Speyer Unerwünschte Fressgäste
Es sieht schön aus, wenn Wildgänse über den Himmel ziehen. Am Boden kann es aber unschön werden, wenn sich die Vögel zum Beispiel über ein Salatfeld hermachen. Da können die Gänse großen Schaden anrichten. Die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises will schnelle Reaktionen ermöglichen und damit den Landwirten helfen.
Anfangs freute man sich noch über Graugänse, dann kamen Kanadagänse und Nilgänse dazu, und es wurden immer mehr. „Seit etwa zehn Jahren wachsen die Populationen“, erzählt Kreisjagdmeister Bernhard Sona aus Harthausen. Die Gänse kommen aus dem Norden, aus Skandinavien und von noch weiter oben. Sie überwintern bei uns. In der Vorderpfalz gefällt es ihnen gut, denn hier finden sie einen gedeckten Tisch. Die Gänse fressen am liebsten Grünzeug, von dem es im „Gemüsegarten Rhein-Pfalz“ reichlich gibt. Und weil Gänse recht gesellig sind, fallen schon mal 60, 70 oder mehr Vögel über einen Acker voller Salat her und schlagen sich den Bauch voll. Damit nicht genug: Offenbar funktioniert die Verdauung der Tiere zügig, denn noch an Ort und Stelle verteilen sie großzügig ihre Ausscheidungen. So geschehen kürzlich auf einem Acker in der Gemarkung Dannstadt-Schauernheim. Der Schaden war beträchtlich, denn hier schlägt nicht nur der abgefressene Salat zu Buche: Die übrigen Salatköpfe waren stark verunreinigt und mit Kolibakterien belastet. Die Ware wurde unverkäuflich. Laut Sona ist dem betroffenen Landwirt ein Schaden von rund 40.000 Euro entstanden. Wie kann man nun verhindern, dass die gefiederten Fressgäste auf dem Acker Unheil anrichten? Zunächst wurde versucht, die Vögel mit Lärm zu vertreiben. Ähnlich wie man Stare aus Weinbergen verscheucht, sollten die Gänse mit Böller und Blitz aus der Schreckschusspistole verjagt werden. „Das klappt ein paar Mal, dann merken sie, dass ihnen nichts passiert“, erklärt Sona. Sie flögen kurz auf und setzten sich nicht weit entfernt in den nächsten Acker. Man brauche also rabiatere Methoden. Die Jäger nennen das „Vergrämungsjagd“. Es bedeutet, dass einzelne Tiere aus dem Schwarm geschossen werden. „Gänse sind sehr soziale Tiere. Wenn sie sehen, dass aus ihrer Mitte Vögel tot zu Boden stürzen, verlassen sie die Gegend“, sagt der Kreisjagdmeister. Geschossen werden sollen nur unverpaarte Junggesellen. Ein Problem ist dabei allerdings, dass in der Zeit, in der die Gänse hier schlemmen, keine Jagdsaison ist. Die Jagdberechtigten brauchen dafür also Sondergenehmigungen von der unteren Jagdbehörde. Die sind auch ohne Probleme zu bekommen – aber nur während der Dienstzeiten der Kreisverwaltung. Die Gänse können jedoch auch an Sonn- und Feiertagen durcharbeiten, sprich: futtern. An solchen Tagen standen die Grünröcke bisher gleichsam mit behördlicher Ladehemmung hilflos daneben. Wie es sich für eine Behörde gehört, wurde deshalb ein Arbeitskreis gegründet. Kreis-Pressesprecher Stefan Kopf informierte über den „Runden Tisch Wildgänse“. An dem sitzen Vertreter der Landwirtschaft, der Jäger, der Kreisverwaltung und Vertreter von Naturschutzverbänden. Sie einigten sich darauf, den Kreisjagdmeister und seinen Stellvertreter mit der Vollmacht zu versehen, fernmündlich Sondergenehmigungen zu erteilen. Beide können nun auf telefonische Anfrage und Darstellung der Lage die Genehmigung aussprechen. Der schriftliche Bescheid soll am nächsten Werktag nachfolgen. Gänse, die freitags nach 13 Uhr das bleifreie Fresswochenende eingeläutet haben, werden also künftig mit bewaffnetem Widerstand rechnen müssen.