Speyer
Wegen Vogelgrippe geschlossen: Schwere Zeiten für Falknerei
Die Falknerei hat sich der Aufgabe verschrieben, Menschen – insbesondere Kindern – die Besonderheiten von Greifvögeln näherzubringen. Außerdem kümmert sich das sechsköpfige und ehrenamtlich arbeitende Team um die Pflege verletzter Tiere.
2021 eröffneten Thorsten und Courtney Iwersen „Birds of Prey“ und erfüllten sich damit einen Traum. Nach Anfängen in Waldsee zog der Betrieb schließlich 2024 auf ein größeres Gelände im Spitzenrheinhof. Rund 30 Greifvögel leben auf den knapp 4600 Quadratmetern inzwischen. Seit rund vier Wochen müssen die Eulen, Habichte, Adler, Bussarde und Käutze jedoch in ihren Volieren bleiben: Die Vogelgrippe legt den Betrieb lahm. „Wir haben Aufstallungspflicht“, sagt Chefin Courtney Iwersen. Das sei behördlich verordnet und soll dazu dienen, die Verbreitung der Krankheit einzudämmen.
Mehr Desinfektionsmittel
Der Alltag in der Falknerei ist deshalb während dieser Zeit ein ganz anderer als üblicherweise. „Normalerweise haben wir Publikumsverkehr“, erläutert Iwersen. Der müsse momentan genauso ausbleiben wie der Besuch von Veranstaltungen, Fotoshootings oder Anschauungsunterricht in Schulen. Keine Arbeit bedeutet auch, dass existenzwichtige Einnahmen derzeit ausbleiben. Gleichzeitig liefen Kosten für die Versorgung der Tiere mit Futter, für Strom, Versicherungen oder Miete weiter. Einen mittleren vierstelligen Betrag benötige die Falknerei in etwa jeden Monat, um ihre Unkosten zu decken.
Zudem sei durch die Vogelgrippe der Bedarf an Desinfektionsmittel und Schutzkleidung gestiegen und aufgestockt worden, was zusätzliche Kosten mit sich bringe. Beim Reinigen der 21 Volieren gelten „ganz große hygienische Auflagen“, so die Inhaberin. Das noch recht junge Unternehmen sei in der herausfordernden Zeit auf Spenden angewiesen. Fälle von Vogelgrippe tauchten immer wieder auf, letztmals habe es eine solch ausgeweitete Aufstallungspflicht aber vor rund vier Jahren gegeben, noch vor Gründung der Falknerei.
Zwiespältige Situation
Es ist eine zwiespältige Situation: Auf der einen Seite steht der Wunsch, bald wieder öffnen zu können, auf der anderen Seite die Sorge um die Tiere. „Die Vogelgrippe wäre für sie ein Todesurteil“, weiß Iwersen. Sei ein Tier infiziert, dauere es oft nicht lange, bis es sterben müsse.
Im Verantwortungsbereich des auch für Speyer zuständigen Veterinäramts des Rhein-Pfalz-Kreises sind bei Wildvögeln bereits mehrere Fälle mit dem hochansteckenden Subtyp H5N1 nachgewiesen worden. Zuletzt meldete das Veterinäramt einen Verdachtsfall bei einem Betrieb, weswegen rund 100 Gänse und Enten gekeult werden mussten, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern.
Die Falknerei sei aktuell in einer Art Habachtstellung und könne nur abwarten, wie sich die Situation mit der Vogelgrippe entwickle. Die Stallpflicht war zuletzt bis 16. Dezember verlängert worden. Danach könne womöglich entschieden werden, wie es weitergeht – und wann sich die Tore der Volieren wieder öffnen dürfen.
Zur Sache
Wer die Falknerei mit einer Spende unterstützen will, kann das unter IBAN: DE30 5479 0000 0001 6887 15 mit dem Stichwort Spende tun.