Speyer Wie viel Pflege braucht der Fischergraben?

Die Debatte um die Pflege des Fischergrabens, der zwischen Industrie- und Rheinhäuser Straße verläuft, ist neu aufgeflammt. Eine Anwohnerin beklagt sich über Brombeerhecken am Grabenrand, die von städtischem Gelände aus Grün auf ihrem Privatgelände überwucherten, und generell schlechte Grabenpflege. Die Stadt betont, diesen Bereich aus Naturschutzgründen nur im Winterhalbjahr zu mähen.
Sechs neue Triebe einer nur schwer zu entfernenden Brombeerhecke, die vom Nachbargrundstück her wächst, hat eine Anwohnerin der Industriestraße in der vergangenen Woche gezählt. Die Anzahl der Briefe, die sie seit einiger Zeit mit der Stadtverwaltung ausgetauscht hat, hat bald ähnliche Ausmaße angenommen. Auf ihre letzte Rodungsaufforderung vom Mai habe sie keine Antwort mehr bekommen, sagt sie. Schon 2010 habe sie an die Stadt geschrieben. Der Fischergraben sei schon damals vom Zustand in den 1980er Jahren, als Enten auf der kleinen Wasserstraße geschwommen seien, weit entfernt gewesen. „Er ist so zugewuchert, man kann ihn kaum noch erkennen“, sagt die Frau. Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dieser Zustand beruhe auf einem Pflegekonzept für das Speyerer Grabensystem von 2004, mit dem die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz ausgeglichen werden sollten: „Pflegemaßnahmen erfolgen demnach ausschließlich im Winterhalbjahr zwischen Oktober und März jedes Jahres“, erklärt Barbara Fresenius von der Stadt-Pressestelle. Eine Sommermahd, wie von den Anwohnern erwünscht, gebe es wegen des Kleintierschutzes nicht: Die Gräben mit ihren Vertiefungen, Gräsern und Hecken seien wichtig als Lebensraum etwa für Amphibien oder Libellen. Der Fischergraben steht besonders im Fokus, weil er anders als viele andere Speyerer Gräben im bebauten Bereich verläuft. Die Stadt ist jedoch überzeugt, sich gut um ihn zu kümmern: „Er wurde im Frühjahr 2014 umfassend gereinigt, es war sogar ein Großbagger im Einsatz“, sagt Fresenius. Eine Arbeitsgruppe der Stadt, der auch Landwirte sowie Naturschützer angehörten, habe die Arbeiten begutachtet und als positiv bewertet. Der Fischergraben sei jährlich an der Reihe, weil er für den Abzug des Oberflächenwassers im Bereich Flugplatz und landwirtschaftlicher Gebiete wie der Hammelweide eine große Bedeutung habe. Einen Anstieg des Grundwassers, weil der Rhein heute öfter als früher Hochwasser habe, könne der Graben aber nicht komplett kompensieren, teilt die Stadt mit. (pse)