Speyer Vom Glück verfolgt
Viel Glück hat das Leben von Grazyna Bozena Brand bisher begleitet. Davon ist die 60-Jährige überzeugt. Privat, beruflich und im Ehrenamt setzt sie auf ihr Organisationstalent. „Das hat mich noch nie im Stich gelassen“, sagt sie. Zuletzt hat die Vorsitzende des Freundeskreises Speyer-Gniezno das bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft unter Beweis gestellt.
33 Jahre lebe sie inzwischen in Deutschland, rechnet Brand kurz zurück ins Jahr 1984. Ihrer ersten großen Liebe sei sie von Krakau in die Pfalz gefolgt, erzählt sie von der Ankunft im Land, dessen Sprache sie nicht sprach. „In Polen galt Deutschland damals als gefährlich“, spricht sie von Vorurteilen im Nachbarland. Vor Drogen, Unmoral und Kriminalität hätten ihre Landsleute sie gewarnt, sagt Brand. „Ich bin trotzdem gegangen und habe nichts von alledem erfahren.“ Ihr erster Eindruck, der sich bis heute gehalten hat: „Die Deutschen lachen und freuen sich.“ Brand erinnert sich an die Dudenhofener Familie, die sie trotz Sprachbarrieren sofort in ihr Herz geschlossen und an ihren Tisch gebeten habe. „Zu ihnen habe ich heute noch Kontakt.“ Dass es ohne Sprache nicht geht, habe sie schnell verstanden und sich in alle Deutschkurse der Mannheimer Abendakademie gesetzt. Heute beherrscht Brand Deutsch fehlerfrei. Viel habe sie bei ihrer Tätigkeit an der Ludwigshafener Berufsschule gelernt, sagt sie. In Krakau hat Brand Wirtschaftswissenschaften studiert. Seit 1988 arbeitet sie als kaufmännische Angestellte in der BASF. „Nicht mehr lange“, weist sie auf ihren letzten Arbeitstag am 31. Januar 2018 hin. Nachdem Ehemann Siegbert seine Berufslaufbahn im Sommer beendet habe, sei auch sie seinem Vorbild gefolgt und habe die Rente eingereicht: „30 schöne Jahre BASF sind genug.“ Im dritten Lebensabschnitt bleibe ihr mehr Zeit fürs Ehrenamt, hofft sie. Und fürs Reisen, ihre große Leidenschaft. „Oder entspannt ins Städtchen gehen“, sagt sie. Speyer biete viele kulturelle Möglichkeiten. Bisher habe sie nur wenig davon genießen können. „Das wird sich ändern.“ Ihre zweite große Liebe habe sie nach Speyer geführt, sagt sie mit Blick auf den Ehemann. Verheiratet habe sie der Römerberger Verbandsbürgermeister Manfred Scharfenberger. „Im Speyerer Rathaus wollte uns an einem Samstag im Jahr 1997 niemand trauen.“ Das Standesamt hatte damals nur an Werktagen geöffnet. Mittlerweile pflege sie gute Kontakte ins Rathaus, betont Brand. „Alle haben mich bei den Vorbereitungen zum Städtepartnerschaftsjubiläum großartig unterstützt.“ Allen voran stehe Ehemann Siegbert ihr zur Seite. „Ohne unsere Männer könnten wir das alles nicht leisten“, so Brand. Zum Freundeskreis Speyer-Gniezno sei sie rein zufällig gekommen. Ein Info-Blatt in den Räumen der Volkshochschule habe sie aufmerksam gemacht. „Damals waren wir noch viele“, erzählt Brand von großem Zulauf und ihrer ersten Bürgerreise 2017 nach Polen. Dort leben ihre Eltern und ihr Bruder bis heute. Brand besucht sie, so oft sie kann. „Krakau ist immer eine Reise wert“, betont sie. Von „ganz besonderen Flair“ ihrer Heimatstadt will sie Speyerer und Landsleute überzeugen. Derzeit treffe sich eine aktive Gruppe von 16 unregelmäßig im polnischen Laden am Königsplatz. Brand verfolgt ein Konzept der kleinen Schritte. Fünf weitere Interessierte seien vor zwei Wochen hinzugekommen. „Wir wachsen“, so die Vorsitzende. „Wir haben noch relativ wenige Mitglieder, sind aber der jüngste Freundeskreis für eine Speyerer Städtepartnerschaft.“ Daran will sie weiter arbeiten, sich viele Schultern suchen, die ihre hoch gesteckten Ziele mittragen: „Mehr deutsche und polnische Mitglieder, mehr Aktivitäten, noch mehr Spaß.“ Brand zweifelt keinen Augenblick an einer guten Zukunft des Kreises. „Warum sollte mich das Glück verlassen?“