Speyer Vom Scheunenfund zum Urlaubsflitzer

Weit gereist: der Trabi der Gärthöffners.
Weit gereist: der Trabi der Gärthöffners.

«RÖMERBERG.» Mit ungewöhnlichen motorisierten Untersätzen hatten die Gärthöffners schon in der Vergangenheit zu tun, zum Beispiel bei den Hako-Rennen, die es früher zum Frühlingsfest in Heiligenstein gab. Vorher hatten sie sich schon Mopeds gewidmet. Beim Speyerer Altstadtfest vor zwei Jahren kam eine neue Idee auf: Ein Trabi muss her. Nach zwei Fehlversuchen fanden die Brüder in St. Wendel das passende Objekt. „Wir wollten damit in Urlaub fahren. Das Ziel war noch nicht bekannt, aber die Hauptsache war, den Trabi in Gang zu bringen“, erinnert sich Michael Gärthöffner an die Ausgangssituation. 24 Jahre hatte der ausgewählte Trabi trocken in einer Scheune gestanden. „Es lag alles obendrauf und innendrin“, berichtet Gärthöffner vom Anblick eines strohbedeckten Fahrgestells. Kurzum: „Eigentlich war alles kaputt.“ Genau die richtige Herausforderung war das für die Männer aus Berghausen. „Wir haben den Trabi komplett sauber gemacht, zerlegt und wieder zusammengebaut“, erzählt Michael Gärthöffner. Beigebracht hat er sich den Umgang mit den notwendigen Werkzeugen selbst. Als gelernter Schlosser, der nun ein Studium des Weinbaus anhängt, war das für ihn ebenso wenig ein Problem wie für seinen Bruder, der ausgebildeter Werkzeugmacher ist. „Letztendlich hatten wir fast Zeitdruck bei der Restaurierung, weil wir spontan die Idee hatten, mit dem Trabi nach Spanien zu fahren“, verrät Christoph Gärthöffner. Im Juni sollte es losgehen. Zeit für ordentliche Probefahrten blieb nicht. Schwierig war es, Kennzeichen und Versicherung in der Kürze der Zeit klar zu machen. „Wir waren dreimal beim Tüv, bis alles gepasst hat“, berichtet Michael Gärthöffner. Mittlerweile hatte das Projekt der Brüder Kreise bei den Freunden gezogen. „Alle möglichen Leute haben Wetten abgeschlossen, wie weit wir mit dem Wagen kommen. Da dachten wir: jetzt erst recht“, sagt Michael Gärthöffner. Ausgestattet mit Ersatzteilen – Motor und Schweißgerät inklusive – und Ratschlägen eines Harthausener Trabi-Fachmanns gaben die jungen Männer mit einem Kumpel Gas. Das erste Etappenziel zur Übernachtung lag in der Nähe von Lyon. „Wir sind bis Freiburg in Deutschland geblieben und erst dann ins Elsass gewechselt“, skizziert Christoph Gärthöffner die Route. Wenn schon liegen bleiben, dann wenigstens in Deutschland, sagte sich das Trio. „Es ist überraschend gut gelaufen“, denkt sein Bruder zurück. Alle rund 180 Kilometer sei nicht nur Fahrerwechsel, sondern auch tanken angesagt gewesen. „Da gehen ja nur 20 Liter rein“, erklärt Michael Gärthöffner. Extrem viele Tankstellen hätten die Reisenden auf dem Weg gen Spanien insofern angesteuert. Der Willen zu beweisen, dass alles klappt, begleitete die Männer. „Wir waren heiß drauf, mit dem Ding zu fahren“, schildert Christoph Gärthöffner die positive Anspannung. Nur zweimal mussten das Trio schrauben: Einmal gab es Probleme mit der Bremstrommel, ein zweites Mal löste sich eine Schraube an der Halterung der Lichtmaschine. Nach rund 15 Stunden kam das Trio in Roses am nördlichsten Zipfel von Spanien an. „Auf jedem Rastplatz haben Leute gefragt, was wir vorhaben und wie es läuft“, erzählt Christoph Gärthöffner. Sein Bruder ergänzt: „Interessant war, dass der Trabi bei internationalem Publikum Aufsehen erregte. Einerseits hat man uns zwar für verrückt erklärt, andererseits waren alle begeistert.“ Auf der Autobahn hätten andere Reisende beim Anblick des Trabis mehr als einmal motivierend gehupt. In Spanien angekommen, musste die Antriebswelle wieder in Gang gebracht werden. Richtig viel Fett sei dafür notwendig gewesen. „Wir lagen bei 38 Grad auf dem Straßenasphalt rum und hatten Hände voller Fett“, erzählt Michael Gärthöffner und muss beim Gedanken daran immer noch lachen. Die Rückfahrt zogen die Männer in einem Rutsch durch, trotz Hitze und einer Klimaanlage, die beim Trabi, Baujahr 1972, Fenster auf bedeutete. Nach 17 Stunden parkten die Urlauber den Wagen quer im heimischen Hof und waren platt. Das Schlichte und Einfache des Zweitakt-Zwei-Zylinders hat Christoph Gärthöffner von Anfang an gereizt. Als „reines Minimum“ wird das von seinem Bruder bezeichnet. Festgehalten haben die Brüder die Reise in einem Film, mit Hilfe einer Kamera an einem Besenstiel – der Reiz des Einfachen eben.

Unkonventionell: Mit einer Kamera auf einem Besenstiel filmten die Brüder ihren Trip.
Unkonventionell: Mit einer Kamera auf einem Besenstiel filmten die Brüder ihren Trip.
Puzzlearbeit: Die Brüder mussten den Wagen vor der Reise komplett zerlegen und wieder zusammenbauen.
Puzzlearbeit: Die Brüder mussten den Wagen vor der Reise komplett zerlegen und wieder zusammenbauen.
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