Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Baustellen für Otterstadts neuen Beigeordneten

War bereits von 2004 bis 2014 Otterstadts Beigeordneter und hat dementsprechend Erfahrung: Jürgen Zimmer.
War bereits von 2004 bis 2014 Otterstadts Beigeordneter und hat dementsprechend Erfahrung: Jürgen Zimmer. Foto: Lenz

Jürgen Zimmer ist zurück im Rathaus in Otterstadt. Er wurde Ende August zum Beigeordneten und vergangene Woche nach dem Rücktritt von Theo Böhm zum Ersten Beigeordneten gewählt. Das Amt hatte er schon einmal zehn Jahre inne. Auf den 65-Jährigen warten viele Baustellen, die er jedoch mit Tatendrang angehen will.

Jürgen Zimmer ist einer, der anpackt. „Das ist kein Selbstläufer. Man muss es halt machen, von alleine macht es sich nicht“, sagt er über die vielen Bauprojekte, die in Otterstadt anstehen. Der 65-Jährige nennt die Brandschutzsanierungen in der Grundschule und der Kindertagesstätte Casa Vincentina, die Erneuerung der Blitzschutzanlage und der Toiletten im Remigiushaus sowie Arbeiten in der Sommerfesthalle zur Trennung von Trink- und Löschwasser. Nach seinen Angaben erstellt die Verbandsgemeindeverwaltung derzeit eine Liste für jede Ortsgemeinde mit den Bauprojekten. Diese solle einen Überblick geben, und mit deren Hilfe solle priorisiert werden. Die Brandschutzsanierungen stünden jedoch an erster Stelle, weil sie gesetzlich vorgeschrieben seien und Leben schützen, sagt der gelernte Werkstoffprüfer, der früher bei der BASF arbeitete.

„Niemandem auf die Füße treten“

Zimmer ist als Erster Beigeordneter für den Geschäftsbereich Bauen, Verkehr und Ortsentwicklung sowie für den Friedhof zuständig. Der gebürtige Ludwigshafener, der seit 1976 in Otterstadt wohnt, sprüht vor Tatendrang. Als vergangene Woche die Remigiusbücherei auf Anweisung der Bauaufsicht bei der Kreisverwaltung wegen fehlenden Brandschutzes geschlossen werden musste, schlug er vor, einen weiteren Fluchtweg durch ein Fenster zu schaffen. Der Vorschlag muss von der zuständigen Mitarbeiterin bei der Kreisverwaltung, die derzeit erkrankt ist, jedoch noch geprüft werden. Laut Zimmer passiert in dieser Sache vor 9. Januar nichts, dann ist ein Gespräch mit ihr geplant. „Es geht mich nichts an, aber ich hänge mich trotzdem rein“, sagt er. Das Gebäude gehört der Kirche, laut Zimmer hat die Ortsgemeinde nur für das Erdgeschoss mit den Räumen der Kita Casa Vincentina die Gebäudeträgerschaft. Die Bücherei ist eine katholische öffentliche Einrichtung und besteht seit 2010 in Kooperation mit der Ortsgemeinde.

Zimmer betont, dass er mit seinem Eifer niemandem auf die Füße treten wolle. Der Vorteil sei, dass er als Rentner Zeit habe und sich genötigt fühle, mitzuhelfen. Außerdem wolle er seine fünfjährige Amtszeit nicht beenden und nur zehn Prozent der Arbeit geschafft haben, sagt der 65-Jährige. Im Otterstadter Rathaus ist er montags bis donnerstags jeden Vormittag anzutreffen. Hinzu kommen weitere Termine zum Beispiel im Rathaus in Waldsee. Die Verbandsgemeindeverwaltung und vor allem die Bauabteilung, die bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben helfen muss, hat Zimmer als „sehr, sehr willig“ empfunden. Warum sich die vielen Sanierungsarbeiten angestaut haben, kann er nicht sagen. Er macht aber deutlich, dass es immer mehrere Gründe dafür gebe, warum Projekte nicht umgesetzt würden. Es könne an den politischen Entscheidungsträgern, der Bauabteilung oder äußeren Umständen wie dem Fachkräftemangel liegen, zählt er auf.

Gemeinsame Lösung für Friedhof

Für den Friedhof schwebt dem 65-Jährigen wie seinem kurzzeitigen Vorgänger Theo Böhm (CDU) ein Konzept vor, das alle Anträge der Ratsfraktionen unter einen Hut bringt. Zimmer plant für das Frühjahr eine Ortsbegehung mit den Ausschussmitgliedern, bei der die Themen gärtnerbetreutes Grabfeld, die Mammutbäume und die Wege besprochen werden sollen. „Wir reden darüber, das soll keine Ein-Mann-Show werden“, betont er und spielt damit darauf an, dass ihm eine gemeinsame Lösung bei diesem „sensiblen Thema Friedhof“ wichtig sei und nicht, wer welchen Antrag gestellt habe.

Es kam anders als geplant

Eigentlich hatte Zimmer nach eigenen Angaben vor einem Jahr mit seiner kommunalpolitischen Karriere abgeschlossen. Damals brachten sich die Parteien für die Kommunalwahlen im vergangenen Mai in Stellung. Der Vater zweier Töchter (29 und 22 Jahre) gehört in Otterstadt keiner Partei mehr an. Aus der Freien Wählergruppe (FWG) war er ausgetreten. Im Ortsgemeinderat saß er als fraktionsloses Mitglied. Es habe zwar Bürger gegeben, die ihn zum weitermachen ermutigt hätten, zum Beispiel als Einzelbewerber für den Rat bei den Kommunalwahlen, aber „diesen Akt wollte ich mir nicht geben“, sagt Zimmer.

Schluss mit der politischen Karriere in Otterstadt war für ihn jedoch nicht: Im Frühjahr sei er von der BIO-Fraktion angesprochen worden, auf deren Liste zu kandidieren – als Parteiloser, das bedeutet, dass er kein BIO-Mitglied wurde. Mit BIO habe er bereits ab und zu als fraktionsloses Ratsmitglied bei manchem Antrag zusammengearbeitet, sagt Zimmer. Nach seiner Wahl in den Ortsgemeinderat stellte er sich, motiviert von BIO-Vertretern, als Beigeordneter zur Wahl und wurde Ende August an die Seite von Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) und des Ersten Beigeordneten Theo Böhm gewählt.

Als Böhm wenige Wochen später überraschend aus persönlichen Gründen von dem Amt zurücktrat, blieb Zimmer allein an Zimmermanns Seite übrig. In der jüngsten Ratssitzung folgte die Wahl zum Ersten Beigeordneten. „Ich bin BIO dankbar, obwohl ich formal nichts mehr mit ihnen zu tun habe“, sagt Zimmer, der nach seiner Wahl zum Beigeordneten sein BIO-Ratsmandat an Marc Wagner abgab.

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