Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Vorderpfälzer fährt mit dem Rad zu den Lofoten

Typisch Norwegen: Berthold Gschwind vor dem Holzhaus einer Bäckerei.
Typisch Norwegen: Berthold Gschwind vor dem Holzhaus einer Bäckerei.

Berthold Gschwind ist mit dem Rad von Dänemark bis hoch zu den Lofoten gefahren. Der Lingenfelder erzählt, was er dort alles erlebt hat.

Wenn einer eine Reise tut, kann er viel erzählen. Erst recht, wenn es zwei Reisen sind – wie bei Berthold Gschwind (75) aus Lingenfeld, der rund 820 Kilometer mit dem Rad in Norwegen und Dänemark zurückgelegt hat. Und das schon zum zweiten Mal. Was beim ersten Mal aus Zeitgründen nicht geklappt hat – beim zweiten Mal wird es ausgiebig genossen.

Denn zu den Lofoten in Nord-Norwegen wollte Gschwind schon vergangenes Jahr. Aber so eine Reise will gut vorbereitet sein. Den Gedanken dazu fassen, schriftliche Notizen zu den Zielen – mit möglichst viel Natur und Kultur – festhalten, diese digital recherchieren, ein „zeitliches Gerippe“ festlegen, Übernachtungsmöglichkeiten und Bahnfahrten raussuchen, so beschreibt der passionierte Radler seine Vorüberlegungen zur Reise.

Seenliebhaber Gschwind

Geldbeutelschonend sollte es ebenfalls sein, also Deutschland-Ticket und möglichst Jugendherbergen und Hostels. Dabei sind manche Ideen rausgeflogen und er arbeitete sich von Station zu Station vor. „Wie lange kann ich bleiben? Und was kann ich dort mit dem Rad machen?“ , habe er sich im Vorfeld gefragt. Besonders begeistert haben ihn die Seenlandschaften. „Mit sehr schöner Natur und für das Rad optimal“, beschreibt er sie.

Zur Fähre ist er von Kiel nach Oslo „hochgeradelt“, das Schiff buchte er schon vorher online. „Wenn man sie früher bucht, ist sie nicht allzu teuer“, sagt er. Denn die Reise sei ja insgesamt nicht gerade billig. Mit Flugzeug und Propeller ging es schließlich zu den Inseln der Lofoten. Und dort war Gschwind mit Leih-Fahrrad und -auto unterwegs, bei Temperaturen um die 16 bis 17 Grad Celsius herum, während in der heimischen Pfalz 35 Grad im Schatten herrschten.

Im Trollfjord

„Die malerischen typisch roten Häuschen und die Gegend sind einmalig schön“, schwärmt er. Auch die südliche Gegend sei jederzeit sehenswert. „Man kommt ins Staunen, wie die Natur sich darbietet“, so der Radler. Fischerei werde hier großgeschrieben. Wer die Lofoten besucht, für den ist der Trollfjord ein Muss. „Er ist ein Seitenarm des Raftsunds im Osten der Lofoten“, erinnert sich Gschwind.

An seiner schmalsten Stelle, der Einmündung in den Raftsund nur 100 Meter breit, umgeben den Fjord steile Berge, die zwischen 600 und 1100 Metern hoch sind und manchmal fast senkrecht aus dem Wasser ragen. „Das Fahrrad hat mir ermöglicht, die natürliche Schönheit der Lofoten im eigenen Tempo zu genießen, von majestätischen Bergen bis zu idyllischen Küstenlandschaften“, resümiert der Lingenfelder.

Verständnisvolle Busfahrerin

Doch ab un an gab es auch kleinere Probleme: „Auf der Reise nach Kristiansand hatte ich wirklich Glück“, sagt er. Denn eigentlich sei die Mitnahme eines Rads im Bus, der wegen Reparaturarbeiten anstelle des Zuges fuhr, verboten. Aber eine verständnisvolle Busfahrerin gestattete Gschwind nach einer ausführlichen Erklärung, sein eigenes Rad mitzunehmen.

Denn es gab laut Gschwind keine andere Wahl, als die 350 Kilometer mit dem Bus zu fahren. Wenn für sein Fahrrad nicht noch ein Platz frei gewesen wäre, hätte er sein Hotel und seine Fährverbindung umsonst bezahlt. In Kristiansand angekommen, ging die Erkundung weiter. Gschwind beschreibt den Ort als „eine liebenswürdige Kulturstadt, auch für die Norweger selbst“.

Lingenfelder schwärmt

„Die Radwege sind sehr schön ausgebaut und für meine Zwecke optimal, um die Stadt näher kennenzulernen“. Sehr idyllische Fleckchen, die Parkanlage Maroyen mit sehr interessantem und altem Baumbestand sowie Stammkunstschnitzerei, die unmittelbare Nähe zur Odderoya-Insel luden mit dem Rad zur Erkundung ein. Gschwinds Fazit: „Ein uriges Fleckchen, schöne Cafés, Fischerkneipen und eine Markthalle mit ganz frischem Fisch, sehr reizvoll.“

Flaches Dänemark

Was in Norwegen die Berge sind, ist in Dänemark das flache Land. Da fährt es sich laut Gschwind entspannter und ebenfalls auf sehr gut ausgebauten Radwegen. In Skagen, der Ostseite Dänemarks, fließen zwei Meere zusammen. „Ich habe das Rad dort hingeschoben. Viele Touristen aus allen Teilen der Erde „nahmen dafür die entferntesten Wege in Kau.“

Skagen bietet auch einen Leuchtturm und ein Kunstmuseum. Einer der Künstler dort habe seinen Beruf als Präparator von Vögeln und Säugetieren aufgegeben, um Vögel aus Stahl zu fertigen. Lisbeth Holst Gundersen will mit ihren Bronzeskulpturen und Ölgemälden Positivität und Freude ausdrücken.

Mittelalterliches Ribe

In Ribe, dem ältesten mittelalterlichen Dorf Dänemarks, sei es „sehr historisch“ gewesen „mit denkmalgeschützten Häusern und schönen Fassaden, einladenden Cafés, Künstlern und netten Leuten“. Einer der Künstler, mit dem Gschwind ins Gespräch kam, habe ihm ein Bild geschenkt, dass bei ihm zu Hause einen Platz bekommen soll.

Insgesamt freut sich Gschwind nicht nur, in schöner Natur kulturelle und kulinarische Genüsse erlebt, sondern auch viele interessante Begegnungen genossen zu haben. „Es ist so einfach, Leute kennenzulernen, wenn man aufgeschlossen ist. Das rundet das Reiseerlebnis ab.“

Ob er wieder eine so große Reise mit dem Rad unternehmen will, weiß er noch nicht, schließt es aber nicht gänzlich aus. Gschwind hält sich weiterhin fit mit der Teilnahme bei Radgruppen und Ausflugszielen wie das Hambacher Schloss. Früher hat er unter anderem mit dem Cousin seiner Frau Touren in Norddeutschland und eine Loire-Reise unternommen und war in Neuseeland. Seine größte Expedition – bisher.

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