Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtsgeschenke für die Ewigkeit: Puppe Bärbel und Web-Set Jutta

Weihnachten 1984: die einjährige Stefanie Seiler mit dem Bollerwagen, den heute noch ihre Töchter gerne einsetzen.
Weihnachten 1984: die einjährige Stefanie Seiler mit dem Bollerwagen, den heute noch ihre Töchter gerne einsetzen.

Weihnachtsgeschenke bleiben in Erinnerung – manchmal ein ganzes Leben. Bekannte Speyererinnen und Speyerer berichten von den Gaben, über die sie sich am meisten gefreut haben.

Für den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ist Weihnachten nicht nur ein Fest, an dem er als Oberhirte gefragt ist, sondern auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Das gelte etwa für das Geschenk, für das er seinen schon verstorbenen Eltern noch heute „zutiefst dankbar“ sei. Es handelte sich um „ein gebrauchtes Klavier, das meine Eltern – obwohl wir alles andere als eine reiche Familie waren – mir und meiner großen Schwester zu Weihnachten Ende der 1960er Jahre geschenkt haben“.

Dieses Instrument sei für ihn „viel mehr als nur ein Holzkasten mit 88 weißen und schwarzen Tasten“ gewesen, so der 65-Jährige. „Schon immer zog mich die Musik in ihren Bann, und ich verspürte den Wunsch, Klavier zu lernen. Und so setzte ich mich ab dem ersten Tag auf den Klavierhocker, obwohl meine Beine gar nicht bis zum Boden reichten.“ Er habe begonnen, Melodien nachzuspielen und sich Begleitungen auszudenken. Erst später habe er dann auch „richtigen“ Klavierunterricht bekommen. Seine Faszination für das Instrument lebe fort, so Wiesemann: „Das Klavierspielen hilft mir, Erlebtes zu verarbeiten und Gefühle auszudrücken.“

Dorothee Wüst, Präsidentin der Evangelischen Landeskirche, hat sich aufgrund der RHEINPFALZ-Anfrage auf eine Reise in ihre Kindheit begeben. Da ihr auf Anhieb kein Geschenk eingefallen sei, habe sie in alten Fotoalben geblättert und sei auf ein Bild von Weihnachten 1973 gestoßen. „Acht Jahre alt war ich also. Man sieht unser Wohnzimmer, meine Mutter und mich. Offensichtlich mit einem Webrahmen beschäftigt, der als Geschenk unter dem Christbaum lag.“ Sie könne sich noch an diesen erinnern. „Und nicht nur das. Ich habe ihn auch noch.“ Sie habe „Jutta“, den Schulwebrahmen herausgekramt und die Schachtel geöffnet. „Es ist, als würde ich meiner Kindheit begegnen“, schreibt Wüst. „Würde meinen Vater sehen, wie er das Lametta glattstreicht, bevor er es über die Tannenzweige hängt. Würde meiner Mutter beim Backen von Helenenschnitten und Vanillekipferl zusehen.“ Die guten Erinnerungen daran seien heute ein Geschenk für sie. „Es gab übrigens noch eine neue Blockflöte. Und auch die habe ich immer noch.“

Der Speyerer Ehrenbürger Peter Eichhorn ist 1939 geboren. In diesem Jahr begann der Zweite Weltkrieg, der die frühe Kindheit des Wirtschaftswissenschaftlers geprägt hat. Es folgten die Entbehrungen der Nachkriegszeit – in der manche Geschenke besonders wertvoll waren, wie sich Eichhorn erinnert: „Es war Heiliger Abend 1949 in Ansbach. Ich zehn Jahre alt. Meine Patentante Mäggi aus Schillingsfürst bei Rothenburg schenkte mir ihr gebrauchtes Damenfahrrad.“

Die Besonderheit ergibt sich auch aus der Lage, in der die meisten deutschen Familien in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre waren: „Das Fahrrad war in der Nachkriegszeit eine Kostbarkeit!“, erklärt Eichhorn. „Zwar rostig, aber fahrtauglich. Es hatte Licht und eine Klingel. Die Luftpumpe besorgte Mäggi eigens dafür.“ Der Sattel und der Lenker hätten gut gepasst, erinnert er sich. „Kurz entschlossen saß ich auf dem Rad, und noch am Heiligen Abend fuhr ich die erste Runde um das Haus.“

Für Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (42, SPD) ist Weihnachten seit jeher das Fest, an dem die ganze Familie zusammenkommt. „Als Kind wie auch heute ist es für mich das Wertvollste, Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen“, betont sie. Bevor es Geschenke zum Auspacken gibt, lebe dabei eine Tradition ihrer Großmutter fort: „Meine Oma läutete mit einer kleinen Glocke die Bescherung ein.“ Sie habe zu der inzwischen verstorbenen Seniorin eine sehr enge Beziehung gehabt und auch deshalb ihre erstgeborene Tochter Marie nach ihr benannt. Für die zwei Mädchen im Haushalt der Stadtchefin ist eine besondere Gabe aus Seilers Kindheit geeignet: Die Familie hüte Geschenke „wie kleine Schätze“, so auch einen Bollerwagen, der heute wieder viel im Einsatz sei.

Auch für Speyers Bürgermeisterin Monika Kabs (68, CDU) ist es das größte Geschenk, wenn über Weihnachten die Familie zusammenkommt und es dieser gut geht, sagt sie. „Je älter man wird, desto mehr weiß man das zu schätzen.“ Sie freue sich stets mit ihren drei Söhnen und fünf Enkeln über deren Geschenke, erinnere sich aber auch gerne an die Zeit, in der sie selbst ein Kind war. „Für mich war immer eine große Überraschung, was an Weihnachten passierte“, berichtet sie. Die Tür sei bis zur Bescherung zugehängt und auch der geschmückte Baum erst dann zu bewundern gewesen. Ein Geschenk sei insofern besonders gewesen, als sie es bis heute in ihrem Arbeitszimmer in Ehren halte: Puppe „Bärbel“ von Hersteller Schildkröt, die sie mit zwei oder drei Jahren bekommen habe und der weder der Friseur-Einsatz der kleinen Monika noch die eigenen Enkel wirklich etwas anhaben konnten: „Die gehen sehr respektvoll damit um und fragen immer, bevor sie damit spielen.“

Über ein Stofftier auf dem Gabentisch hat sich Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (66, Grüne) gefreut: „Als besonderes Geschenk ist mir ein eigener Teddybär in Erinnerung geblieben, der mich jahrzehntelang begleitet hat und bei einem Kinderspiel eine von mir durchgeführte Blinddarm-OP über sich gehen lassen musste.“ Auch bei ihr war das Drumherum mindestens ebenso interessant wie die Geschenke: Sie habe als Jüngste von sechs Geschwistern die Spannung des Festes sehr genossen. „Unser sogenanntes Weihnachtszimmer war bereits eine gewisse Zeit vorab bis zum 24. Dezember verschlossen“, erinnert sie sich. Die Kinder hätten jedoch einen Ausweg gefunden: „Wir konnten immer wieder durch das Fenster des Kachelofens spitzeln.“

Jürgen Siewerth ist als Verantwortlicher der Firmen Palatina Geocon und Igatec mit der Erdölförderung in Speyer befasst und war auch als Kind schon ein Technik-Fan, wie er berichtet: „Mein schönstes Weihnachtsgeschenk war über Jahre hinweg die Elektro-Eisenbahn, die meine Eltern uns Kindern zu Weihnachten aufbauten.“ Sein Vater habe die elektrische Steuerung und die Installation der diversen Schaltkreise übernommen, seine Mutter mit Gips und Pappmaché die Eisenbahnlandschaft gestaltet. „Jedes Jahr gab es je nach Geldbeutel ein neues Haus oder einen neuen Waggon oder eine neue Lok.“ Manchmal auch alles zusammen – was dann eine besondere Überraschung für den heutigen Vorsitzenden der Stiftung Speyerer Unternehmen und seine Schwester war: „Erst an Heiligabend wurde die Landschaft dann enthüllt.“

Bescherung in der Westpfalz: Die heutige Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst (rechts) erinnert sich gerne an ihr Webrahmen-Geschenk
Bescherung in der Westpfalz: Die heutige Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst (rechts) erinnert sich gerne an ihr Webrahmen-Geschenk.
Eisenbahnlandschaft als Geschenk über Jahre hinweg: Jürgen Siewerth und seine Schwester faszinierte deren Wachstum.
Eisenbahnlandschaft als Geschenk über Jahre hinweg: Jürgen Siewerth und seine Schwester faszinierte deren Wachstum.
Gut gekleidete Puppe Bärbel: Bürgermeisterin Monika Kabs hält ihr Geschenk auch nach rund 65 Jahren in Ehren.
Gut gekleidete Puppe Bärbel: Bürgermeisterin Monika Kabs hält ihr Geschenk auch nach rund 65 Jahren in Ehren.
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