Speyer Uwe Ittensohn stellt seinen neuen Krimi „Winzerblut“ vor
Rund 250 Gäste waren in den Alten Stadtsaal gekommen zur Veranstaltung von Speyer.Lit. In dieser Reihe arbeitet die Stadt ja mit den örtlichen Buchhandlungen zusammen. Klar, dass das diesmal die Buchhandlung Osiander war, bei der Ittensohn in der Regel seine Krimis vorstellt. Und klar, das Dagmar Strubl von Osiander wieder die Moderation übernommen hatte und zwischen den Leseblöcken einen erfrischenden und erhellenden Dialog mit dem Autor führte.
Es saßen im Publikum viele Gäste, die Uwe Ittensohn bei der Abfassung des Krimis mit Rat und Tat zur Seite standen. Einer, Volker Freytag von der Rebschule Freytag in Lachen-Speyerdorf, kommt auch im Buch vor.
Zwei Dinge machten den unterhaltsamen Abend ungewöhnlich. Und die haben eng mit dem Buch und seiner Geschichte zu tun. Dass zu einem Buch, bei dem es nicht zuletzt um Wein geht, auch Wein verkostet werden kann, ist so ungewöhnlich nicht. In diesem Fall aber war es doch sehr bemerkenswert, dass mit den drei Proben des Weinguts Galler aus Kirchheim just jene pilzresistenten neuen Rebsorten vorgestellt wurden, die in dem Krimi eine wichtige Rolle spielen. Beim Rotwein „Kunigunde“ zum Ausklang soll es sich sogar um die Vorlage für einen ganz besonders exquisiten Tropfen handeln, der im Text im Detail beschrieben wird. Uwe Ittensohn las das entsprechende Kapitel dazu vor.
Sekt und Säbel
Er las auch das Eingangskapitel, bei dem gehörig Blut fließt und bei dem auf sehr eigenartige Weise ein junger Mensch ums Leben kommt. Man kann jetzt nicht wirklich sagen, dass im Alten Stadtsaal die Szene nachgespielt worden wäre. Das wäre denn doch zu krass. Aber ein bestimmtes Motiv wurde doch nachempfunden.
Ein Weinflasche mit einem Säbel öffnen zu wollen, das ist – wie das Buch lehrt – keine gute Idee und kann schlimme Folgen haben. Eine Sektflasche dagegen ist mittels dieser Waffengattung durchaus zu entkorken. Bei der Lesung belegte das die Speyerer Bürgermeisterin Annika Raps.
Ups, ich meine natürlich Bürgermeisterin Monika Kabs, die zuvor das Auditorium begrüßt hatte. Als ihr alter ego Annika Raps tauchte sie ja schon in einigen Ittensohn-Krimis auf. Diesmal allerdings ist sie nicht dabei, ebenso wenig wie Kurt Kerbel, ein tendenziell imaginäres Speyerer Original. Nebenbei: Jonas, der wortkarge Gehilfe von Kommissar Achill, kommt aber in einer zugegebenermaßen sehr kleinen Rolle wieder vor.
Mundart und mehr
Zurück zur besagten Stunteinlage: Die Bürgermeisterin öffnete die Flasche mit der schäumenden Köstlichkeit auf Anhieb und ohne Verlust an Flasche und Flüssigkeit.
Uwe Ittensohn wählt bei seinen Lesungen die vorgetragenen Kapitel immer so geschickt aus, dass zwar viel über den Charakter seines Krimis zum Ausdruck kommt, aber nie zu viel verraten wird. Da in „Winzerblut“ die Geschichte im Grunde stringent erzählt wird und Genreszene seltener als in den vier Büchern vorher sind, hatten diesmal die sechs vorgetragenen Kapitel viel mit dem Kern der Sache zu tun. Aber das hinderte den Autor nicht, in gewohnter Weise seiner Freude an der einheimischen Mundart und anderen speziellen Idiomen zu frönen.
Für den authentischen französischen Akzent einer seiner Figuren hat er sich auch fachlichen Rat eingeholt.
Natürlich ist das nächste Buch der Reihe schon in Arbeit. Bei dem Abend im Alten Stadtsaal war zu erfahren, dass die Geschichte teilweise ans Schwarze Meer führt, dass Gräfin Eva von Leiningen, die dieser Tage vor 480 Jahren starb, darin ebenso eine Rolle spielt wie die Landung eines Hubschraubers auf einer Fregatte.
Lesezeichen
Uwe Ittensohn, Winzerblut, 344 Seiten, Gmeiner-Verlag, Paperback, das Buch kostet 16 Euro, das E-Book 11,99 Euro,
ISBN 978-3-8392-0427-6.