Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz „Verkehrswende“: Immer mehr Autos in Speyer

Autoproduktion: Neuwagen von VW, Audi und Cupra in Sachsen.
Autoproduktion: Neuwagen von VW, Audi und Cupra in Sachsen.

Mobilität wandelt sich. Alternativen zum Auto werden stärker. Und doch steigt die Pkw-Anzahl weiter – auch in Speyer. Ein Blick in die Statistik und eine Suche nach Ursachen.

Ein einziges Jahr gab es zwischen 2015 und 2025, in dem die Anzahl der in Speyer zugelassenen Personenkraftwagen nicht gestiegen ist: Am 1. Januar 2023 standen 134 Fahrzeuge weniger als zwölf Monate zuvor in der Speyer-Statistik des Kraftfahrtbundesamtes, über die das Statistische Landesamt auf Anfrage informiert. Ansonsten ging es stetig nach oben. Waren es zu Beginn des Jahres 2015 noch 27.697 Pkw, hatte der Wert Anfang 2025 erstmals die 30.000er-Marke übersprungen (30.271).

Die Anzahl der Diesel ist seit 2017 rückläufig. Bei den Benzinern gab es den Höchstwert 2021 und seither leichte Rückgänge – wenn auch nicht in jedem Jahr. An Boden gewinnen alternative Antriebe. Die verschiedenen Kategorien der E-Mobilität machten 2025 erstmals etwas mehr als 10 Prozent des Bestandes aus. Besonders stark waren die Zunahmen bei Hybridfahrzeugen (auf 1924), aber auch für Plug-In-Hybride (472) und reine Elektroautos (888) geht die Tendenz nach oben.

Mehr als in anderen Städten

Bei der Pkw-Quote pro 10.000 Einwohner liegt Speyer als Stadt trotz vergleichsweise kurzen Wegen, ausgebautem Busverkehr und guten Radfahrmöglichkeiten im vorderen Mittelfeld der kreisfreien Städte der Pfalz. 6107 Fahrzeuge pro 10.000 Einwohner waren Anfang 2025 verzeichnet – weniger als etwa in Zweibrücken (6512) und Neustadt (6401), aber mehr als in Landau (5914), Pirmasens (5871), Frankenthal (5684), Kaiserslautern (5024) oder Ludwigshafen (4819). Fast durchweg höher liegen die Landkreise, so auch der Rhein-Pfalz-Kreis (6623) und der Kreis Germersheim (6538).

Die Statistik weist Summen aus, hinter denen ganz verschiedene Ursachen stecken. Sie ist aber natürlich auch Gegenstand politischer Bewertungen. In Speyer ist etwa Irmgard Münch-Weinmann 2020 als grüne Verkehrsdezernentin auch angetreten, um sich für eine möglichst klimafreundliche Mobilität einzusetzen. Ihr wäre „ein kontinuierlicher Rückgang der jährlichen Zulassungszahlen wesentlich willkommener, denn damit ließe sich sicherlich bundesweit erheblich CO2 einsparen“, sagt sie dazu auf Anfrage.

Sie wisse aber, dass zur Lebenswirklichkeit der Wunsch der Generationen nach freier und unbeschränkter Mobilität gehöre. „Leider komme ich zu der Überzeugung, dass dieser Trend wohl auch in den nächsten Jahren nur schwer umkehrbar ist“, so Münch-Weinmann. Das habe auch mit der Bundespolitik zu tun. In der Perspektive müsse es gelingen, Bürger von einem umweltfreundlichen Verkehrsverbund zu überzeugen. Eine gute Idee wäre aus ihrer Sicht ein kostengünstiger oder gar kostenfreier ÖPNV. Münch-Weinmann nennt das Deutschland-Ticket als Schritt in die richtige Richtung. In Speyer könnte dies auch der schon länger geplante, aber nie umgesetzte Bahnhaltepunkt Süd sein. Zur Wahrheit gehöre außerdem, dass auch der Fahrradverkehr zugenommen habe. „Das ist eine gute Entwicklung“, so die Politikerin.

Lob auf die Branche

Mit großem Interesse hat auch Christian Schick die von der RHEINPFALZ zur Verfügung gestellten Zahlen analysiert. Der Geschäftsmann leitet das Autohaus Cuntz in der Landwehrstraße, das in den vergangenen Jahren nie über schlechten Absatz geklagt hätte. Im Gegenteil: Es ist mit weiteren Standorten in Neustadt, Worms und Weinheim gewachsen. „Grundsätzlich ist der Trend zur individuellen Mobilität ungebrochen. Das Automobil bedeutet Freiheit, Flexibilität und Unabhängigkeit“, so Schicks Feststellung. Viele Kunden schätzten die Vorzüge gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln.

Deutschland bleibe ein starker, innovativer Auto-Standort und dürfe sich dabei auch nicht selbst schlechtreden, sagt Schick. Gleichwohl gebe es solche Tendenzen: „Das Automobil ist seit Jahrzehnten der Sündenbock für alles Mögliche in diesem Land.“ Es handle sich aber weiterhin um die wichtigste Industriebranche mit Auswirkungen auf viele Bereiche. Die gestiegenen Zulassungszahlen in Speyer könnten deshalb auch als Anzeichen für einen gesunden Wirtschaftsstandort gewertet werden. Neben starker privater Nachfrage erkenne er nämlich auch einen Trend zum Dienstwagen: „Es ist für Mitarbeiter und Gewerbetreibende oft attraktiv, einen Geschäftswagen anzubieten und zu nutzen.“

Gerne mit dem Fahrrad unterwegs: Irmgard Münch-Weinmann.
Gerne mit dem Fahrrad unterwegs: Irmgard Münch-Weinmann.
Autohaus-Inhaber: Christian Schick und Schwester Simone Würfel.
Autohaus-Inhaber: Christian Schick und Schwester Simone Würfel.
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