Speyer „Wir wollen Musik der 20er radiotauglich machen“
Fünf junge, preisgekrönte Musiker aus Frankreich, Schweden und der Türkei – das sind die Mama Shakers, die am Freitag, 17. August, 19.30 Uhr, mit Titeln der 20er und 30er Jahre beim Oldtime Jazz Festival im Speyerer Rathaushof auftreten. Unsere Mitarbeiterin Melanie Denzinger hat vorab mit Sängerin Angela Strandberg gesprochen.
Als erstes lernte ich Benjamin Stern kennen, der zu dieser Zeit eigentlich Gitarre spielte. Wir trafen uns während des ersten Jahres im Konservatorium durch einen glücklichen Zufall bei einer Jamsession. Er spielt das Banjo nur für die Band, er hat es extra dafür gelernt. Adrienne Malamaire, unseren Kontrabassisten, lernte ich ebenfalls durch einen glücklichen Zufall kennen. Wir haben eine Tour zusammen gemacht, auch er war eigentlich Gitarrist, und während der Tour mit einer Punkband haben wir uns ineinander verliebt und so wurden wir Partner. Ich habe ihn gefragt, ob er für die Mama Shakers Kontrabassspielen lernen könnte, und das hat er dann auch getan. Der Gitarrist der Band, Baptiste Hec, ist schon seit 15 Jahren der beste Freund von Adrienne, und so hat alles seinen Anfang genommen. Aus ein paar Begegnungen wurden also gute Freundschaften und schließlich die Mama Shakers. Wie sind Sie auf den Namen gekommen? Zunächst haben wir uns „Bone Shakers“ genannt, weil wir die Vorstellung von einem tanzenden Skelett mochten. Der Begriff wird schon in vielen Zusammenhängen genutzt, zum Beispiel in Horrorfilmen oder bei der Rockabilly-Musik aus den 50er Jahren und auch bei der Psychobilly-Musik der 80er Jahre. Wir haben uns dann entschlossen, dass wir das alles mit der Musik der 1920er Jahre mischen wollten, aber dann haben wir festgestellt, dass es schon eine Menge Bands mit demselben Namen gibt und die genau diese Musik-Genres bedienen. Also haben wir nach einem Wort gesucht, das in Blues-Songs vorkommt, und „Mama“ ist ein Wort, das immer in Blues-Liedern vorkommt. Was hat es damit auf sich? Die „Mama“ des Blues der 20er Jahre steht für eine starke Frau, die emanzipiert ist, laut und die sich nicht an die Normen hält. Wir haben zwei starke Frontfrauen, Ezgi Sevgi Can und mich. Schließlich haben wir nur Liedtexte ausgesucht, die dieses Thema oder einen Bezug zum Feminismus haben. Auch das Symbol finde ich sehr passend: Eine tanzende Frau – es ist perfekt. Zuletzt ist das Wort „Mama“ universell verständlich. Egal, ob in Frankreich oder sonst irgendwo auf der Welt, jeder kennt es und jeder versteht es sofort. Können Sie die Musik der Mama Shakers in einem Wort beschreiben? Ja, wir sind „energetic“ also energiegeladen, aktiv, vital. Wir sind vieles, aber das ist das, was die meisten Leute uns sagen, wenn sie über unsere Band sprechen. Wenn Sie einmal nicht selbst auf der Bühne stehen, welche Musik hören Sie dann? Wir hören alle sehr verschiedene Musikstile, und das macht unsere Musik auch so reich. Da kommen Rock-Einflüsse mit Rap, Popmusik und orientalischen Klängen zusammen. Ich persönlich höre am ehesten das, was wir auf der Bühne spielen: Rockabilly, New Orleans Jazz und Bluegrass. Was kennzeichnet Ihren eigenen Stil? Bei uns steht der Gesang im Mittelpunkt. Oft singen wir dreistimmig, und unser Konzept ist es, die Musik der 20er Jahre radiotauglich zu machen. Wenn Sie heute Chartmusik im Radio hören, dann steht der Gesang klar im Mittelpunkt, die Lieder sind nicht länger als vielleicht drei Minuten. Der Refrain hat Wiedererkennungswert und bleibt im Kopf. Also wollen wir traditionellen Jazz so aufmachen, dass er in jeden Radiosender passt. Wir machen Lieder von drei oder vier Minuten Länge, benutzen ausdrucksstarke Passagen als Refrain und bringen die Menschen durch Gesang und Rhythmus zum Tanzen. Das Speyerer Oldtime Jazz Festival wird unser zweites Konzert in Deutschland sein, und wir freuen uns schon sehr darauf, unsere Musik mit den Speyerern zu teilen. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice unter der Telefonnummer 0631 37016618.