Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenchronik

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Stadtspitze

Doppelter Einsatz

Der Sommer 2019 ist gelaufen. Zumindest beim Blick in den Terminkalender der Stadtspitze. Zwölf Pressetermine hat das Duo Stefanie Seiler/Monika Kabs in der heute zu Ende gehenden Woche angeboten: Begrüßungen, Eröffnungen, Grußworte, Sitzungen, Gespräche, Vorträge und so weiter. Was Mitglieder eines Stadtvorstandes eben so machen die ganze liebe Woche lang, um die Stadt am Leben zu erhalten und zu regieren. Motto: Mit Volldampf in den politischen Herbst. Oder: Wir zeigen euch einmal, wie gut das alles auch ohne zusätzliche Beigeordnete geht. Seit Donnerstag steht allerdings fest: Die Rechnung geht nicht auf.

Kooperation

Zweiter Versuch

Alles schon mal da gewesen – oder: Kinder, wie die Zeit vergeht: Gerade mal 25 Jahre sind um und schwupps, da ist sie wieder, die Zusammenarbeit von CDU, Grünen und Speyerer Wählergruppe (SWG). Die handelnden Personen sind heute andere. Auch die Form des Zusammenschlusses hat gewechselt. Was heute „Kooperation“ heißt, war damals eine Koalition. „Historisch“ nannte sie die RHEINPFALZ damals. Schwarz-Grün war nie vorher gewesen. Speyer schaffte es damit sogar in das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Dese Gefahr besteht jetzt wohl eher nicht. „Die fünf Jahre waren damals politisch sehr, sehr gute Jahre für Speyer“, sagte einer, der damals an maßgeblicher Stelle dabei war. Auf das menschliche Miteinander komme es an, ob das funktioniert. „Wenn man sich mit Argwohn begegnet, wird es nichts.“ Jetzt muss ein Argwohns-Bericht aufgelegt werden.

Radentscheid

Erster Anlauf

Natürlich wissen wir alle, warum wir Speyer so lieben. Es ist und bleibt einfach die allerbeste, weltbeste Stadt der Welt unter den Städten der Pfalz. Trotz ihres Alters von über 2000 Jahren bleibt sie offen gegenüber Entwicklungen, Trends, Moden. Neues hat immer seinen Platz in den alten Mauern. Vieles geht, passiert, erlebt der Bürger zum ersten Mal in seiner schönen Stadt. Nun, der Klimanotstand ist gerade ausgerufen. In Speyer wird auch deshalb an einem Radentscheid gearbeitet. Das ist ein Bürgerbegehren für bessere Radelbedingungen. „In vielen Städten Deutschlands hat es schon geklappt. In Rheinland-Pfalz wäre es ein Novum“, ordnen die Initiatoren ein. Natürlich. Speyer vorn. Erfolgreich Neues zu machen hat große Tradition in Speyer. Das klappt bestimmt. Hauptsache: allzeit genug Luft auf dem Reifen.

Klimarettung

Harter Wettbewerb

Stichwort Klimarettung. Jetzt gilt es zu retten, was überhaupt noch zu retten ist. Da kommt es darauf an, schnell zu sein. Und alle, die mithelfen wollen, geben jetzt Gas, treten auf die Tube. Natürlich auch die beiden großen christlichen Kirchen, die in Speyer wichtige Zweigstellen der internationalen Einheiten unterhalten. Sie beeilten sich am Montag dieser Woche – endlich – Solidaritätsbekundungen für die von der Schwedin Greta Thunberg initiierte und die Welt infizierende „Fridays-for-Future“-Bewegung sowie den nächsten globalen Aktionstag am Freitag, 20. September, abzugeben. Das Rennen ging knapp aus. Am Montag um 10.15 Uhr erreichte die bedrohte Welt die Pressemitteilung des Bistums, um 15.32 Uhr zog die Evangelische Landeskirche nach. Sie war damit zwar später auf dem Meldungsmarkt, konnte aber eins draufsetzen. Die Protestanten warben für ihre ökumenisch angelegte Mitmachaktion „Trendsetter Weltretter“. Klima retten ist voll Trend.

Katholische Kirche

Weibliche Blicke

Auch in der katholischen Kirche in Speyer: Immer wieder Revolution, Umsturz, Brechen der über Jahrhunderte hinweg geltenden Regeln. Erst kommt da vor ein paar Monaten mit Hedwig Drabik eine Dombaumeisterin um die Ecke. Und gleich die bisher Jüngste in ihrem Job dazu.Und jetzt folgt der nach Angaben des Bistums nächste historische Moment: Am Montag wurde erstmals eine Frau als Leiterin einer Hauptabteilung des Bischöflichen Ordinariats in ihr Amt eingeführt: Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich folgt auf Domkapitular Josef Szuba. Generalvikar Andreas Sturm nutzt die sich da bietende Gelegenheit, um in der Causa „Frau“ grundsätzlich zu werden. Sein wichtiger, zentraler Satz lautete: „In der Kirche wurde viel zu lange ausgeblendet, wie wertvoll der weibliche Blick auf die Welt ist.“ Recht hat er damit. Denn da bemerkt er genau, dass bei diesem Thema tatsächlich Bewegung drin ist: Im aktuellen Terminkalender des Monats September des Bistums wird das schön deutlich: „Gebet um geistliche Berufe“, heißt es am 5. September mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Tags darauf, 6. September: „Wir gehen weiter: Frauen in kirchliche Ämter“. Referentin: die Professorin Margit Eckholt. Die zwei „Schulen“ in der katholischen Kirche stehen im direkten Wettbewerb – in dieser Übersicht. Da kann es für Sancta Ecclesia nur nach vorne gehen.

Telekom

Lange Leitung

„Die Telekom ist einfach nicht greifbar.“ Das war Konsens bei der Tischrunde der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Pfalz am Dienstagabend. Thema war der schleppende Ausbau der Breitband-Versorgung in Deutschland. „Ich kann da eventuell etwas beitragen, eventuell zur Erheiterung“, meldet sich da Mitch Mitländer. Der Unternehmer aus Österreich hat vor wenigen Wochen seine neu gebaute Firma Airside GmbH am Flugplatz eröffnet. „Ich wäre froh, ich hätte wenigstens schon zwei Kupferkabel im Haus“, sagt er weiter. Im Oktober 2018 hat er den Anschluss-Antrag für Telefon gestellt. Nach Monaten erfolgloser Versuche der persönlichen Kontaktaufnahme mit der Telekom ist jetzt der Termin für den Anschluss da. 12. Dezember 2019. Immerhin rechtzeitig vor Weihnachten. Wenigstens hat Mitländer Netz am Firmensitz und besitzt ein Handy.

Altstadtfest

Endlich Neustart

Die mit dem Brezelfest-Feuerwerk eingeläutete Dürre auf der „Festwiese Speyer“ ist vorbei. Das Zwangs-Warten für die feierfreudigen Domstädter hat ein Ende. Seit gestern Abend tobt – Gottseidank – endlich wieder das Altstadtfest in den Gassen. Speyerer feiern sich selbst und mit Freunden im Schatten des Domes, dass es sie alle und die Stadt gibt. Das ist wahrlich Anlass genug. Schönes Fest noch heute. Aber nicht übertreiben. Es folgen noch Gelegenheiten: Bauernmarkt, Herbstmesse, Weihnachtsmarkt ... Heute und dann darf aber schon darüber nachgedacht werden, ob in Klimanotstand-Zeiten wohl noch ein „Altpörtel in Flammen“ geht. Das ist jetzt eine wichtige Frage geworden.

Ein schönes Altstadtfest

wünscht dennoch

Stefan Keller

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