Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Speyerer Schulen den digitalen Unterricht meistern

Während der Corona-Krise essenziell: Digitale Formate im Unterricht.
Während der Corona-Krise essenziell: Digitale Formate im Unterricht.

Per Post, per E-Mail, auf einer digitalen Lernplattform, als Video bei YouTube oder in einer Videokonferenz: Die Wege, wie Schüler in den Wochen während der Corona-Schließzeiten Lernstoff, Aufgaben und Austausch bekommen, sind vielfältig. Weil Konzept und Infrastruktur weitgehend fehlen, ist die Kreativität der Lehrer gefragt.

Jasmina besucht die dritte Klasse der Woogbachschule. Sie geht gerne zur Schule. Seit dem 15. März muss sie die Aufgaben zu Hause erledigen. „Ich vermisse meine Klassenlehrerin und meine Mitschüler“, erzählt die Achtjährige. Die Aufgaben in Deutsch, Mathe und Sachkunde erhalten Jasminas Eltern per E-Mail als Wochenplan. Am Freitag schickt die Lehrerin die Lösungen zum Abgleichen. „Wir wissen die Arbeit der Lehrer und Hausaufgabenbetreuer jetzt noch mehr zu schätzen“, lobt die Mutter.

Einen ähnlichen Schulablauf kennt auch Philipp, der die zweisprachige vierte Klasse der Zeppelinschule besucht: Am Sonntagabend schickt die Klassenlehrerin einen Wochenplan für Mathe, Deutsch, Französisch und Sachkunde per E-Mail an die Eltern. „Meine Mutter druckt die Aufgaben aus. Wer keinen Drucker hat, soll einen Freund fragen“, erzählt Philipp. Bücher und Arbeitshefte hat er am Tag vor der Schließzeit mit nach Hause genommen. „Die Eltern kontrollieren die Aufgaben“, sagt Philipp. Es sind auch die Eltern, die das Tagespensum einteilen, Zusatzaufgaben oder Lesestücke heraussuchen. Philipp empfindet es zwar als leichter, zu Hause zu lernen, „aber ich in der Schule macht es mehr Spaß, weil man die Freunde in der Pause sieht“.

Klassenkonferenz per Video

Ob die Eltern bei Schülern der weiterführenden Schulen in die Übermittlung und Korrektur der Aufgaben einbezogen sind, hängt stark von Schule und Klassenlehrern ab. Am Anfang der Schließzeit erhielt Levin aus der fünften Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) die Aufgaben auch noch per E-Mail. Danach aber richtete der Tutor Aufgabenbereiche für jedes Fach auf dem Portal Showbie ein, für das sich die Schüler und einige Fachlehrer registriert haben. Aufgaben sind mit einem „Ablaufdatum“ versehen. Schüler können Fragen und Lösungen im Portal übermitteln. Arbeitsblätter und Ergebnisse werden am Bildschirm eingegeben, Videos oder Fotos von Experimenten oder Sportaufgaben im Portal hochgeladen. Levins Mutter findet die interaktive Übermittlung besser als per E-Mail. „Über Showbie können die Schüler die Aufgaben dann abarbeiten, wann sie wollen“, sagt Erika Müller-Runge. Dennoch sei es für sie und ihren Mann eine extreme Herausforderung, neben der Arbeit sicherzustellen, dass der Sohn mit dem Stoff mitkommt. Doch Müller-Runge ist froh über das Engagement der Tutoren, die sich „sehr bemühen, dass die Kinder Spaß haben und motiviert sind.“ Ein besonderer Moment sei für Levin und die Mitschüler eine lockere Klassenkonferenz mit dem Videokonferenzprogramm Jitsi. „Der persönliche Kontakt zu den Tutoren und der Klasse ist in diesen Zeiten sehr wichtig“, sagt Müller-Runge.

Auch Carl, der in die sechste Klasse des Kaiserdom-Gymnasiums geht, findet es gut, die Aufgaben seines Wochenplans selbstbestimmt im Online-Portal Moodle zu bearbeiten. Er und seine Mitschüler sind bei dieser offiziellen Lernplattform der Schulverwaltung registriert. „Anfangs war der Server überlastet“, erzählt Gerold Kromschröder, Carls Vater. „Aber das hat sich mittlerweile gelegt. Die Schulschließung war für die Schulen nicht planbar. Alle Beteiligten haben in kurzer Zeit einen guten Ablauf auf die Beine gestellt“, so Kromschröder. Manche Arbeitsblätter muss Carl ausdrucken und selbst kontrollieren. Bei einer Anleitung in Sport verwies die Lehrerin auf ein Video bei Instagram.

Vorfreude auf Schule

Auch das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium nutzt ein Online-Portal: Google Classroom. Die Schüler erhalten Aufgaben, schicken sie als PDF-Datei zurück und erhalten von den meisten Lehrern ein Feedback oder Lösungen zum Abgleich. Tim aus der achten Klasse ist zufrieden: „Google Classroom ist einfach zu handhaben und die Kommunikation darüber ist gut. Für manche Fächer nutzen wir auch die Chat-Funktion zum Austausch oder um vertiefende Links zu erhalten“, sagt Tim.

Die Zwölftklässlerin Julie nutzt am Hans-Purrmann-Gymnasium auch das Portal Moodle. Arbeitsaufträge gehen mit einer Abgabefrist von Lehrern zu Schülern und zurück. Die Schüler tippen Ergebnisse ein oder laden Fotos hoch. In Mathe oder Erdkunde werden die Lösungen in der Folgewoche an die Schüler gesendet. „In anderen Fächern wurde bislang wenig korrigiert. Die Lehrer wollten stichprobenartig Rückmeldungen geben. Wenn man den Lehrer anschreibt, bekommt man immer eine Antwort. Gerade in den Sprachen finde ich das wichtig“, sagt Julie. Die Lehrer versuchten sich mit den Arbeitsaufträgen und der Erreichbarkeit an den Stundenplan anzupassen. „Was mich ein bisschen stört: In manchen Fächern bekommen wir sehr viel zum Arbeiten, in anderen Fächern viel weniger“, sagt die 17-Jährige. Aber die Lehrer fragten auch nach, wie es den Schülern mit der Aufgabenmenge gehe. „Ich freue mich trotz allem sehr darauf, wenn die Schule hoffentlich bald wieder aufmacht“, sagt Julie.

Zur Sache: Pädagogisches Landesinstitut in Speyer stellt digitale Infrastruktur

Bei der digitalen Gestaltung des Unterrichts in Zeiten von Corona erhalten die Schulen Unterstützung vom Pädagogischen Landesinstitut (PL) Rheinland-Pfalz, das in der Speyerer Butenschönstraße seinen Hauptsitz hat. Seit die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, herrscht bei der Behörde mit knapp 300 Mitarbeitern Hochbetrieb, denn das PL stellt den Schulen in ganz Rheinland-Pfalz die digitale Infrastruktur zur Verfügung.

„Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Schulen bestmöglich bei der Bewältigung der aktuellen Lage zu unterstützen“, erklärt Direktorin Birgit Pikowsky. Ein Kraftakt, gibt sie zu. Hunderte Anfragen aus den Schulen erreichten das Institut. „Die drängendsten Fragen der Schulen waren zunächst ganz elementar: Wie können wir den Betrieb aufrechterhalten, Lernen und Kommunikation zwischen Schule, Schülern und Eltern ermöglichen?“, berichtet Pikowsky.

Eine Antwort darauf war die Schulbox, die das PL kurzfristig eingerichtet hat. Die Schulbox ist eine Cloud – also ein internetbasierter Speicher – zum Austausch von Dateien für Aufgaben und Informationen zwischen Schulen und Schülern. Wie alle anderen Angebote des PL sei sie datenschutzrechtlich sicher. Die Schulbox nutzen mehr als 380 Schulen im Land (Stand 31. März), Tendenz steigend.

Im Vorteil sind laut Pikowsky die Schulen, die bereits Erfahrung mit digitalen Anwendungen hatten und diese nutzen können, etwa die Lernplattform Moodle. Die Anzahl der täglichen Logins in Moodle habe sich mit Schulschließung um das Zwanzig- bis Dreißigfache erhöht, ebenso das Volumen der hochgeladenen Dateien. Das System ruckelte.

„Unsere IT-Systeme, insbesondere die Lernplattform Moodle@RLP, sind nicht dafür gedacht gewesen, den Präsenzunterricht zu ersetzen, sondern ihn zu ergänzen“, erklärt Birgit Pikowsky. Das IT-Team arbeite an Verbesserungen und habe für Moodle bereits eine neue Serverstruktur aufgebaut. Mehr als 330 Schulen nutzen die Plattform, rund 133.000 Schuler sind dafür registriert.

Chance für Digitalisierung

Die Technik ist jedoch nur das Instrument. „Es geht aus meiner Sicht vor allem um Pädagogik, um zentrale Fragen wie: Wie nutzen wir digitale Tools und mit welchem Ziel?“, sagt Pikowsky. Das PL ist Dienstleister der Schulen für IT, aber auch für Weiterbildung, Medien, schulpsychologische und pädagogische Beratung. Eine Woche nach Schulschließung hat das Landesinstitut deshalb eine Handreichung veröffentlicht. Inhalt: Tipps zu onlinegestütztem Unterricht für Lehrkräfte, Schüler und Eltern.

Ist die Schulschließung auch eine Chance für eine Digitalisierung in der Bildung? „Ja, diese Chance sehe ich tatsächlich“, sagt Birgit Pikowsky. „Das Thema umfasst aber weit mehr als onlinegestützten Unterricht, auf dem zurzeit der Fokus liegen muss.“ Ersetzen könne er den Präsenzunterricht nicht, aber ergänzen, um die Schüler auf eine Welt vorzubereiten, die stark von Digitalisierung geprägt sein wird. Pikowsky ist sicher: „Der persönliche Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden ist essenziell für die Bildung.“

Im Netz

Infos und Tipps für Schulen und Familien gibt es unter schuleonline.bildung-rp.de.

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