Speyer Vögel abschießen als Volkssport

Willy Schuppert vor dem Auto eines festgenommenen Wilderers. In der Hand hält er Fallen, im Kofferraum liegt offen ein Gewehr.
Willy Schuppert vor dem Auto eines festgenommenen Wilderers. In der Hand hält er Fallen, im Kofferraum liegt offen ein Gewehr.

Im Libanon werden Schwalben zum Spaß geschossen; in Italien ist eine Singvogel-Mafia aktiv, die Speiselokale versorgt; auf Malta müssen Vogelschützer um ihre Gesundheit fürchten – und in Deutschland? „Deutschland ist leider keinen Deut besser“, sagt der Tierschützer Willy Schuppert aus Rülzheim (Kreis Germersheim) und verweist auf illegale Greifvogeljagden und Kirrverstöße in den Jagdrevieren.

Der 70-Jährige ist on seinem „Stammsitz“ Rülzheim aus in ganz Europa unterwegs, um Tiere, speziell Vögel, zu schützen. Der Verein Komitee gegen den Vogelmord organisiert die Reisen. Zusammen mit der Tierärztin Dr. Bettina Volpe sucht Schuppert für die Polizei Fallen und illegale Jagdeinrichtungen. Vor allem in EU-Ländern sei es mittlerweile möglich, dank der EU-Vogelschutzrichtlinie Erfolge zu verzeichnen, erzählt Schuppert im Gespräch mit der RHEINPFALZ. In Italien, wo Singvogeljagd Alltag war, habe man zusammen mit der Forstpolizei viel erreicht. Singvogeljagd sei kein Volkssport mehr – stattdessen hätten aber mafiöse Strukturen Einzug gehalten. „Illegale Jagdbeute wird in großen Mengen unter der Hand vermarktet“, erzählt Schuppert. Zusammen mit der Polizei wurde einer dieser Jäger erwischt, in seiner Gefriertruhe fanden sich über 1000 tafelfertige Rotkehlchen. Und im Haus jede Menge verbotenes Jagdgerät. „Ohne Polizeischutz sind solche Einsätze lebensgefährlich“, sagt der Tierschützer. Er hat schon gebrochene Knochen, blaue Augen und sogar eine Schussverletzung von seinen Einsätzen mit nach Hause gebracht. „Wir sind halt immer ganz vorne dabei, wenn es gegen die Tiermörder geht“. Er wolle dieses Leben auch gar nicht mehr ändern. „Ich mache das, solange ich kann“. Die nächsten Einsätze lassen ohnehin nicht lange auf sich warten. Während des Gesprächs in Rülzheim könnte jeden Moment der Anruf kommen, der ihn nach Norddeutschland schickt. Dort gibt es einen Verdacht der verbotenen Jagd auf Greifvögel. Damit ist er im Gespräch zurück in Deutschland und auch in der Südpfalz, wo in der Natur seiner Ansicht nach alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. In Herxheim hat Schuppert bei einer seiner Mountainbike-Touren großflächige Kirrverstöße entdeckt. Kirrverstoß heißt: jagdbares Wild – vor allem Wildschweine – wird mit zu viel und nicht erlaubtem Futter angelockt. Ein Kilogramm pro 150 Hektar sei in Rheinland-Pfalz erlaubt, sagt Schuppert. Schlacht- und Küchenabfälle, Kuchen, Marzipan, Kraftfutter seien komplett verboten – trotzdem finde er es immer wieder in den Jagdrevieren. Dass er nicht fantasiert, belegt Schuppert mit Fotos und GPS-Daten. „Jeder Verstoß ist auch den Unteren Jagdbehörden bekannt“, sagt Schuppert. Den Behörden allerdings fehle Personal, um die Reviere einigermaßen regelmäßig kontrollieren zu können. Ihn ärgert, dass die Jägerschaft – nicht nur in der Pfalz – nach solchen Vergehen immer von „schwarzen Schafen“ spreche: „Aber es gibt seit Jahren keine Besserung“. In der aktuellen Gefahr der afrikanischen Schweinepest gibt er diesen Verstößen einen großen Teil der Schuld, weil diese Fütterungen zur starken Vermehrung gerade der Wildschweine führen. Dann wird der Tierschützer doch noch etwas melancholisch. „Ich bin jetzt 70. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, dass dieses schmutzige Geschäft aufhört.“ Er wünscht sich noch mehr Öffentlichkeit für die Belange des Tier- und Naturschutzes, mehr Menschen mit Zivilcourage, die nicht wegsehen. „Das gilt besonders auch für unsere Politiker“, sagt er zum Ende des Gespräches. Kontakt Verein Komitee gegen den Vogelmord, www.komitee.de oder unter www.facebook.com/Komitee.CABS.

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