Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verwirrung um Brezel-Gutschein in Altstadtfest-Box

Verkaufsschlager im September: die „Altstadtfeschd-dehääm“-Box.
Verkaufsschlager im September: die »Altstadtfeschd-dehääm«-Box.

Die womöglich beste Erfindung seit der des Speyerer Altstadtfests waren die „Altstadtfeschd dehääm“-Boxen, die Anfang September verkauft wurden. Bei diesen gab es jedoch einen kleinen Schönheitsfehler, der bis heute für Verwirrung sorgt.

Ein 0,5-Liter-Dubbeglas, ein Liter „Zwää PS“-Rieslingschorle, eine Dose Leberwurst der Metzgerei Victor Nettey sowie eine Ente „Dörte Digital“ der Stadtwerke Speyer waren unter anderem drin in der schmackhaft-schmucken Box, die für 29 Euro rund 1400 Mal über den Tresen ging, um den Phantomschmerz im Jahr ohne Altstadtfest nicht zu stark werden zu lassen. Und natürlich echte Speyerer Brezeln – damit diese schön frisch sind, in Form eines Gutscheins für zwei Stück von der Brezelbäckerei Berzel.

Lecker, dachte sich auch der Speyerer Martin Laforet. Als er aber Anfang November den Gutschein am Brezelhäuschen einlösen wollte, wurde er auf das „Kleingedruckte“ hingewiesen: Der von ihm Mitte September erworbene Gutschein war bis 30. September befristet. „Ein Tippfehler? Leider nein“, berichtet Laforet. Die Firma wäre zwar so kulant gewesen, ihm Brezeln ohne weitere Kosten zu geben. Sie hätte die Kosten dafür aber von der Stadt als Box-Anbieter nicht mehr erstattet bekommen. Er habe dankend abgelehnt, so Laforet.

Bäcker zeigt sich kulant

Bäckerei-Inhaber Patrick Blau berichtet auf Anfrage, dass er ab Oktober 20 bis 25 Mal zwei Brezeln nachträglich herausgegeben habe, ohne den Gutschein an die Stadt weiterzureichen, weil die Frist abgelaufen war. Er habe mit der Befristung nichts zu tun, sagt er, und will ausdrücklich nicht mit der Stadt hadern, weil ihm diese mit dem Angebot ja in der Corona-Krise helfe und auch sonst ein guter Kunde sei: „Das mache ich gerne für sie.“ Zumindest zweimal seien Beschwerden bei ihm gelandet.

Die Box-Idee helfe ihm ebenso im Corona-Jahr wie die Neuerung beim Edeka-Markt Stiegler, der Berzel-Produkte in sein Sortiment aufgenommen habe, berichtet Blau. Ansonsten habe sein Unternehmen mit drei Festangestellten und 15 Verkäufern deutliche Absatzeinbußen zu verzeichnen. Die Brezelhäuschen in der Maximilianstraße seien davon vor allem an Wochenenden betroffen, weil die Touristen fehlten; zudem mangele es an Bestellungen: „Keine großen Feste, keine mittelgroßen, kein Hochzeitsjubiläum im Dom, weniger Lieferungen für Kantinen“, zählt er auf.

Stadt: 18 000 Euro für Vereine

Die Stadt begründet die Befristung damit, dass bewusst ein genau datiertes Ende der Aktion festgelegt worden sei, um den Speyerer Vereinen, die am Altstadtfest beteiligt gewesen wären, den Gewinn aus der Aktion „Altstadtfest dehääm“ übermitteln zu können. Auch der Erlös aus dem Verkauf des Speyer-Kalenders 2021 der Verwaltung komme bei der Übergabe hinzu, die noch aussteht. Allein der Verkauf von rund 1400 Altstadtfest-Boxen hat laut Stadt 18.000 Euro dafür eingebracht. Von den Brezel-Gutscheinen seien nur 490 eingelöst worden. Auch die Stadt bilanziert einige wenige Beschwerden über die Befristung. Die Betroffenen hätten jedoch nach Erklärung des Hintergrunds „sehr verständnisvoll reagiert“.

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