points selbst.“ Alle Mühe also umsonst? Keineswegs. Der SWG-Mann identifizierte gleich eine Zielgruppe: „Das ist eher was für Mittelalter- oder Senioren-Selfies.“ Passt doch prima zu anderen Teilen der städtischen Digital-Strategie. Wie Nowack weiter mitteilte, konzentrieren sich die Google-Werbeanzeigen, in die die Stadt investiert, vor allem auf „Kultur-Touristen“. Und die sind in den wenigsten Fällen Anfang 20. Vielleicht kann man ja beides verbinden. Selfie-Point im Konzertsaal für den perfekten Schnappschuss mit dem Pianisten im Hintergrund? Wäre doch auch was.

Feuerwehr I: Zum Bewundern

Was wäre Speyer ohne seine Feuerwehr? Immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. Die haupt- und ehrenamtlichen Wehrleute rücken auch zu Einsätzen aus, an die der Normalsterbliche im ersten Moment vielleicht gar nicht denkt. Ein Bereich, der laut der Wehr immer größer wird: die Tierhilfe. Mehr als 120 Einsätze verzeichnete die Speyerer Feuerwehr auf diesem Gebiet im vergangenen Jahr, wie sie am Welttierschutztag auf ihrer Facebook-Seite schrieb. Und das nach eigenem Bekunden gerne. Ob das tatsächlich bei jedem Einsatz der Fall ist? Es ist den Männern und Frauen zu wünschen. In dieser Woche war es wieder mal so weit. Einen verletzten Graureiher vom Flugplatz zum Tierarzt zu bringen, klingt noch aufregend, so einem Vogel kommt man nicht jeden Tag so nah. Aber dann gibt es auch Einsatzberichte wie diesen, der mit „Hilfeleistung Fundtier Im Erlich“ überschrieben war: „Taube sitzt auf Balkongeländer. Taube unverletzt davongeflogen, kein Eingreifen erforderlich.“ Wie gesagt, was wäre Speyer ohne seine Feuerwehr? Ein ganzes Stück ärmer dran.

Feuerwehr II: Zum Kopfschütteln

Wer Brände löschen, Tiere retten und sich sonst noch um alles Mögliche kümmern muss, braucht Unterstützung. In dieser Woche ist das Dauerthema neue Hauptfeuerwache wieder hochgekocht. Vertreter aus Politik und Stadtverwaltung haben das Gespräch mit Verantwortlichen der Feuerwehr gesucht, um über einen möglichen neuen Standort zu sprechen und um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Treffpunkt: der Feuerwehr-Stützpunkt Nord in der Viehtriftstraße, eine ursprünglich provisorische Lösung, die schon viel zu lange Tatsache ist. An dem Stützpunkt gibt es kein festes Personal, er dient lediglich dazu, dass die Wehrleute im Ernstfall schnell bei Einsätzen im Norden sind, denn von der südlich gelegenen Hauptfeuerwache in der Industriestraße aus ist das nicht immer möglich – ein bekanntes Problem. Ein weiteres, das sich erst auf den zweiten Blick offenbart: Wie hält man den Stützpunkt in Schuss, wenn dort nicht dauernd jemand anwesend ist? Dafür haben die Speyerer eine ganz eigene Lösung: Alle 14 Tage fahren die Wehrleute die Putzhilfe, die am Hauptstützpunkt für Sauberkeit sorgt, mit dem Feuerwehrauto in die Viehtriftstraße. Während sie unter anderem in der einzigen Toilette ihren Job erledigt, überprüfen die Feuerwehrleute die Fahrzeuge am Stützpunkt. Danach geht’s wieder zurück in die Industriestraße. Die Lösung ist clever. Sie klingt aber auch anstrengend. Hoffentlich wird das mit der Hauptfeuerwache einfacher. Wenn sie denn mal kommt.

Genderdebatte:Zum Haareraufen

Die Genderdebatte treibt zuweilen seltsame Blüten. So bemängelte Matthias Schneider von der gleichnamigen Wählergruppe in der jüngsten Stadtratssitzung, dass die Stadtspitze mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und Monika Kabs (CDU) zu weiblich sei. Bei der Debatte um zusätzliche Beigeordnetenstellen forderte er, im Sinne einer „gendergerechten Ausrichtung“ vorab zu prüfen, ob es männliche Bewerber gebe. Seiler erklärte, dass es sich um Wahlämter handele, über deren Besetzung der Stadtrat befinden werde. Auf einen paritätischen Ausgang habe dieser Prozess keinen Einfluss. Die städtische Gleichstellungsbeauftragte fügte in einer Stellungnahme hinzu, dass viele Ausschüsse auch heute nicht paritätisch besetzt seien.Ja, die aktuelle Speyerer Stadtspitze ist weiblich – zum ersten Mal nach jahrhundertelanger männlicher Dominanz. Speyer hat mit Stefanie Seiler seine erste weibliche Oberbürgermeisterin, gewählt in einem demokratischen Prozess, nicht nach irgendwelchen Quoten. Echte Gleichberechtigung bedeutet, die beste Person für den Job zu wählen, unabhängig von der Geschlechterzugehörigkeit. Vielleicht kommt die Gesellschaft irgendwann in jedem Bereich an diesen Punkt. Manchmal scheint das allerdings wie eine Utopie.

Ein schönes Wochenende für alle

Geschlechter wünscht

Anna Warczok

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