Speyer
Wirtz Medien: Bange Blicke ins Schwabenland
Es fehlt an Geld bei Wurzel. „Ursache der wirtschaftlichen Schieflage der Wurzel Mediengruppe ist der anhaltende Preisdruck bei Printprodukten, ausgelöst durch bestehende Überkapazitäten des Marktes, der zu sinkenden Umsätzen führt, während gleichzeitig hohe Investitionen in die Digitalisierungstechnik getätigt werden müssen.“ Mit diesen Worten informierte vor rund zwei Wochen der vorläufige Insolvenzverwalter.
Damals war die Speyerer Tochter noch nicht betroffen, jetzt ist auch für sie eine drohende Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Esslingen angezeigt worden. „Sie konnte aus den Problemen der anderen Gesellschaften nicht herausgehalten werden“, erklärt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der vom Gericht beauftragten Kanzlei Schultze & Braun (Achern).
25 Mitarbeiter betroffen
Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Haffa sei aber zuversichtlich, dass eine Sanierung der Gruppe gelingen kann. Der Geschäftsbetrieb werde fortgeführt, an schwäbischen Standorten bis Ende Dezember, in Speyer sogar bis Ende Januar werde Insolvenzgeld gezahlt. Von den betroffenen 225 Mitarbeitern gehörten 25 zu Wirtz; beim Übergang an Wurzel, den der langjährige Inhaber Walter Wirtz aus Altersgründen angestrebt hatte, waren es noch 45 gewesen. „Es liegt bereits ein Sanierungskonzept zu einer Neuaufstellung und stärkeren internen Zusammenarbeit der einzelnen Gesellschaften und Geschäftsfelder vor. Damit lassen sich nach meiner bisherigen Einschätzung Effizienzpotentiale heben“, wird Jurist und Betriebswirt Haffa zitiert.
Produktion läuft weiter
Kanzleisprecher Schorlemmer rechnet für Februar 2021 mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Firma Wirtz Medien. Bis dahin müsse das restrukturierte Unternehmen wieder zahlungsfähig sein, um dauerhaft fortgeführt werden zu können. Es werde nach Investoren gesucht, die die Gruppe entweder als Ganzes oder zumindest Teile davon übernehmen könnten. Erste Interessenbekundungen lägen vor. „Die Firma Wirtz würde auch allein funktionieren“, so die Einschätzung Schorlemmers. Sie ist auf den Druck von Beipackzetteln zu Pharma-Produkten spezialisiert und nebenbei im Akzidenzdruck tätig. Sie sei nicht so stark von Marktschwankungen betroffen wie andere Bereiche der Branche.
Neben der generell schwierigen Marktsituation hätten auch die Auswirkungen der Corona-Krise und die Kosten eines Wurzel-Umzugs innerhalb Baden-Württembergs nach Esslingen die Liquiditätssituation belastet, teilt die beauftragte Kanzlei mit. Die Wurzel Mediengruppe ist ein Produzent und Dienstleister im Druck- und Mediengewerbe mit Druckereistandorten in Esslingen und Schwäbisch Hall, zu deren wichtigsten Kunden Industriebetriebe, Verlage und Werbeagenturen zählen. Die Speyerer Tochter ist aus der Jaeger’schen Buchdruckerei hervorgegangen, in der Lucas Jaeger im Jahr 1866 mit dem Druck der „Pfälzer Zeitung“ begann. 1972 übernahm die Ernst Klett OHG aus Stuttgart die Druckerei. Der Stuttgarter Walter Wirtz wurde Geschäftsführer. 1989 erwarb er das Unternehmen und führte es bis 2016/17.