Freistoss
Von zaghaften EM-Gefühlen und kreativen Mitgliederversammlungen

Mitgliedertreffen
Kreativ müssen die Sportvereine zwischen Lingenfeld im Süden und Waldsee im Norden, Speyer im Osten und Hanhofen im Westen des Kerngebiets der Speyerer Rundschau der RHEINPFALZ auch weiter hinsichtlich der Planung ihrer Mitgliederversammlungen sein – und das in Corona-Zeiten schon seit eineinhalb Jahren.
Doch an Ideen, die Veranstaltungen vom pandemiefördernden Innern ins Freie zu verlegen, daran mangelt es nicht, immer noch besser als zu verlegen und zu verlegen, wie es auch vorkommt. Zudem sind Videokonferenzen nicht jedermanns Sache.
Viele Vereine verfügen schließlich über Außenanlagen wie Plätze und Terrassen, aber eben nicht alle. Die Basketballer des TSV Towers Speyer-Schifferstadt waren einer der Ersten, die sich im Außenbereich des Doppelgymnasiums versammelten. Und dann rollte auch noch ein Gewitter heran.
TSV Lingenfeld zog Parkplatz und Fußballfeld in Erwägung. Klaus Karl, Vorsitzender des Fußballkreises Rhein-Mittelhaardt, überlegte für seine Klubs, wer denn über die größte Terrasse verfügt.
Vor Kurzem baute der Hockeyclub Speyer extra ein Zelt auf. Der Stadtsportverband wich in den Hangar eines seiner Mitgliedervereine, der Flugsportler, aus. Nun ließ der Wassersportverein aus der Domstadt irgendwie offen, ob er seine Angehörigen bald beim oder im Haus Pannonia begrüßt.
Auch die Redaktion der Speyerer Rundschau der RHEINPFALZ hat ein paar Ideen: Wie wär’s, liebe Rudergesellschaft, mit einer Sitzung in Einern im Reffenthal oder ihr Surfer, auf Brettern im Binsfeld oder mit einer Homerun-Entfernung für die Base- und Softballer der Turtles, die Boxer des 1. BC in den Ringecken, die Fußballer mit Abstand wie beim Freistoß
Fußball-EM
So schlimm ist’s doch auch wieder nicht mit dem angeblich fehlenden Fußball-Europameisterschafts-Feeling im corona-geschundenen Land, auch wenn ein Sportfreund erst einige Tage nach dem Eröffnungsspiel ein erstes Deutschland-Fähnchen entdeckte.
Klar, ein Sommermärchen (mit späterem bösen Erwachen hinsichtlich der Vergabe der Weltmeisterschaft nach Deutschland) ist’s nicht, auch kein Wintermärchen oder ein paneuropäisches Fest.
Aber besser als nichts: Über die Siemensbrücke und die Theodor-Heuss-Straße in Speyer fahren deutschlandflaggen-geschmückte Autos. Gut: Das große schwarz-rot-goldene Tuch beim Chemieproduzenten in der Landwehrstraße flattert immer.
Martin-Butzer-Weg und Bebelstraße, Ludwig-Uhland-Straße (sogar mit Wappen) und besonders zahlreich in der Kurt-Schumacher-Straße (nebst einem Borussia-Mönchengladbach-Banner „Die Macht vom Niederrhein“), der Stoff baumelt durchaus aus Fenstern und von Balkons.
Die Kneipe an der Ecke Im Erlich/Kurt-Schumacher-Straße ziert eine Girlande. Ein Mann im Deutschland-Trikot schlendert über den Friedhof.
Unsere ausländischen Mitbürger lassen sich nicht lumpen. Die italienischen Farben liegen auf einer Kühlerhaube eines Pkw im Armensünderweg. Am fahrbaren Untersatz in der Theodor-Heuss-Straße weht es rechts wie links nordmazedonisch.
Dann endlich der erste deutsche Sieg: Böller gehen hoch. Bald ertönt eine Tröte. Ein Autokorso setzt sich hupend über die Dudenhofer Straße in Bewegung und tuckert noch eine Stunde nach dem Abpfiff.
wünscht Martin Erbacher