Speyer Von der Hecke bis zur Backpfeife

Heinz-Peter Sauer beim Heckenschnitt: Wuchernde Gartengewächse an der Grenze zum Nachbarn sind öfter mal Anlass für einen Streit
Heinz-Peter Sauer beim Heckenschnitt: Wuchernde Gartengewächse an der Grenze zum Nachbarn sind öfter mal Anlass für einen Streit, den der Römerberger schlichten soll.

«RÖMERBERG.» „Es geht darum, die Leute an einen Tisch zu bekommen, sodass sie miteinander reden und nicht übereinander“, sagt Heinz-Peter Sauer. Davon sei ein funktionierendes Zusammenleben in der Gesellschaft abhängig. Mit seiner Aufgabe wolle er dazu einen kleinen Beitrag leisten. Ursprünglich kommt Sauer aus der Nähe von Trier. Dort hat er katholische Religion und Geschichte für das Gymnasiallehramt studiert. Nach seinem Referendariat habe er allerdings keine Stelle als Lehrer gefunden, dafür aber bei den Maltesern in Speyer. Seit 1985 lebt der Vater von drei Kindern in der Pfalz, die er mittlerweile als seine Heimat bezeichnet. Nach vier Jahren in Waldsee ist Sauer schließlich nach Römerberg gezogen. „Ich fühle mich in Römerberg durch mein Engagement sehr wohl“, sagt er. Als Schiedsmann hat Heinz-Peter Sauer zum Jahresbeginn Heinrich Hilzensauer abgelöst. Zuvor war Sauer bereits stellvertretender Schiedsmann. Neuer Stellvertreter, zugleich für Dudenhofen, Harthausen und Hanhofen zuständig, ist Werner Wingerter aus Dudenhofen. Als Schiedsmann spricht Sauer kein Recht, sondern versucht, mit den Leuten, die zu ihm kommen, gemeinsam Kompromisse zu erarbeiten. Das sei ganz anders als bei einem Prozess, denn bei einer Lösung, die beide Parteien entwickelt haben, gehe keiner als Verlierer nach Hause. „In den meisten Fällen wird das dann auch umgesetzt“, sagt Sauer. Trotzdem komme es immer wieder vor, dass manche von vornherein keine Lust hätten zu reden. In so einer Situation sei es meist programmiert, dass das Schiedsverfahren keinen Erfolg habe. Dennoch, so erzählt Sauer, komme es häufig zu erfolgreichen Einigungen. „Ich habe erlebt, dass Nachbarn, die im Streit miteinander waren, später wieder zusammen gefeiert haben“, erzählt er. Thematisch handle es sich um typische Bagatellfälle. Die Streitpunkte reichen von zu hohen Hecken, über Rasenmähen zur falschen Uhrzeit bis hin zu Beleidigungen – manchmal auch kombiniert mit einer Backpfeife. Seine bisherigen Erfahrungen hat Sauer in seiner Zeit als stellvertretender Schiedsmann gesammelt. Die nächsten beiden Schiedsverfahren seien bereits bei ihm beantragt worden. Wie viel Zeit ein Fall beanspruche, sei ganz unterschiedlich. „Das Spektrum reicht von 15 Minuten am Telefon bis zu vier bis fünf Stunden.“ Oft jedoch komme es vor, dass sich die Angelegenheit schon in einem Vorgespräch mit demjenigen, der ein Schiedsverfahren beantragen will, kläre. Fünf bis zehn Streitfälle, die geschlichtet werden sollen, gebe es in Römerberg pro Jahr. Beruflich ist Sauer bei den Maltesern seit 1987 Stadtbeauftragter für Speyer und zuständig für die Erste-Hilfe- und die Pflegeausbildung. Zwölf Jahre lang war er Pfarrgemeinderatsvorsitzender, 20 Jahre im Diözesan-Katholikenrat als Vertreter der Maltester, und ebenfalls 20 Jahre hat er beim FV Heiligenstein junge Fußballer trainiert. Bei der vergangenen Bundestagswahl hat Sauer zum ersten Mal als Wahlhelfer mitgearbeitet. Einen Ausgleich findet er bei seiner Familie und seinen zahlreichen Hobbys. Besonders gern hört Heinz-Peter Sauer Musik, liest Krimis und verbringt Zeit mit seiner kleinen Enkeltochter, der er mit Begeisterung beim Aufwachsen zusieht. Seit drei Jahren walkt er fast jeden Abend eine Stunde, früher hat er Fußball gespielt. „Da kriege ich den Kopf frei“, sagt Sauer. In diesem Jahr möchte er ein weiteres Mal nach Irland reisen. Dort faszinieren ihn die grünen Landschaften und die entspannte Lebensart der Menschen – so entspannt, wie hoffentlich die Streitparteien nach dem Gespräch mit Heinz-Peter Sauer sind.

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