Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Volleyball: Heiligenstein denkt an Flutopfer

Freundinnen: Heiligenstein (schwarz) und Sinzig.
Freundinnen: Heiligenstein (schwarz) und Sinzig.

Es war 3 Uhr nachts, als Merlin Hinsche den Appell zur Evakuierung seines Wohnhauses erhielt. Da stand das Wasser in Sinzig schon 3,50 Meter hoch. In der Turnhalle gegenüber trainierte Hinsche am Abend zuvor die unter-20-jährigen Mädchen. Der Boden dort war inzwischen zur Halfpipe geworden. An Training ist Monate nach der Flut im Ahrtal nicht zu denken.

Sonntag war ein guter Tag für Vorsitzenden Hinsche, nicht, weil die Landesmeisterschaft der U20 einen Titel brachte. Im Halbfinale flog LAF Sinzig raus. Doch das Team kam raus und spielte, traf die Freunde von TuS Heiligenstein. In der Rhein-Pfalz-Halle richtete dieser den Titelkampf aus. Für Sinzig gab’s eine Spende.

Halle unbespielbar

„Das ist super. Jeder Euro hilft“, betont Hinsche. Abgesehen davon, dass er selbst gerade sein Haus soweit grundrenovierte, dass der Einzug kurz bevorsteht, ist die Hallensituation vakant: „Es wird vier bis fünf Jahre dauern, bis unsere bisherige Halle wieder bespielbar ist.“ Dabei nahm das Training aufgrund Corona erst wieder Fahrt auf.

Natürlich gebe es wichtigere Projekte als die Wiederbelebung des Sportgeschehens. Dennoch ist der Status quo frustrierend. „Momentan ist auch die Rede von einem Hallenneubau. Aber der wird zwei bis drei Jahre dauern“, so Hinsche. Auch die Beachanlage ist nicht mehr vorhanden: „Dort „stehen jetzt Container für den Schulunterricht.“

Hauptsache spielen

Übungsstätten fand der LAF in zwei Nachbarorten, darunter Bad Breisig. Gut 20 Minuten einfache Fahrtzeit bedeutet das. Die Trainingszeiten sind gewöhnungsbedürftig, sonntags von 17 bis 19 Uhr. Hinsche ist dennoch froh. „Am schönsten ist, dass die Mädchen wieder spielen“, sagt er. Die Lust sei direkt wieder da gewesen.

„Die Gemeinschaft ist ihnen wichtig“, sagt Hinsche. Das Problem der jetzigen Trainingsstätten: Die Decken sind zu niedrig. Mindestens sechs Meter sind für die Regionalliga nötig. In die Saison einsteigen will Hinsche anfangs eben in der Verbands- oder Landesliga.

Eine Einladung

Mit der Meisterschaft am Sonntag war er zufrieden, auch wenn Sinzig gegen Heiligenstein in der Gruppe verlor. „Aber es war knapp“, meint TuS-Sprecherin Bettina Palenczat. Sie betont die jahrelange Freundschaft zu Sinzig. „Die älteren Mädels der Jahrgänge 2002/03 hatten eine Kadertrainerin aus Sinzig“, erinnert sich Palenczat.

Melanie und Gilbert Deurer, die die Kader nach wie vor betreuen, sind mittlerweile Stammgäste. „Wir waren daher sehr geschockt, als wie die Nachricht von der Flut gehört und die Bilder gesehen haben“, stellt Palenczat heraus. Für den Sommer gilt eine Einladung auf das Heiligensteiner Beachfeld.

Im Finale besiegte der TuS die TGM Mainz-Gonsenheim 2:1. Sinzig belegte Platz fünf vor dem TSV Speyer.

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