Speyer Viel mehr als „Kindergeburtstag“

Placeholder-Image

Die Flöte gehört neben der Trommel zu den ältesten Instrumenten der Menschheit. Blockflötistin Heidrun Liermann-Schüler fühlt sich sehr zur alten Musik hingezogen: „vom Barock nach rückwärts bis zum Mittelalter“, wie sie sagt. Die Lieblingsepochen der gebürtigen Ludwigshafenerin sind allerdings die Renaissance und der Frühbarock. Mit der historischen Gruppe „Tanzschuh“ aus Bad Wimpfen ist sie auf Konzertreisen in Europa unterwegs.

Bei den Auftritten sei sie das Bindeglied zwischen Musikern und Tänzern, denn Liermann-Schüler begeistert sich für beides und tanzt gerne mit. Oft seien es Schreit-, Reigen- oder Kreistänze, und die Musik sei ganz verschieden, „von feierlich bis ganz wild“, wie sie erzählt. „Es muss lebendig sein und Spaß machen.“ Sehr gerne denkt sie an einen ihrer jüngsten Auftritte zurück, als sie in kleiner Besetzung zusammen mit zwei Geigern und einer Gitarristin/Lautenistin in Cornwall mit Blick auf einen wunderschönen Fjord gespielt habe. „Es macht Spaß, draußen zu spielen“, sagt die Frau, die auch gerne mal in Gewandung einen Mittelaltermarkt besucht, sich mit seltenen Instrumenten wie Dudelsack und Zither beschäftigt und den großen Mangel an Notenmaterial aus der Zeit vor dem Mittelalter beklagt. „Das Alleroberste“ sei jedoch ihre Lehrtätigkeit, der sie 75 Prozent ihrer Arbeitszeit widme, so Liermann-Schüler. „Das kann ich am besten, und darin sehe ich am meisten Sinn“, sagt sie. In Speyer, wo sie derzeit nur eine Blockflötenschülerin habe, widme sie sich in erster Linie der Kooperation mit der Salier-Grundschule und der Elementaren Musikerziehung (EME), einstmals Musikalische Früherziehung genannt, die im Kleinkindalter mit Eltern-Kind-Gruppen beginne. „Die Blockflöte ist ein gutes Anfängerinstrument“, unterstreicht Liermann-Schüler: In der Anschaffung nicht so teuer, könne man mit der dafür obligatorischen Sopran-Blockflöte Noten lesen lernen und sich ans Üben gewöhnen. Genau das ist auch der Grund, dass man als Blockflötistin nicht nur von Laien, sondern nicht selten auch von Musikerkollegen „in Richtung Kindergeburtstag“ gerückt und gerne mal unterschätzt werde, berichtet sie. „Aber mit der Zeit steht man da drüber.“ Denn die Blockflöte sei „ein vollwertiges eigenständiges Musikinstrument“. Und am Ende gar nicht so ganz einfach zu spielen. „Man muss die Löcher zuhalten, mit der Zunge arbeiten und den Atem richtig dosieren.“ Sagt’s und führt ihre große Sammlung verschiedener Blockflöten vor, die alles andere als Anfängerinstrumente seien, darunter zum Beispiel verschiedene Renaissanceflöten. „Eine Sopran, eine Alt auf F, eine Alt auf G“, zählt sie auf und führt den Unterschied zur Anfängerflöte vor: größere Löcher und wesentlich mehr Klangvolumen. Auch eine Barockflöte, die einen feineren Ton hat, sowie eine „Voice flute“ hat sie dabei, die in der Kammermusik von Bach bis zum französischen Barock zum Einsatz kommen. Ihr kammermusikalisches Engagement ruhe derzeit zwar bedingt durch den Mutterschutz einer Musikerkollegin, doch wolle sie künftig hier wieder mehr tun, wie sie ankündigt. Und ganz entgegen des Klischees von der sanften Flötistin kann Liermann-Schüler sich richtig in Rage reden, wenn sie darüber spricht, wie eine ihrer Schülerinnen bei „Jugend musiziert“ von den Juroren so niedergemacht worden sei, dass diese deshalb mit der Musik aufhören wollte. „Das kann nicht Sinn der Sache sein“, sagt die Musiklehrerin, die nach eigenem Bekunden viel Zeit und Basisarbeit in die Wettbewerbsvorbereitung mit ihren Schülern steckt. Überhaupt, mit ihren Schülern spiele sie sehr gerne zusammen, stellt Liermann-Schüler fest. Mit dem Folkloreensemble „Lots Of Weathers“ der Musikschule Sinsheim hatte sie kürzlich einen Auftritt im Zimmertheater Speyer. Ein weiterer Auftritt an ihrem Wohnort wird folgen: In der Dreifaltigkeitskirche werde sie bei einem geplanten Konzert mit dem Kirchenchor im kommenden Jahr dabei sein.

Mehr zum Thema
x