Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Unfertiges Helmut-Kohl-Grab: Witwe kommt Aufforderung der Stadt nicht nach

2017: Massenandrang im Adenauerpark am Tag nach der Beisetzung des Altkanzlers.
2017: Massenandrang im Adenauerpark am Tag nach der Beisetzung des Altkanzlers.

Am 16. Juni jährt sich der Todestag von Altbundeskanzler Helmut Kohl zum fünften Mal. Zwei Wochen nach seinem Tod wurde Kohl in Speyer am Rand des Adenauerparks beigesetzt. Sein Grab ist bis heute nicht fertig gestaltet. Nach einer Aufforderung der Stadt an die Witwe, dies zu veranlassen, hat sich noch nichts verändert.

Der große Andrang am Grab von Helmut Kohl ist längst vorüber. Als der frühere Kanzler vor fünf Jahren, am 16. Juni 2017, im Alter von 87 Jahren starb, pilgerten anfangs noch Menschenmassen in den Adenauerpark. Dort befindet sich am Rand, zur St.-Bernhard-Kirche hin, sein von einer Videokamera überwachtes Grab. Ein schlichtes, von Sträuchern umwachsenes Holzkreuz erinnert an den Kanzler der Einheit, links daneben steht ein Vogelhäuschen. Ein Grabstein fehlt noch.

Die beiden Kohl-Söhne Walter und Peter haben der Witwe Maike Kohl-Richter als Nachlassverwalterin schon vorgeworfen, die bescheidene Grabstätte sei „unwürdig“ für den ehemaligen Kanzler, CDU-Vorsitzenden und europäischen Staatsmann. Es sei eine „Schande“, dass das Grab auch nach fast fünf Jahren „einem lieblosen Provisorium“ gleiche, sagte Walter Kohl im vergangenen März der „Bild am Sonntag“. Bei der Wahl des Ortes und bei der Gestaltung des Grabes sei er nicht eingebunden gewesen, kritisiert der Kohl-Sohn, der eine Umbettung seines Vaters ins Familiengrab nach Ludwigshafen-Friesenheim ins Gespräch gebracht hat. Das Verhältnis der beiden Söhne Kohls zu dessen zweiter Ehefrau gilt als zerrüttet.

2018: Zwischenstadium mit Holzplatte.
2018: Zwischenstadium mit Holzplatte.

Keine Ergebnisse

Zuletzt bat die Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer, Stefanie Seiler (SPD), die Kohl-Witwe schriftlich, das Grab nun zeitnah „final“ herzustellen. Diese hatte sich 2017 dazu verpflichtet, ihre Pläne jeweils mit dem Domkapitel und mit der Stadt Speyer abzustimmen. Fünf Jahre nach der Beisetzung Kohls sei es aus Sicht der Stadt an der Zeit für eine endgültige Gestaltung des Grabes, sagte eine Sprecherin der Verwaltung. Dies schließe auch einen Rückbau der Umzäunung und der Videobewachung ein. Die Maßnahmen seien einst von Maike Kohl-Richter gewünscht worden, um Vandalismus am Grab zu verhindern. Vorfälle habe es aber nicht gegeben. Nach einem ersten Gespräch mit der Kohl-Witwe gebe es bisher „keine Ergebnisse“, so die Stadtsprecherin. „Es wird weitere Gespräche in dieser Angelegenheit geben.“

Maike Kohl-Richter hat auf eine RHEINPFALZ-Anfrage zur Grabgestaltung nicht geantwortet. Sie habe „alles gesagt, was jedenfalls aus ihrer Sicht zum Grab ihres Mannes öffentlich zu sagen ist“, teilte ihr Freiburger Rechtsanwalt Stefan Wieser mit. Sie hatte sich überrascht über den Vorstoß der Kommune gezeigt und erklärt, mit der Gestaltung des Grabes den letzten Willen ihres Mannes vollzogen zu haben.

2022: mit Sandstein-Einfassung und begrünt.
2022: mit Sandstein-Einfassung und begrünt.

Entwurf steht aus

Dennoch kursieren in der Öffentlichkeit seit Jahren Gerüchte, dass der Katholik Kohl gerne an der Seite der Kaiser, Könige und Bischöfe in der Speyerer Dom-Krypta bestattet worden wäre. Das Bistum Speyer habe seinerzeit einen entsprechenden Kanzlerwunsch zurückgewiesen, versichert ein Mitglied des Dombauvereins. Dies gelte auch für die Alternative, eine Grabstelle direkt auf dem Friedhof des Domkapitels neben dem Adenauerpark.

Ein finaler Gestaltungsentwurf für das mit weißem Sandstein eingefasste Kohl-Grab sei bisher nicht vorgelegt worden, bestätigt das Bistum Speyer, das sich zur Sache nicht weiter äußern will. Auch die CDU Deutschland will sich nicht an der Debatte zum Grab beteiligen. Dies sei „eine rein private Angelegenheit“, sagte ein Sprecher in Berlin. Von Roman Nitsch, Geschäftsführer der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, deren Kuratorium Kohl geleitet hatte, kommt folgende Einschätzung: Die Lage des Grabes bei der Friedenskirche St. Bernhard und in einem Park, der nach dem ersten Bundeskanzler Adenauer benannt ist, erscheine der Stiftung für den Ehrenbürger Europas „nicht unangemessen“. Im April hatte die Stiftung eine Bronzebüste zu Ehren Kohls neben dem Dom enthüllt.

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