Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel WM: Nauwid Amiri guckt Nadiem Amiri live vor Ort zu

Der Kleine: Training in Chicago mit Malick Thiaw, Nadiem Amiri vom FSV Mainz 05 und Pascal Groß (von links).
Der Kleine: Training in Chicago mit Malick Thiaw, Nadiem Amiri vom FSV Mainz 05 und Pascal Groß (von links).

Eine Familie im Ausnahmezustand: Ein Anruf sorgt für große Aufregung. Nadiem Amiri fährt zur Weltmeisterschaft – und das sorgt in seiner Familie für Planungsstress.

Nauwid Amiri, der ältere Bruder und Trainer des Oberliga-Aufsteigers TuS Mechtersheim, weiß gar nicht so richtig, wo er anfangen soll. Bei seinem Verein sind die Personalplanungen für die kommende Runde noch nicht abgeschlossen. Und mit dem durchaus erhofften Anruf von Bundestrainer Julian Nagelsmann, den sein jüngerer Bruder nur etwa zwei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe des WM-Kaders bekommen hat, sind noch umfangreiche Reiseplanungen hinzugekommen.

Und wäre das nicht schon genug, so muss der noch relativ frisch gebackene Vater auch noch den Umzug von Speyer nach Rheingönheim in die unmittelbare Nähe seiner Eltern und des Bruders stemmen. „In den nächsten zwei Monaten ist es soweit“, sagt Nauwid Amiri, der ein Haus in der Nachbarschaft bezieht. Die Freude über die Nominierung seines Bruders für die DFB-Auswahl ist Nauwid Amiri anzumerken.

Amiri spontan

Getragen von Euphorie beantwortet er die Fragen zur anstehenden Reise nach Nordamerika. „In Toronto lebt ja die Familie meiner Mutter. Das ist eine Riesensache, dass das zweite WM-Vorrundenspiel gegen die Elfenbeinküste genau dort ist“, betont Amiri, der erklärt, dass er die Reise erst geplant habe, als die Nominierung von Nadiem feststand.

Probleme, an die begehrten Karten für die Spiele zu kommen, habe es keine gegeben: „Alle Spieler haben Kontingente für die Familien“, informiert Nauwid. Neben ihm reisen die Eltern und Nadiems Frau mit den beiden Kindern über den Atlantik. Nauwids Frau bleibt mit dem Nachwuchs daheim. In Toronto werde die Familie mit etwa 20 Personen im Stadion sein.

Rostamzada an Bord

„Für die Derbyvibes“ werde Soleiman Rostamzada, Trainer der Dudenhofener Zweitvertretung, mitreisen, erklärt Nauwid Amiri lachend. Bisher habe es keine Probleme in Sachen Einreisevorbereitung gerade in die USA gegeben. „Ich habe die App genutzt, einen triftigen Grund für die Einreise und einen deutschen Pass“, erklärt Amiri und zeigt wenig Bedenken, dass die von US-Präsident Donald Trump teils restriktiv durchgesetzte Einreisepolitik ihn treffen werde.

Vielmehr ist die pure Vorfreude herauszuhören: „Ganz sicher gehört Sightseeing dazu. In Toronto werden mir die Cousins und Tanten sicher viele schöne Orte zeigen können. Und vielleicht schaue ich mir dort noch interessante Spiele ohne deutsche Beteiligung an. Das wird eine geile Zeit, auf die ich mich extrem freue.“

Ziel New York

Besondere Ziele in New York, wo das dritte Gruppenspiel sein wird, hat er nicht: „Den Central Park werde ich anschauen, ansonsten mich von der Bronx fernhalten, um aus Rücksicht auf den TuS Mechtersheim auch heil heimzukommen“, kündigt er an: „Ich bin einfach gespannt auf das Leben dort, ob da wirklich so viel los ist.“

Vorgesehen ist, dass Nauwid Amiri nach einem möglichen Achtelfinale der Deutschen zurückfliegt, auch das mit Blick auf seinen Trainerjob: „Wir starten ja am 21. Juni beim TuS. Da kann ich keine vier Wochen fehlen.“ Möglich sei, dass er aber nochmals zu einem Spiel einen Flug chartere, um nach Schlusspfiff direkt wieder über den Großen Teich zurück in die Pfalz zu kommen.

Brüder getrennt

Normalerweise habe er täglich Kontakt mit seinem Bruder und den Eltern. Das wird zumindest persönlich in den USA kaum möglich sein: „Im Camp wird es extrem schwer. Ich glaube, nach dem dritten Spiel können die Familien mal kurz zu den Spielern. Ansonsten sehe ich Nadiem vielleicht im Stadion mal kurz.“

Vorerst zum letzten Mal gesehen haben sich die Brüder am Abflugtag in Frankfurt, als sich die Familien von ihren Fußballstars verabschiedeten. Der erste Eindruck, der ihn von Nadiem aus den USA erreichte? „Alles super, schönes Wetter, alles perfekt“, informiert Nauwid Amiri. Und er ist felsenfest davon überzeugt, dass Nadiem mit 29 Jahren in den USA zu einer Legende, nämlich Weltmeister, werden wird: „Deutschland wird von allen unterschätzt. Jeder redet über Frankreich, Spanien, Argentinien. Aber diese Mannschaft ist eine echte Mannschaft, die zusammenhält mit brutaler Qualität. Und Deutschland war schon immer eine Turniermannschaft. Im Achtelfinale gehe ich von Frankreich als Gegner aus, und ich habe es im Gefühl, dass Deutschland gewinnt. Ich weiß es einfach.“ Und er untermauert das mit Coach Nagelsmann: „Ich kenne ihn. Er wird es jedem zeigen, Weltmeister werden und danach wieder als Vereinstrainer arbeiten.“ Ob Nauwid Amiri so Nachfolger von WM-Krake Paul werden kann? Auflösung spätestens am 19. Juli im Finale in New York.

Der Große: Nauwid Amiri führt TuS Mechtersheim zur Meisterschaft, hier gegen TSG Bretzenheim.
Der Große: Nauwid Amiri führt TuS Mechtersheim zur Meisterschaft, hier gegen TSG Bretzenheim.
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