Speyer „Wir sitzen nicht daheim und beten“

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Hanhofen. Die „Jugend von heute“ ist bei Weitem nicht so schlecht wie ihr Ruf. Junge Menschen engagieren sich in Kirchengemeinden, Vereinen und Institutionen. In unserer Serie „Jung und engagiert“ stellen wir junge Menschen vor, die sich im Speyerer Umland ehrenamtlich einsetzen. Heute: Sarah Eckert, Tobias Kreuziger sowie Sarah und Jonas Kuhn, die bei den Messdienern aktiv sind.

„Anstatt einfach nur in der Kirche zu sitzen, wollte ich etwas machen.“ Das ist der Grund, warum die 18 Jahre alte Sarah Kuhn vor zehn Jahren nach ihrer Kommunion Messdienerin wurde. Ihr 16-jähriger Bruder Jonas kam zwei Jahre später dazu, genau wie die gleichaltrige Sarah Eckert. Tobias Kreuziger, der 15 Jahre alt ist, wurde durch Pastoralreferentin Sabine Alschner, die immer von der Gruppe geschwärmt habe, verleitet, zu den Messdienern zu gehen. „Außerdem war mein Vater Messdiener, da dachte ich, das mache ich auch“, erzählt Kreuziger. Die vier Jugendlichen sind alle im Leitungsteam der Messdienergemeinschaft mit der Pfarrei in Dudenhofen aktiv. An ihrem kirchlichen Ehrenamt gefällt ihnen der Zusammenhalt in der Gruppe. Außer den jährlichen Aktionen wie Ratschen und Sternsingen treffen sich die Messdiener gemeinsam mit ihren Kameraden aus Dudenhofen zu Spielenachmittagen, Übernachtungen und Grillfesten. Zudem organisieren die älteren Messdiener, zu denen die Vier gehören, Besuche im Schwimmbad Miramar, Kletterpark, Europapark und Phantasialand. Durch sein ehrenamtliches Engagement habe er sich persönlich weiterentwickelt, sagt Jonas Kuhn. Der 16-Jährige geht in die elfte Klasse des Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasiums in Speyer und ist dort auch als Schulsanitäter aktiv. „Dadurch habe ich gemerkt, dass ich beruflich etwas mit Menschen machen möchte“, sagt Kuhn, der vielleicht zur Polizei gehen will. Seine Schwester Sarah engagiert sich seit September 2015 einmal pro Woche in der Kleiderkammer in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Speyer. Auch dort gefällt ihr die Gemeinschaft mit den anderen Ehrenamtlichen und der Umgang mit den Flüchtlingen. Zurzeit schreibt sie am Speyerer Edith-Stein-Gymnasium ihr Abitur. Danach wird sie ein Praktikum im Krankenhaus St. Elisabeth in Heidelberg machen. Dort will sie den Hebammen über die Schultern schauen. Sarah Eckert geht außer „dienen“ gerne schwimmen und reiten. Um sich Taschengeld zu verdienen, gibt sie auf einem Reiterhof in Dudenhofen einmal pro Woche mit einer Freundin Reitstunden. Tobias Kreuziger ist außer bei den Messdienern im Schulleben am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium aktiv. Dort gehört er verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, der Schülerfirma und dem Schulvorstand an. „Heute habe ich zum Beispiel nach der Schule 60 Getränkekisten geschleppt, weil der Lieferant gekommen ist“, erzählt Kreuziger. Die Getränke waren für die Automaten, die die Schülerfirma in der Schule betreibt. Dem 15-Jährigen gefällt es, immer etwas zu tun zu haben. Mit Blick auf seine Mitschüler seien es immer die gleichen, die sich in den Arbeitsgemeinschaften engagieren. Die, die sich nicht engagieren, würden es nicht einsehen, auch einmal länger in der Schule bleiben zu müssen, sagt Kreuziger. Sarah Eckert und Sarah Kuhn können das nur teilweise bestätigen. Sie kennen einige Mitschüler, die auch Messdiener seien. Andererseits gebe es auch Jugendliche, die falsche Vorstellungen von dem kirchlichen Ehrenamt haben: „Wir gehen nicht jeden Sonntag in die Kirche, sondern dienen nur alle zwei bis drei Wochen“, sagt Kreuziger. „Wir sind keine Leute, die daheim sitzen und beten“, ergänzt Sarah Kuhn und lacht. Auf die Frage, ob sie in diesem Jahr mit weiterem Messdiener-Nachwuchs rechnen, lachen die Jugendlichen. „Wir haben zwei Kommunionkinder in Hanhofen, vielleicht haben wir dann auch zwei Messdiener“, sagt Sarah Kuhn. Sarah Eckert erzählt, dass in den vergangenen Jahren wenige Kinder Messdiener geworden seien. „Aber die, die da sind, sind auch immer dabei“, betont die 16-Jährige. Die 23 Messdiener sind in Hanhofen bekannt. „Die Leute, die in die Kirche gehen, kennen uns, und die anderen kennen uns, weil wir zweimal im Jahr an ihrer Haustür klingeln und Geld wollen“, sagt Sarah Kuhn und spielt damit auf das Sammeln am Ostersamstag und die Sternsinger-Aktion im Januar an.

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