Speyer Von Speyer und anderen Bühnen der Welt

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625 Tage – so lange ist sie gelaufen, die Ausstellung „Weltbühne Speyer“ im Historischen Museum der Pfalz. Gestern ging die Schau, die am 12. November 2016 begann und laut ursprünglicher Planung schon am 24. September vorigen Jahres abgeschlossen sein sollte, zu Ende. Ihr Bezug zur Gegenwart war von Anfang an groß – nicht nur, weil „Die Ära der großen Staatsbesuche“ als ihr Thema gerade mal 20 bis 30 Jahre zurückliegt. Für museale Verhältnisse ist das ein Klacks. Durch Altbundeskanzler Helmut Kohls Tod am 16. Juni vergangenen Jahres, der Trauerfeier und anschließenden Beisetzung in Speyer am 1. Juli 2017 sowie den lang anhaltenden und kontroversen öffentlichen Debatten darüber holte die Aktualität sie zudem auf ungeahnte Weise ein. In der Folge schenkte die Berthold-Roland-Stiftung dem Museum zwei Helmut-Kohl-Büsten. Sie wurden ebenso in die Schau integriert wie ein Porträt des verstorbenen CDU-Politikers, das seine Witwe Maike Kohl-Richter für die letzten Ausstellungstage zur Verfügung stellte (wir berichteten). Bevor die rund 80 Fotografien und womöglich weitere Exponate, wie vorgesehen, in einer eigenen Sammlung „Helmut Kohl“ zum Kernstück der geplanten Museumsdauerausstellung Zeitgeschichte werden, fördert zum Abschluss ein Rückblick auf andere „Weltbühnen“ an den Tagen von Staatsbesuchen in Speyer manch Erstaunliches zutage – gerade aus heutiger Perspektive. Als Kohl etwa am 18. August 1989 den italienischen Staatspräsidenten Francesco Cossiga in Speyer begrüßte, gaben nordrhein-westfälische Behörden die Aufdeckung eines Kälbermastskandals bekannt. Kurienkardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., war am 2. und 3. Juni 1990 zu Gast. Am ersten Tag seines Besuchs forderte der damalige Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses, Nelson Mandela, zum Auftakt einer Reise durch Europa und Nordamerika, die damaligen Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika beizubehalten, weil sich dessen Apartheidssystem noch nicht grundlegend geändert habe. An Ratzingers zweitem Besuchstag vereinbarten die Präsidenten George Bush (USA) und Michail Gorbatschow (UdSSR) in Washington, strategische Atomwaffen um 30 Prozent zu reduzieren. Unmittelbar bevor Gorbatschow selbst am 10. November 1990 nach Speyer kam, forderte der russische Präsident Boris Jelzin ihn dazu auf, Schlüsselpositionen der sowjetischen Regierung mit russischen Politikern zu besetzen. Als der kanadische Premierminister Brian Mulroney am 15. Juni 1991 den Dom besuchte, sicherte der 1. FC Kaiserslautern sich durch einen 6:2-Sieg beim 1. FC Köln zum dritten Mal die deutsche Fußball-Meisterschaft. Helmut Kohl selbst empfing am 17. Juli 1997 nicht nur das spanische Königspaar Juan Carlos und Sophia in Speyer. Zudem vereinbarte der Bundeskanzler in Innsbruck mit seinen österreichischen und italienischen Amtskollegen Viktor Klima und Romano Prodi die Abschaffung österreichischer Grenzkontrollen zu den beiden Nachbarstaaten.

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