Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrsdezernentin: „Radler gehören auf die Straße“

Hier fahren viele Autos zu schnell: Irmgard Münch-Weinmann in der Landauer Straße.
Hier fahren viele Autos zu schnell: Irmgard Münch-Weinmann in der Landauer Straße.

Bei der Fahrradfreundlichkeit der Stadt will Irmgard Münch-Weinmann (Grüne), seit April städtische Verkehrsdezernentin, einen ersten Schwerpunkt ihrer Amtszeit setzen. Das geht nicht im Handumdrehen. Sie erklärt beim Ortstermin, warum sie einen langen Atem braucht.

Auch mit 60 Jahren kann man noch Lampenfieber haben. Bei Irmgard Münch-Weinmann klingt es danach, wenn sie über die erste Sitzung des Verkehrsausschusses spricht, die sie am Montag (17 Uhr, Rathaus) leitet. „Die Premiere ist gleich eine außerordentliche Sitzung“, sagt sie. Und es geht um ein heißes Thema: die Umgestaltung der unteren Hirschgraben-Kreuzung. Die Stadtverwaltung hat dafür eine Planung mit Kreisel erstellt, der Stadtrat um Vertagung gebeten. Verdacht: Für Radfahrer und Fußgänger könnte es nicht unbedingt besser werden.

Bei Münch-Weinmann lässt so etwas die Alarmglocken schrillen. „Es muss in puncto Verkehrswende vorangehen“, betont sie beim RHEINPFALZ-Ortstermin mit dem Fahrrad. Dabei müsse die Lage aber „von Fall zu Fall“ betrachtet werden; es gelte, Interessen abzuwägen und Verbesserungen mit Verstand „schrittweise“ anzugehen. Jetzt an Punkt A Änderungen anzuordnen und später zu merken, dass das an Punkt B Nachteile bringt, sei nicht ihre Politik.

„Feuerprobe“ Hirschgraben

Nun also der Hirschgraben: „Ich bin gespannt, was da herauskommt“, sagt Münch-Weinmann mit Bezug auf die Sitzung. Ihr sei wichtig, dass ein Konzept, das aus der Verwaltung kommt, wie in diesem Fall, hinterfragt werden darf. „Ich will die beste Lösung zusammen mit den Fraktionen erarbeiten, wir können nicht als Verwaltung einfach irgendwas entscheiden“, sagt sie. Sie blickt über den Guido-Stifts-Platz auf die Kreuzung und nennt dann ein Beispiel dafür, dass einst womöglich anders agiert worden ist: „Ich bedauere es, dass hier damals bei der Umgestaltung der Radweg weggefallen ist.“

Kreisel ja oder nein? Separate Radwege oder die Radler rein in den Verkehr? Münch-Weinmann zeigt auf der Runde mit ihrem blauen E-Bike immer wieder Stellen, an denen das nicht eindeutig zu beantworten ist. Am Knoten Kirrmeier-Straße/Ziegelofenweg ging es schon vor Jahren um die Glaubensfrage Kreisel oder Ampel; heute beklagten Anwohner die Ampellösung.

Bessere Lösungen gesucht

Oder die Kreuzung „Rauschendes Wasser“: Seit Jahrzehnten wird hier nach besseren Lösungen gesucht. Zu viele Ampeln stehen Radlern und Fußgängern im Weg. „Diese Gestaltung stammt aus einer Zeit, in der dem Auto Vorrang gegeben wurde“, betont Münch-Weinmann. Kurzfristig seien keine Änderungen geplant, langfristig müsse sich etwas tun.

Sie sehe sich von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) unterstützt, sagt Münch-Weinmann in der Landauer Straße. Die Stadtchefin war einst selbst Verkehrsdezernentin und hätte den Job auch weitergemacht, wenn die Ratsmehrheit nicht den Beigeordnetenposten geschaffen hätte. So ist es jetzt an der Grünen-Politikerin, in der Landauer Straße die Einhaltung von Tempo 30 zu fordern: Gegenseitige Rücksichtnahme ermutige zum Radeln.

Andere Kommunen sind weiter

„Es muss in die Köpfe, dass Radfahrer auf die Straße gehören“, sagt Münch-Weinmann. Das wäre auch ein Beitrag dazu, den motorisierten Verkehr zu reduzieren. In Speyer gebe es dafür großes Potenzial. „Andere Kommunen haben viel mehr autofreie Straßen.“ Heute seien noch verärgerte Reaktionen zu beobachten, wenn Radler etwa in der Burg- oder Mühlturmstraße den Autos in die Quere kämen. Kommunizieren, für Verständnis werben – das sei ihr Ansatz, so Münch-Weinmann. Ein anderer: in Beratung mit den Umlandgemeinden Alternativen zu Autofahrten nach Speyer zu suchen.

Wenn sie Lastenfahrräder in der Stadt sieht, freut sich die Dezernentin: „Die Leute fahren gern Rad, sind auch bereit, dafür zu investieren.“ Die Initiative, über den Verein Inspeyered ein Lastenfahrrad zu vermieten, sagt ihr zu. Sie regt bessere Abstellplätze vor dem Unverpackt-Kaufladen an. Ergebnis: offen. Zurück in der Maximilianstraße. Zeit für eine Bilanz. Kann Münch-Weinmann heute als Mitglied der Verwaltungsspitze mehr Einfluss ausüben als früher in der Rolle der Fraktionschefin in Stadtrat? Sie komme jetzt leichter an Infos, sagt sie. Aber was die Umsetzung angeht: „Fragen Sie mich in einem Jahr noch einmal.“ Und: „Ich habe acht Jahre Zeit.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Moderate Töne

Sie wird kritisch beäugt in ihrem Amt, Speyers neue Verkehrsdezernentin Irmgard Münch-Weinmann. Ihre Wahl war umstritten. Der Aufgabenbereich, den sie von der Oberbürgermeisterin übernommen hat, ist es ebenfalls. Insofern klingt es höchst moderat, was die grüne Politikerin plant. Von ihr kommt keine kämpferische Rhetorik (mehr). Beim Thema Verkehr könnte das erfolgversprechend sein: Mit Beharrlichkeit kommt man oft weiter, als wenn man aktionistisch alles umkrempeln will und die Hälfte der Stadt gegen sich aufbringt.

Vorbildlicher Radweg: Situation in der Wormser Landstraße.
Vorbildlicher Radweg: Situation in der Wormser Landstraße.
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