Speyer
Uneinigkeit über Reithallen-Pläne
„Speyer together“ und „Mitten im Leben“. Das sind die wohlklingenden Namen zweier Konzepte, die Investorengruppen im September im Bauausschuss präsentieren durften. Geplant war, in der Ratssitzung einem davon den Zuschlag zu erteilen. Die Investorenfamilien Schmidt und Weber, die von Fußballweltmeister Erik Durm unterstützt werden, planen im Erdgeschoss eine „multifunktionale Begegnungsstätte“ und in den zwei Obergeschossen Büros zum Mieten. Die Firmen Pada und Adessa wollen ein Begegnungscafé, eine Intensiv-WG und ein Weiterbildungszentrum ansiedeln. Sie bieten 730.000 Euro, 30.000 Euro mehr als die anderen. Für beide fielen darüber hinaus Umbaukosten an.
Nach Einschätzung der Stadtverwaltung handelt es sich um einen Punkt „mit viel Rede- und Diskussionsbedarf“, betont Sprecherin Lisa Eschenbach. Beide Investoren sollten im Rat präsentieren dürfen. Das gehe nun aber wegen der Corona-Auflagen nicht. Der Punkt werde erneut angesetzt, sobald dies in einer Sitzung mit kleinerer Tagesordnung möglich sei. Für die Investoren ist das kein Problem: „Verkraftbar“, so Michael Weber („Speyer together“). „Wir haben genug zu tun“, so Stefan Johann (Pada/„Mitten im Leben“). Beide haben schon mit Ratsfraktionen gesprochen, wissen aber, dass es noch Rückfragen gibt und wollen diese nun bei Bedarf beantworten.
Murren im Hintergrund
Schon bei der Vorstellung der Konzepte hatte Johann beklagt, dass Rivale Weber mit Dachflächenfenstern plane, er selbst diese aber vor Jahren als Interessent für Wohnbebauung in der Reithalle nicht genehmigt bekommen habe. Murren hatte es auch gegeben, weil die Stadt zwei weitere Angebote auf ihre Konzeptausschreibung hin gleich aussortiert hatte. Nach RHEINPFALZ-Informationen gibt es nun weitere Interessenten. Einer soll sich im Rathaus gemeldet haben. Andere bringen die Halle als Standort für ein Gesundheitsamt in Speyer ins Gespräch, das die Stadt gerne wieder hätte.
Gegenüber der Ausschusssitzung hatte die Stadt für den Rat Nachbesserungen von Anbieter Weber verlangt: Er müsse eine bauliche Lösung finden, die den „Hallencharakter“ erlebbar macht, etwa die Öffnung des Treppenhauses. „Das wäre kein Problem“, sagt er auf Anfrage. Dachflächenfenster will er so wenige wie möglich vorsehen. Laut Stadt sind diese zulässig – was Johann bis heute nicht überzeugt: „Uns hat damals der Denkmalschutz des Landes beschieden, das gehe gar nicht.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Die Immobilie, die zu besonders ist
Bei der Reithalle ist die Lage so verfahren, dass nicht mal die städtische „Wunderwaffe“ trifft.
Er ist keine einfache Immobilie, der 50 Meter lange und 20 Meter breite Beton- und Glas-Klotz auf dem früheren Kasernengelände. Er ist so besonders, dass er denkmalgeschützt ist. Und er ist so besonders, dass er seit Jahren nicht verkauft oder vermietet werden kann. Die kurzzeitige Idee, ihn für eine Kita umzubauen, verwarf die Stadt selbst – zu teuer. Von 2012 bis 2016 plante dann Investor Stefan Johann Wohnnutzung, bis er wegen Denkmalschutz-Auflagen kapitulierte – zu teuer.
Zuletzt griff die Stadt zu ihrer „Wunderwaffe“ der Konzeptausschreibung: Wer für die Halle ein soziales Konzept umsetze, erhalte sie vergünstigt. Beim „Berzelhof“ hat das funktioniert, bei der Reithalle läuft es weniger gut. Da war der nicht ganz präzise Ausschreibungstext, da war der Versuch der Verwaltung, in nichtöffentlicher Sitzung zu beraten, da war das Aussortieren zweier Bewerber, ohne dass diese präsentieren durften. Zudem haben die zugelassenen Angebote Schwächen. Ein Verkauf im Einvernehmen ist derzeit nicht absehbar.