Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Ex-Manager die Speyerer glücklicher machen will

Christof Jauernig
Christof Jauernig

Christof Jauernig ließ sich in 60 Städten von rund 1000 Menschen ihre persönlichen Glücksmomente notieren. Am Freitag, 8. April, gastiert er in der Speyerer Villa Ecarius. Im Interview mit Ira Schreck erklärt Jauernig, warum er vor sieben Jahren mit seinem bisherigen Leben als Analyst in einer Unternehmensberatung für Banken brach, um mit einem Rucksack ein halbes Jahr lang durch Südostasien zu reisen.

Herr Jauernig, Ihre Geschichte ist schon mutig. Raten Sie jedem Menschen zu einem solch radikalen Schritt?
Es ist meine individuelle Geschichte, die nicht als Blaupause für jeden tauglich ist. Hätte ich Kinder, hätte ich mich sicher anders befreien müssen. Auch muss nicht jeder mit dem Rucksack Südostasien bereisen. Da gibt es andere Möglichkeiten, die schlicht zum Menschen passen müssen.

Sie sind aus Ihrem Hamsterrad aus unzähligen Arbeitsstunden ausgestiegen. Wenn ich Ihre Tourdaten betrachte, sehe ich wieder ein straffes Programm ...
Arbeiten an sich ist ja nicht schlecht, wenn man das tut, was einen erfüllt und Spaß macht. Dann kommt es mir nicht mehr so vor, als hätte ich Stunden, Tage und Wochen verschenkt, sondern gelebt und sinnvoll gestaltet. Ich bin vielleicht mal müde, habe aber ganz andere, wertvolle Energien durch meine Tätigkeit, meine Begegnungen mit Menschen und deren Rückmeldung erhalten. Als Analyst habe ich eine geraume Zeit entgegen meiner eigenen gesunden Widerstände gearbeitet. Auf meiner Reise und im Anschluss daran habe ich Vertrauen in die Zukunft und in die Gegenwart entwickeln können.

Sie touren jetzt schon mit Ihrem zweiten Programm durch Deutschland. Wie kam es dazu?
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich in der Nachbargemeinde Fotos meiner Reise gezeigt und über meine Beweggründe und Zeit berichtet. Das fand so großen Anklang, dass ich meinen als einmalige Präsentation geplanten Auftritt wiederholte. Die Nachfrage wuchs. Ich lebte zunächst von meinen finanziellen Reserven. Manchmal ging ein Hut während meiner Veranstaltung rum. Dann wurde mal ein Zugticket bezahlt. Heute ist es möglich, davon zu leben. Schnell habe ich aufgehört, nach einem Job zu suchen, denn ich habe realisiert, dass dies mein Job ist.

Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Geld?
Anders als früher. Da spielte Geld eine große Rolle, um sich etwas leisten zu können, als Anerkennung. Heute weiß ich, dass es lediglich eine Kompensation war. Natürlich ist Geld notwendig, um zu leben. Aber wenn ich heute das Geld betrachte, was ich verdient habe, dann hat es eine ganz andere Energie und Wertigkeit, auch wenn es viel weniger ist als früher. Als wäre es positiv aufgeladen.

Sie haben 1000 Glücksmomente eingesammelt. Wie ging das?
Auf meiner ersten Tour legte ich auf die Stühle des Publikums kleine quadratische Karten mit der Bitte aus, einen persönlichen Glücksmoment aufzuschreiben. Es war überwältigend, was mir die Menschen anvertrauten. Es waren so schöne kleine, alltägliche, jederzeit erreichbare Momente dabei, dass ich beschloss, diese nicht für mich zu behalten. Sie sollten dazu beitragen, die Menschen zu erinnern, dass das Glück nicht irgendwann, sondern jetzt stattfindet. Man muss es nur wahrnehmen.

Was waren das für Dinge?
Eltern, die ihre Kinder im Schlaf betrachten, oder ein älterer Herr, der sich darüber freut, jeden Morgen wach zu werden, eine Frau, die es als Glück empfindet, mit nackten Füßen über eine nasse Wiese zu laufen. Berührende, teils sehr persönliche Dinge, die man wertschätzen kann.

Was können die Besucher erwarten?
Ich bin kein Glücksforscher und werde nicht über Dopamin sprechen. Davon verstehe ich nichts. Dagegen werde ich bewegende Lebenssituationen teilen. Das ist nicht immer etwas Großartiges, vielleicht sogar etwas Kleines. Es ist eine lyrische Sprache in Verbindung mit großen Leinwandprojektionen und selbst komponierter Musik. Dabei werde ich versuchen, das Gefühl zu erzeugen, Glücksmomente nachzuempfinden. Es wird die Möglichkeit zu Fragen geben, und wir kommen sicherlich ins Gespräch.

Wir haben jetzt viel länger gesprochen als geplant.
Ich habe unser Gespräch sehr genossen und nehme jetzt einfach den nächsten Zug. Was soll’s?!

Termin

„Eintausendmal Lebensglück. Erinnern, was zählt“, Freitag, 8. April, 19 Uhr, Villa Ecarius. Der Eintritt kostet fünf Euro. Anmeldung unter www.vhs-speyer.de.

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