Speyer Wechsel an der Spitze

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Im Jahr 2013 ist Gert Van Bortel zur Werkfeuerwehr der BASF in Ludwigshafen gestoßen. Seit April ist er deren Leiter. Der studierte Ingenieur mag die Arbeit mit Menschen und mit Technik. Nie vergessen wird er das Explosionsunglück im Oktober 2016, bei dem drei seiner Kollegen ums Leben kamen.

„Wir sind als Team noch stärker zusammengewachsen.“ Das sagt Gert Van Bortel, wenn er über die Folgen der Explosion im Landeshafen Nord am 17. Oktober spricht. Der 48-jährige Belgier ist seit 1. April Leiter der BASF-Werkfeuerwehr und hat damit die Truppe in einer Zeit übernommen, die immer noch von dem Unglück vor einem halben Jahr geprägt ist. Ein Matrose und drei Feuerwehrleute kamen damals ums Leben. „Wir gehen jetzt anders miteinander um“, sagt er weiter, macht nachdenkliche Pausen zwischen seinen Sätzen. „Wir haben realisiert, wie eng wir einander an der Einsatzstelle brauchen.“ Ob sich durch die Explosion auch Arbeitsabläufe bei der Feuerwehr verändert hätten? Veränderungen gebe es ständig, sagt Van Bortel, der sich erinnert, wie er den 17. Oktober erlebt hat. „Ich war in der Wache Süd, als der Einsatz reinkam“, sagt der 48-Jährige. Die Kollegen von der Wache Nord seien schon am Unglücksort gewesen. Als er den Landeshafen erreichte, hatte die erste Explosion bereits stattgefunden. „Es war sehr unübersichtlich“, sagt Van Bortel und ergänzt: „Wie immer bei Feuerwehreinsätzen.“ Eigentlich also eine ihm bekannte Situation. Doch etwas sehr Entscheidendes war anders: „Konfrontiert mit verletzten Kollegen.“ Insgesamt 187 Mitarbeiter hat die BASF-Werkfeuerwehr, Verwaltungspersonal mit eingerechnet. Der neue Chef beschreibt seine Abteilung als „eine Serviceeinheit für die BASF“. Große Brände sind selten, Aufgaben gibt es dennoch genug. Bei Sicherheitsabstellungen von Anlagen seien sie zum Beispiel dabei, sagt Van Bortel. Die Werkfeuerwehr arbeitet mit neuester Technik, setzt Drohnen ein, um Isolierungen an Anlagen oder hohe Fackeln zu kontrollieren. Auch „Robi“ hat seine Heimat bei der Feuerwehr. Den ferngesteuerten Roboter hat die BASF gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und einer Spezialfirma entwickelt. Er ist an schwer zugänglichen oder sehr gefährlichen Stellen im Einsatz, kann selbstständig Ventile öffnen und Löcher in Behälter schneiden. Van Bortel ist sich sicher, dass sich technologisch in naher Zukunft noch einiges mehr tun wird. Er spricht von virtuellen Brillen, mit denen der Feuerwehrmann vor Ort sein kann, während die Betriebs-Experten das Geschehen aus sicherer Entfernung mitbeobachten können. Den Umgang mit Technik mag Van Bortel. Er ist studierter Ingenieur, hat ab 1990 zunächst in Belgien in der Lebensmittelindustrie gearbeitet und war unter anderem für die Arbeits- und Anlagensicherheit zuständig. Dort kam er in Kontakt mit der lokalen Feuerwehr, begeisterte sich dafür und wurde Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Im Dezember 2000 wechselte er zur Werkfeuerwehr am BASF-Standort Antwerpen, die er ab 2003 leitete. Mitte 2013 kam er dann zu den Einsatzkräften im Werk Ludwigshafen. Sein Team kennt ihn also schon einige Jahre. Der Wechsel an die Spitze sei „keine Überraschung“ gewesen, sagt er selbst. Van Bortel folgt auf Rolf Haselhorst, der in der BASF an andere Position gewechselt ist. Es ist nicht der einzige Feuerwehrmann, der dieser Tage in der Stadt in die Leitungsebene aufsteigt: Ende Februar war Peter Friedrich, Chef der Ludwigshafener Berufsfeuerwehr, in den Ruhestand verabschiedet worden. Auf ihn folgte sein Stellvertreter Stefan Bruck. An dessen Stelle ist Jan Deubel neu nach Ludwigshafen gekommen . Mit den städtischen Feuerwehren Ludwigshafen und Mannheim gebe es regelmäßige Treffen und auch gemeinsame Übungen, sagt Van Bortel. Das soll künftig noch verstärkt werden. „Die Vielfalt gefällt mir“, berichtet der Belgier über das Schöne an seinem Beruf. „Viel Kontakt mit Menschen und viel Kontakt mit Technik“, das sei optimal sagt der Mann, der gerne lacht und den Besuchern in seinem Büro als erstes ein Glas gefüllt mit belgischen Schoko-Toffees auf den Tisch stellt. Während er im südpfälzischen Maikammer wohnt, leben seine Frau und die beiden Söhne noch in der Nähe von Antwerpen. Wenn der 19- und der 21-Jährige ihr Studium beendet haben, möchte die Familie nachkommen. Seine Freizeit nutzt der 48-Jährige vor allem für Sport: am häufigsten fürs Joggen und Rennradfahren. Er erzählt von 20-Kilometern-Läufen und anschließend mehr als 50 Kilometer langen Radtouren. Das passt aber auch zu seiner Arbeit: Berufsfeuerwehrmänner müssen regelmäßige Fitness-Tests absolvieren. Über die Unterschiede zu seinem Heimatland Belgien sagt Van Bortel: „In Deutschland ist alles bis zum letzten Detail geregelt.“ Kurios findet er das manchmal, es habe aber auch Vorteile. Und die Deutschen seien disziplinierter als die Belgier. Der Umgang mit Hierarchien sei anders. Wenn in Belgien der Chef etwas sage, käme erst einmal Widerspruch. Das sei in Deutschland nicht so. Na dann ist Chefsein in Ludwigshafen doch angenehmer als in Antwerpen, oder? Da lacht Van Bortel. Ja, da sei etwas dran.

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