Speyer
Wo künftig Busse halten und wo nicht
Es sind noch einige Beschlüsse notwendig, aber die Richtung ist klar, weil es am Dienstagabend weder im Bau-, noch im Verkehrsausschuss Gegenstimmen gab. Der Busverkehr in Speyer soll in knapp zwei Jahren auf den wichtigsten Linien deutlich verdichtet werden – von einem 15-Minuten- auf einen 7,5-Minuten-Takt. „Bei einer solch engen Taktung sind völlig andere Fahrgastzahlen möglich, weil man sich keinen Fahrplan mehr merken muss. Auch Autofahrer steigen um“, erklärte Mathias Schmechtig, der die Stadt beratende Gutachter, den Vorteil.
Schon in früheren Sitzungen war beschlossen worden, dass die von der Zeit bis 2013 bekannte Shuttle-Linie vom Bahnhof bis zur Firma PFW zurückkehrt, aber außer dieser keine Linie mehr über die Maximilianstraße fährt. Zudem wird von Diesel- auf Elektrobusse umgestellt.
Die beklagten „Lücken“
Bedauert werden die neuen „Lücken“, die trotz der deutlichen Angebotsverdichtung entstehen. Vertreter von Grünen und SPD hatten dabei vor allem den Altstadtrand im Blick, da keine Linie mehr über den Eselsdamm verkehren soll. Die bisherigen Linien 566 (Hauptbahnhof – Mausbergweg) sowie 567 (Hauptbahnhof – Hafenstraße) waren laut Schmechtig bisher wegen geringer Nutzungszahlen die „absoluten Sorgenkinder“. Johannes Gottwald und Inge Trageser-Glaser (beide SPD) entschieden sich für Enthaltung statt Zustimmung zum Konzept.
Trageser-Glaser zählte auf, was ihr fehlt: eine umsteigefreie Verbindung von Nord nach West, eine von West zum Postplatz mit besserer Berücksichtigung der Oberen Langgasse, Zustiege am Eselsdamm sowie an den Gymnasien. Sie forderte Nachbesserungen vor dem am 10. Februar geplanten Votum im Rat. Hannah Heller (Grüne) fragte nach dem Eselsdamm und der Erschließung der Industriebereiche nördlich des S-Bahn-Halts Nord/West.
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) sagte, sie könne die Wünsche nachvollziehen. Die Stadt plane jedoch schon „sehr weitreichend“ und müsse auch an die Kosten denken. Trageser-Glasers Ideen würden zusätzliche Linien erfordern, so Schmechtig. Fast alle Bewohner könnten innerhalb von 300 Metern eine Haltestelle erreichen – bei kleineren Ausnahmen am Rand von Speyer-Nord. „Wenn ich mit Ihnen gemeinsam eine Wunschliste erstellen könnte, bei der die finanziellen Rahmenbedingungen keine Rolle spielen, könnten wir richtig in die Vollen gehen“, so OB Seiler.
Die in mehreren Sitzungen und Beteiligungsrunden erarbeitete Planung könne jetzt nicht mehr aufgeschnürt werden – auch angesichts der Fristen, die für die Ausschreibung zu beachten seien. Dennoch werde die Beratung und Bürgerbeteiligung weitergehen. Es gehe noch um den Ausbau der Haltestellen und darum, ob bestimmte Gebiete – etwa Eselsdamm und Altstadt – mit sogenannten Bedarfsverkehren wie Sammeltaxis angebunden werden.
Die geplanten neuen Linien
Linie 561: Shuttle-Linie mit kleineren Bussen vom Bahnhof über Postplatz, Maximilianstraße und Festplatz zu den Flugzeugwerken. Sie verkehrt im 7,5-Minuten-Takt.
Linie 562/563: Die Nord-Süd-Linie wird von einem 15-Minuten- auf einen 7,5-Minuten-Takt verdichtet und gegenüber dem bisherigen System auch in der Linienführung verändert. In Speyer-Nord verkehrt sie im Gegensatz zu heute nicht mehr nur in eine Richtung, sondern als gegenläufige Ringlinie. Am Postplatz biegen die Busse nicht mehr in die Maximilianstraße ab, sondern fahren weiter nach Süden durch die Hilgardstraße. An deren Ende verzweigt sich der Weg: einmal geht es über die Paul-Egell-Straße zum Platz der Stadt Ravenna, einmal durch das Neuland zu den Stadtwerken. Jede zweite Fahrt zu den Stadtwerken soll ins Industriegebiet Süd verlängert werden, wohl bis zu einem neuen Endhalt auf Höhe des Lidl-Logistikzentrums. Eine Neuerung ist die direkte Verbindung vom Vogelgesang zum Bahnhof, nicht mehr wie jetzt mit Umweg durch das Kämmerergebiet und Wartezeit am Postplatz.
Linie 564/565: Sie soll als „gegenläufige Acht“ weite Teile von Speyer-West und -Ost erschließen und zusammen mit der Linie 562/563 laut Schmechtig 85 Prozent des Bedarfs abdecken. Hier gebe es – in verschiedene Richtungen – am Berliner Platz alle 7,5 Minuten einen Stopp. Die Linie 564 dreht einen Kreis vom Bahnhof über die Schützenstraße nach West und über die Iggelheimer Straße zum Bahnhof. In der Iggelheimer Straße soll sie eine neue Haltestelle am Bauhaus-Kreisel erhalten, um auch die Walderholung gut erreichbar zu machen. Die Linie 565 nimmt nach Bahnhof und Postplatz den Weg über Hilgardstraße, Festplatz, Kirrmeier-Straße, Raiffeisenstraße und Mausbergweg zum Bahnhof.
Linie 566: sogenannte Ergänzungslinie im 30-Minuten-Takt. Sie schlängelt sich durch West, um Burgfeld, Erlich, Quartiersmensa und Uni zu erschließen.
Linie 567: auch hier der 30-Minuten-Takt, um den Kämmerer und die Auestraße an den Bahnhof und die Hauptlinien anzubinden. Die Verlängerungsidee über die Auestraße hinaus zur Hafenstraße wäre laut Gutachter zu teuer.Linie 568: Die Linie nach Römerberg wird nicht mehr durch die Maximilianstraße, sondern durch die Hilgardstraße in die Paul-Egell-Straße geführt. Es bleibt bei einem im Schulverkehr verstärkten 60-Minuten-Takt.