Speyer Wir über uns: Der Leser ist König, der Leser ist Kunde

Mit Mobiltelefon und Scanstift: So funktioniert „Lesewert“.
Mit Mobiltelefon und Scanstift: So funktioniert »Lesewert«.

Wie wird eigentlich die Zeitung gemacht? In dieser Rubrik berichten Mitglieder der Lokalredaktion jeden Monat über den Arbeitsalltag, Entwicklungen und andere Themen von „hinter den Kulissen“.

Oben steht sie, die Frage: Wie wird eigentlich die Zeitung gemacht? So, wie die Leserinnen und Leser sie haben wollen! Nun hat die RHEINPFALZ zum Glück einen breiten Leserkreis und will entsprechend ein breites Spektrum des lokalen, regionalen und letztlich weltweiten Geschehens abbilden und einordnen. Dass sie es immer allen Recht machen kann, wäre vermessen zu glauben. Die Redaktion kann aber dazu beitragen, dass möglichst viele Artikel auf möglichst großes Interesse stoßen. Dazu muss sie wissen, was die Leser interessiert. Und dafür erhält sie seit März über das Marktforschungsinstrument „Lesewert“ ein umfassenderes Bild, als es etwa die üblichen – und weiter willkommenen – Leserbriefe bieten könnten.

Lesewert liefert Fakten

500 Abonnenten lesen drei Monate lang die RHEINPFALZ, davon rund 100 den Lokalteil „Speyerer Rundschau“, und markieren mit einem Scanstift jeden Artikel, der ihre Aufmerksamkeit findet, plus eine mögliche Ausstiegsstelle. Diese Daten werden per Mobilfunk in Echtzeit versandt und ausgewertet, sodass die Redaktion schon vormittags alle Quoten abrufen kann. Zwei Wochen lang läuft die Erfassung noch. Schon bisher hat sie wertvolle Erkenntnisse gebracht, die dauerhaft in die Redaktionsarbeit einfließen sollen.

Zunächst: Der (vorab vereinbarte) Erfassungszeitraum März bis Mai überschneidet sich mit der Corona-Ausnahmesituation. Weil unter anderem das Kultur- und Sportleben pausiert, fällt vieles weg, das sonst „Stoff“ für Berichterstattung liefert. Und doch: Es zeigt sich sehr genau, was interessiert, wie ein Artikel aufgebaut sein muss, dass er interessiert und – im Umkehrschluss – welche Themen es schwer haben.

Die Top Ten

Die Top Ten der meistgelesenen Artikel von Anfang März bis Mitte Mai enthält neun Beiträge, die sich zumindest indirekt mit der Corona-Situation befassen. Ausnahme: Der Bericht über den Standort für die Ergänzungswache der Speyerer Feuerwehr am alten Bauhaus. Er war ein „Aufmacher“ der Lokalausgabe Anfang März, als die Pandemie vor Ort noch nicht alles in Griff hatte. Aber auch Corona ist nicht gleich Corona: Immer dann, wenn die Leserinnen und Leser direkt betroffen sind, steigen die Lesewerte nochmals an.

Auf Platz eins: Der Beitrag „Nur noch zwei Päckchen Milch“ über Probleme beim Einkaufen vom 23. März. Als dann im April wegen der Maskenpflicht erneut über den Weg ins Geschäft berichtet wurde („Wieder ans Einkaufen gewöhnen“), kam dieser Themenkreis nochmals auf Platz acht der Tabelle. Platz drei belegt er auch – nämlich mit dem Artikel über hohe Geldbußen für Speyerer Eisdielen, die unerlaubt geöffnet hatten. Platz vier: Der Bericht eines Speyerers über seine überstandene Corona-Erkrankung („Hatte das Gefühl zu ersticken“). Ebenfalls auffällig: Platz sieben für den Quarantäne-Alltag der Erntehelfer, die in der Jugendherberge untergebracht waren. Betrifft indirekt auch den Endverbraucher. Insofern: Wir bleiben dran. Wir wollen berichten, was unsere Leserinnen und Leser bewegt.

Zur Person

Patrick Seiler ist stellvertretender Leiter der Lokalredaktion Speyer. Er ist erreichbar unter patrick.seiler@rheinpfalz.de.
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