Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtseinkäufe: Wie schützt man sich vor Taschendieben?

Glühweinduft, gute Laune und Gedränge: Weihnachtsmärkte sind auch ein Tummelplatz für Taschendiebe, warnt die Polizei.
Glühweinduft, gute Laune und Gedränge: Weihnachtsmärkte sind auch ein Tummelplatz für Taschendiebe, warnt die Polizei.

Fragen und Antworten: Volle Einkaufsstraßen, Gedränge in den Läden, Menschen, die dicht an dicht in gelöster Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt stehen – die Vorweihnachtszeit ist eine Hochsaison für Taschendiebe. Über gängige Maschen und wie man sich schützen kann.

Sind Weihnachtsmärkte besonders beliebt bei Taschendieben?
Dazu kann die Polizei auf Anfrage keine gesonderte Aussage treffen. Generell würden Taschendiebe die Enge suchen und besonders bei Menschenansammlungen auftreten. Die Vorweihnachtszeit mit dem unübersichtlichen Gedränge auf Weihnachtsmärkten, in Einkaufsstraßen, Geschäften und Verkehrsmitteln biete Taschendieben viele Möglichkeiten, um unbemerkt stehlen zu können. Solche Situationen gebe es zwar auch im Sommer, „tendenziell nehmen die registrierten Fälle in den Wintermonaten jedoch leicht zu“, so die Polizei.

In welchen Situationen sollte man Fremden gegenüber besonders misstrauisch werden?
Taschendiebe würden meist leicht nach unten blicken „oder sie schauen vor und zurück“, sagt die Polizei: „Sie meiden dabei den Augenkontakt mit ihren potenziellen Opfern, die sie im Vorfeld genau beobachten. Um ihre Hand beim Stehlen zu verstecken, verdecken sie diese oft mit einem Mantel, Schal oder einem anderen Gegenstand. Dann suchen sie die körperliche Nähe zu ihren Opfern, rempeln diese an, verwickeln sie in Gespräche oder bieten ihre Hilfe an. Auch durch ein kleines Missgeschick, bei dem die Kleidung des Opfers verschmutzt wird, kommen Taschendiebe ihrem arglosen Gegenüber näher. Mit Fingerfertigkeit und verschiedenen Tricks versuchen sie dann, ihre Opfer zu verwirren oder abzulenken. Die Diebe arbeiten dabei oft in Gruppen: Der Erste lenkt das Opfer ab, der Zweite stiehlt die Beute und gibt sie an einen Dritten weiter.“ Wer mit seinem Geldbeutel in der Seitentasche der offenen Jacke oder in der hinteren Hosentasche herumlaufe, „lädt die Langfinger geradezu ein“, warnt die Polizei.

Welches sind die gängigsten Maschen?
Die Polizei führt eine ganze Liste von Methoden, mit denen Taschendiebe ihre Opfer hereinlegen. Eine der bekanntesten ist der Geldwechsel-Trick: Die Täter bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt, zum Beispiel, indem der Täter seine Münze in die Börse wirft. Gleichzeitig nimmt er Banknoten heraus. Beim Scheibenklopfer-Trick klopft ein Täter von außen an die Scheibe von Zügen oder Bussen. Komplizen im Waggon oder Bus entwenden die Wertsachen des abgelenkten Opfers. Beim Supermarkt-Trick fragen Fremde das Opfer im Supermarkt nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt. Beim Blumen-Trick wird das Opfer freundschaftlich begrüßt, umarmt oder es bekommt eine Blume angesteckt. Während das Opfer verdutzt ist, verschwindet die Brieftasche.

Wie schützt man sich am besten?
Die Polizei rät, nur so viel Bargeld und Zahlungskarten mitzunehmen, wie man tatsächlich benötigt. Geld, Karten, Papiere und Wertgegenstände sollten stets in verschiedenen, verschlossenen Innentaschen der Kleidung und möglichst dicht am Körper aufbewahrt werden. Hand- und Umhängetaschen sollten immer mit der Verschlussseite zum Körper getragen werden. Besonders im Gedränge sollte man auf seine Wertsachen achten. „Werden Sie misstrauisch, wenn Sie plötzlich angerempelt oder in die Zange genommen werden“, mahnt die Polizei.

Was tut man, wenn denn och der Geldbeutel geklaut wurde?
War eine Girocard oder Kreditkarte darin, diese umgehend über den Sperrnotruf 116 116 sperren lassen. Man kann sich dazu auch an die eigene Bank wenden. Um eine Girocard auch für das elektronische Lastschriftverfahren, für das man nur eine Unterschrift braucht, zu sperren, muss der Verlust bei der Polizei gemeldet werden.

Wer sind die Täter?
Den Erkenntnissen der Polizei nach handelt es sich bei Taschendieben in der Regel um professionelle, international agierende Täter, die auch grenzüberschreitend aktiv sind.

Wie viele Taschendiebstähle hat die Polizei zuletzt registriert?
Die neuesten Zahlen dazu sind von 2021. Demnach kam es im vergangenen Jahr landesweit zu 2019 Taschendiebstählen. Im Jahr zuvor waren es noch 2412 Fälle gewesen, im Jahr 2019, also vor der Pandemie, lag die Anzahl bei 2824. Die Tendenz ist also rückläufig. Zuletzt hatte es in Ludwigshafen und Speyer mehrere Taschendiebstähle gegeben, besonders ältere Menschen und Handtaschen waren das Ziel. Die Aufklärungsquote dieses Delikts betrug laut Polizei im Jahr 2021 landesweit 5,8 Prozent. Die Dunkelziffer werde „nicht viel höher“ geschätzt, da Banken oder Passbehörden für die Neuausstellung von Bankkarten oder Ausweisen verlangen würden, dass die Polizei die Anzeige bestätige.

Was unternimmt die Polizei vor Ort?
Weihnachtsmärkte seien seit Langem Schwerpunkte im Streifendienst und der Präventionsarbeit etwa mit Info-Ständen, betont die Polizei. Streifengänge würden zum Teil gemeinsam mit kommunalen Vollzugsdiensten erfolgen. Zum Teil seien auch Beamte in Zivil auf den Märkten unterwegs.

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