Tischtennis RHEINPFALZ Plus Artikel Welche gute Idee mit einigen Unbekannten der Bundesverband hat

 Seit vergangenem Oktober müssen die Tischtennisspieler wegen der Pandemie pausieren. Pessimisten sahen den Sport am Abgrund.
Seit vergangenem Oktober müssen die Tischtennisspieler wegen der Pandemie pausieren. Pessimisten sahen den Sport am Abgrund.

Der Deutsche Tischtennisbund lässt die Herzen der Spieler und Vereine schneller schlagen. Der Verband will einen Mannschaftswettbewerb anbieten. Der soll schon bald beginnen. Doch das könnte für Probleme sorgen. Die Reaktionen sind wohlwollend, doch an manchen Punkten kommt Kritik auf.

„An sich ist es eine gute Idee. Es kommt aber auf die sich wöchentlich ändernden Situationen an“, sagt Klaus Mayer-Süß vom ASV Waldsee. „Aus unserer Sicht kommt das Turnier keinesfalls zu spät, eher zu früh, weil wir Hallensportler trotz fehlenden Körperkontakts ja noch immer im totalen Lockdown sind“, pflichtet Jürgen Harz, Vorsitzender des TTV Römerberg bei.

Zwei Aussagen, die zeigen, wie die Vereine mittlerweile nach Perspektiven lechzen. Der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) hat das Begehren der Klubs erkannt und möchte nun Perspektiven schaffen. So beschäftigten sich auch führende Tischtennis-Unternehmen und Ergebnisplattformen mit dem Lockdown und der Zeit danach. Denn nach dem Abbruch der Saison 2020/2021 droht eine fast zwölfmonatige Tischtennispause. Denn seit vergangenen Oktober sind Training oder Wettkampf verboten. So kommen Turniere an den üblichen Steinplatten in Schulhöfen in Mode, weil sie zur Zeit die einzige Alternative sind, um den Schläger zu schwingen. Darüber hinaus überbrücken die Spieler die Zwangspause mit Schattentraining, Online-Workshops und Stabilisationsübungen.

Noch einige Fragezeichen

Der DTTB hat nun eine kleine Abhilfe geschaffen. Er veranstaltet den Sommer-Team-Cup – ein Mannschaftswettbewerb. „Für einen Re-Start sollen die Spieler und Spielerinnen nicht bis zur nächsten Spielzeit warten müssen, wenn die Hallen vorher wieder geöffnet werden“, begründen die DTTB-Organisatoren. Das Turnierformat wurde flexibel gehalten. „Voraussetzung allerdings ist, dass die Pandemielage und die lokalen Hygienekonzepte solche Wettkämpfe erlauben und die Hallen wieder geöffnet sind“, betonen die Veranstalter.

Mitspielen dürfen alle Akteure, die einen Spielstärkewert von maximal 1900 QTTR-Punkten und ein kostenloses Konto bei der Ergebnisplattform myTischtennis.de haben. Zumindest am Spielstärkewert dürfte es in Speyer und angrenzenden Landkreis bei kaum einem Spieler scheitern. Selbst die besten Akteure weisen kaum mehr als 1800 Punkte auf. Teams dürfen dabei unabhängig von der Vereinszugehörigkeit, Geschlecht und Alter zusammengestellt werden. Mindestens drei und maximal sechs Spieler darf ein Team haben.

Es gibt zwei Leistungsklassen, die nach Spielstärken eingeordnet sind. „Das ist gut. Unsere Spieler hätten es in der ersten Spielklassen bis 1900 Punkten wohl schwer“, sagt Klaus Mayer-Süß. Für den Turnierauftakt werden die gemeldeten Mannschaften in Vierergruppen eingeteilt, die nach geographischen Gesichtspunkten zusammengestellt werden. Jede Mannschaft spielt einmal gegen jedes andere Team. Nach Abschluss der ersten Runde werden die Erst- und Zweitplatzierten, unter Berücksichtigung möglichst kurzer Fahrtwege, in neue Gruppen, sogenannte „Champions-Gruppen“, zugeordnet. Analog dazu werden auch die Dritt- und Viertplatzierten neu zusammengestellt. Gespielt wird ohne Doppel. Jeder Spieler bestreitet zwei Einzel. Ausgespielt werden soll das Turnier vom 30. Mai bis zum 29. August. „Das ist noch zu früh, auch wegen der Hallenprobleme. Wir in Speyer können in keine Hallen rein“, sagt Mario Schneller vom TSV Speyer.

Sollte es die Pandemielage zulassen, könnten auch noch Regional- und Bundesfinalturniere ausgespielt werden. Allerdings musste die Anmeldefrist verschoben werden. Laut DTTB sind Anmeldungen nun erst ab dem 17. Mai möglich.

Bedenken bei Vereinen

„Ich würde die Veranstaltung vielleicht auf Juli oder August verschieben, wenn der Großteil geimpft ist“, erklärt Mario Schneller. Er sehe das Turnier sogar als zukunftsfähig an und würde diesen Wettbewerb gerne auch künftig im Turnierkalender sehen. „Dass man solche Turnier jetzt im Freien spielen würde? Das würde keinen Spaß machen“, denkt Schneller. „Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit relativ wenig Austausch. Es ist eine gute Idee. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es umsetzbar ist“, meint Waldsees Mayer-Süß. Er sehe eine solche Veranstaltung nur in besonders großen Hallen. Aber auch für die Spielwütigen, die die es gar nicht mehr abwarten können den Schläger in der Hand zu halten, sehe er nun wieder eine Möglichkeit. „Auch für Leute, die wenig Angst haben vor dem Coronavirus, wäre es eine gute Chance. Aber es ist doch unwahrscheinlich, solche Turniere im Sommer durchzuführen“, fügt Mayer-Süß an, der in der Bezirksklasse für den ASV spielt.

„Sicher wären wir gerne bereit Spiele durchzuführen, sofern wir von der kommunalen Verwaltung wieder die Hallennutzungserlaubnis bekommen. Ebenso sicher ist, dass wir teilnehmen würden, vielleicht sogar mit zwei oder drei Mannschaften“, sagt Jürgen Harz. Etwas bedenklich findet er, das Turnier möglicherweise im Freien auszutragen. „Hier spielen zu viele Zufälligkeiten, wie Wind und Wetter, eine Rolle. Wir Tischtennisspieler sind da empfindlich, erst recht, wenn es um TTR-Punkte geht“, spielt Harz auf die Spielstärkewertung an.

Kein Verständnis zeigt der TTV-Vorstand für die Gebührenpflicht des Turniers. Hier hätte sich Harz mehr Entgegenkommen von den Verantwortlichen erwartet.

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