Speyer Viele wollen in den Überschlagssimulator
Vor fünf Jahren hat das Nikolaus-von-Weis-Gymnasium einen Verkehrssicherheitstag ins Leben gerufen. Vor zwei Jahren stieg das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium (FMSG) in die Materie ein. Zum dritten Mal wurden dort gestern 104 Oberstufenschüler mit Unfallursachen und -folgen konfrontiert.
Der Überschlagsimulator der BASF war der Hingucker schlechthin. Er war auch begehrtes Testobjekt. Ohne Scheu nahmen die Gymnasiasten auf Fahrer- und Beifahrersitz Platz und ließen sich mit einer Drehung auf den Kopf stellen – die sanfte Variante eines Überschlags im Falle eines Unfalls. Sebastian Kühn (17) war einer der Probanden. Er berichtete: „Es war ungewohnt, da der Gurt doch in Brust und Bauch geschnitten hat. Ich habe auch gemerkt, dass das Gucken schwerer fällt.“ Mit Hilfe von Jürgen Krämer lernten die jungen Fahranfänger, sich aus der brenzligen Situation richtig zu befreien. „Füße ans Armaturenbrett, mit dem Po in die Mitte und raus“, gab Krämer Anweisungen, nachdem die Testpersonen sich vom Gurt befreit hatten. „Er macht das wirklich toll und fesselt die Schüler mit seiner Art zu erzählen“, stellte Lehrer Tom Kemmer gegenüber der RHEINPFALZ fest. Er hatte den Verkehrssicherheitstag am FMSG federführend organisiert. Als Bodyguard des BASF-Vorstands berichtete Krämer aus dem Leben. Dazu gab er den Jungs und Mädels Tipps für den Ernstfall, wie Joshua Göller (19) anerkennend anmerkte. Schülerin Antonia Parise (18) nahm das Überschlagstraining gelassen. „Angenehm war’s nicht, aber auf jeden Fall interessant, es auszuprobieren“, meinte sie und verwies auf den Nutzwert der Übung. „Beifahrer“ Robert Schuff (17) ergänzte: „Bei der Fahrschule werden solche praktischen Dinge vernachlässigt, daher finde ich diesen Tag heute wichtig.“ Den ganzen Tag über gab es gestern für die Schüler Übungen im Umgang mit dem Spreizer an der Station der Feuerwehr, Erste-Hilfe-Maßnahmen, die die Schulsanitäter anleiteten, Fahrten im Simulator des Vereins zur Verhütung von Verkehrsunfällen und Erfahrungen auf dem Rauschbrillenparcours der Polizei. Integriert hatte Kemmer eine Verkehrszählung an der Dudenhofener Straße. Achten sollten die Schüler vor allem darauf, wie viele Personen ihr Smartphone während der Fahrt in der Hand haben. Dass das zwischenzeitlich den Alkohol- und Drogenmissbrauch bei der Unfallhäufigkeit abgelöst hat, erfuhren die Zwölftklässler bereits am Morgen. Den Bremsweg von 14 Metern in einer Sekunde bei 50 Stundenkilometern stellten sie mit einem roten Teppich nach – ein Schockmoment für viele. „Wenn der Aktionstag nur einem hilft, Unfälle zu vermeiden, ist schon viel erreicht“, betonte Kemmer.