Speyer Von der Halle zur Hölle an Halloween

An Grabesruhe ist in der Sommerfesthalle nicht zu denken: Edel-Zombies, Skelette, Geister und Henker rocken die Hütte.
An Grabesruhe ist in der Sommerfesthalle nicht zu denken: Edel-Zombies, Skelette, Geister und Henker rocken die Hütte.

Draculas Braut hat Ausgang. Und sie genießt es. Ihr Gefährte hat es vorgezogen, im heimischen Schloss zu bleiben. Sie aber stürzt sich ins Getümmel, und das ist enorm in der Waldseer Sommerfesthalle. Der Männergesangverein Concordia hat mächtig aufgefahren zur Halloween-Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Zu den bewegungslosen dämonischen Gestalten an der Decke und den Wänden kommen die, die sich dicht an dicht tanzend im Raum verteilen.

Der Halloween Rock ist seit acht Jahren eine Konstante im Terminkalender. Und: Er zieht massenweise Gruselwillige von auswärts an, was nicht zuletzt an der Kultband Grand Malör liegt. Seit 1996 hat die ihre Fans im Griff und peitscht sie zu Höchstleistungen beim Partymachen an. Genau das Richtige also für eine erstklassige Halloween-Nacht. Draculas Braut – namentlich Silvia Mohr – ist bei ihren Weggefährtinnen angekommen. Die Ludwigshafenerin ist zum dritten Mal bei der Veranstaltung in Waldsee. Das Faible für Halloween hat sie in den USA entdeckt. „Seit ich dort im Urlaub war, liebe ich es“, berichtet Mohr. Dass die 38-Jährige von ihrem Freund zwar nicht begleitet wird, aber dafür einen Chauffeur für die Nacht sicher hat, findet sie gar nicht so übel. Mohrs Freundinnen Sabrina Schüssler (35) und Lisa Weinerth (36) haben sich ebenfalls extrem kreativ in Schale geworfen. „Wir sind Edel-Zombies“, erklärt Schüssler und grinst zahnlos – eine perfekte optische Täuschung, die mit spezieller Schminke und Fingerspitzengefühl hinzukriegen ist. Was im heimischen Stoff-Fundus zu greifen war, haben die beiden verarbeitet. Glitzer und Glimmer, Taft und Tüll machen das Gesamtkunstwerk schrill, aber eben edel. Purer Horror ist dem 27-jährigen Denis Langhans lieber. Ein Hackebeil bohrt sich in seine Schädeldecke. Igitt – diesem Gedankenblitz können sich viele nicht verwehren. Andere quittieren den Monster-Gag mit Gelächter und Schulterklopfen. „Cool, Alter“, ruft auch Matz Richter und klatscht seinen Kumpel ab. Die jungen Männer sind – wie die meisten in der Halle – versierte Halloween-Rock-Spezialisten. Der Freund Matz Richter hat sich für einen Ganzkörper-Anzug im Skelett-Stil entschieden. „Einfach, aber wirkungsvoll“, meint der 28-Jährige und grinst. „Die Deko ist genial gemacht und die Stimmung ist geil“, sagt Langhans, und sein Hackebeil wippt leicht bei jeder Kopfbewegung. Höllisch heiß ist es in der Halle, teuflisch gut ist die Laune der illustren Gesellschaft, bestehend aus Vampiren, Geistern, Untoten, Henkern und allerhand anderen fantasievollen Gruselfiguren. Reichlich Mühe gegeben haben sich die Gäste mit ihren Kostümen und Maskeraden. Im Wundenschminken verdienen manche den Meistertitel. Die Helfer der MGV Concordia haben ebenso bemerkenswerte Vorarbeit geleistet. Mehrere Tage waren sie beschäftigt, um die Sommerfesthalle in eine satanische Höhle zu verwandeln. An der Gruftschenke hat sich Jack the Ripper neben Frankenstein platziert. Die Freundinnen haben die Outfits kreiert, erklären deren Träger Jens Wittemann (24) und Karsten Mayer (25). „Wir sind in erster Linie wegen der Band hier“, erklärt Wittemann und kämpft dabei gegen die Lautstärke aus wummernden Boxen an. „Das Drumherum ist aber auch cool“, lenkt Mayer ein, bevor die beiden Männer aus Mannheim sich mit kalten Drinks wieder ins heiße Halloween-Treiben zu ihren Frauen stürzen. An Grabesruhe ist lange nicht zu denken. Grand Malör rockt die Hütte, und die Geister, die die Concordia rief, rocken mit. Gruselig kann es alleine den Helfern beim Blick auf die Uhr werden. Wenn der Spuk vorbei ist, müssen sie die „Hölle“ nämlich wieder in eine Halle verwandeln.

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