Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verwirrung um Fahrradstraßen-Beschilderung

Mühlturmstraße: falsche Tempo-30-Zone ausgewiesen.
Mühlturmstraße: falsche Tempo-30-Zone ausgewiesen.

Die Stadt Speyer tut sich ein bisschen schwer bei der Ausweisung von Fahrradstraßen, in denen Pedalritter Vorrang haben. Welche Verkehrswege sind geeignet, wie viele dürfen’s sein, wie schnell – darüber wird schon lange diskutiert. Jetzt geht es um die Beschilderung.

Am Freitag tut sich Großes in der besten aller Städte – in doppelter Hinsicht: Die Aktion „Stadtradeln“ wird dann gestartet und bei dieser Gelegenheit gleich noch die Mühlturmstraße als zweite Fahrradstraße offiziell in Betrieb genommen. Bei der dreiwöchigen Radelaktion ist die Verwaltung stets mit gutem Beispiel vorangeprescht, beim Thema Fahrradstraßen war sie bislang nicht immer ganz so fix: Das Stummel-Stück der Vincentiusstraße, das entsprechend mit Vorrang für Radfahrer markiert wurde, war 2019 die Premiere, obwohl die Forderungen viel älter und weitreichender sind.

Jetzt also die Mühlturmstraße. Und tatsächlich ist die Umwidmung eines solchen auch von vielen Autos genutzten Verkehrswegs herausfordernder als das Vorbild Vincentiusstraße. Die Stadt hat sich damit entsprechend ein bisschen schwer getan. Inzwischen sind die blau-weißen Markierungen auf der Straße jedoch angebracht. Sie besagen, dass hier natürlich auch Autos fahren dürfen, aber sich im Zweifelsfall eben hinter den Zweirädern einordnen müssen. Der Stadt war die Sache offenbar nicht ganz geheuer, denn sie hat mit Zusatzschildern nachgeholfen – und danebengegriffen.

Fehlgriffe am Schildermast

Zunächst kam unter das Fahrradstraßen-Schild von der Postgalerie her ein „Anlieger frei“, das jedoch zu kurz griff, weil dort auch andere fahren dürfen (wir berichteten). Inzwischen ist es entfernt, aber nicht ersatzlos: „Kfz-Verkehr frei“ steht seit einigen Tagen dort – eher unnötig. Denn dieser Verkehr darf ohnehin in die neue Fahrradstraße fahren, und die ursprüngliche Idee, das Zusatzschild anzubringen, „um die Verkehrsbelastung etwas geringer zu halten“, wird damit auch verfehlt.

Wer den zweiten Fehlgriff sehen wollte, musste bis Montag auf die Rückseite der Schilderstange blicken: Dort begann nämlich eine Tempo-30-Zone für die wenigen Meter bis zur Einmündung in die Bahnhofstraße – gegen die Einbahnrichtung wohlgemerkt, von der nur Radler „befreit“ sind. „Optiker Kuntz hat wohl gute Kontakte zur Stadt – extra Zone 30 nur vor dem Geschäft ...“, ätzte ein RHEINPFALZ-Leser in einer Mail.

Wieder ein Versehen, wie Lisa Eschenbach, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, auf Anfrage sagt: Ein Tempo-30-Zonen-Hinweis wäre dort nämlich nicht mehr nötig, weil in Fahrradstraßen ohnehin nur so schnell gefahren werden darf. „Leider gab es ein Abstimmungsproblem zwischen Straßenverkehrsbehörde und Baubetriebshof. Letzterer sollte das Schild eigentlich entfernen, hat es durch ein Missverständnis aber stattdessen erneuert.“ Anfang dieser Woche sollte es entfernt werden. Warum es gegen die Einbahn wies, bleibt trotzdem unklar.

Vorfreude auf Eröffnung

Bis zur Eröffnung am Freitag soll alles perfekt sein. Dann sollen auch zwei „Achtung“-Schilder stehen, um an der Einmündung Untere Langgasse/Mühlturmstraße auf die dort geänderte Vorfahrtsregelung hinzuweisen: Die Fahrradstraße hat in Richtung Schützenstraße Vorrang. Wenn weitere Fahrradstraßen kommen, die die Stadt ja angekündigt hat, können die Planer von den jetzigen Beschilderungserfahrungen gewiss profitieren. Hoffentlich warten sie nicht zu lange. Wie Eschenbach mitteilt, geht es aber zuerst um die entsprechenden „verkehrsrechtlichen Voraussetzungen“: „Eine Anordnung weiterer Fahrradstraßen ist kurzfristig nicht geplant.“

P.S.: Vielleicht war das Ganze auch eine geniale Marketing-Idee. Die guten Ideen Fahrradstraßen und Stadtradeln werden jetzt ein weiteres Mal in der Zeitung erwähnt ...

Neu: das zweite Zusatzschild.
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Falsch: das erste Zusatzschild.
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