Speyer Traurigkeit mit und ohne Verstärker

Die Akustik-Gitarrennacht des Kulturvereins mit den drei Blues-Künstlern Ignaz Netzer, Timo Gross und Matthias „Biber“ Herrmann am Freitagabend im Bürgerhaus in Dudenhofen war restlos ausverkauft. Zusätzlich zu den vorhandenen 120 Plätzen wurden weitere Stühle aufgestellt und auch Tische als Sitzplätze genutzt. Geboten wurde eine Auswahl aus den Klassikern des Blues als auch Eigenproduktionen.
Der 61-jährige Ignaz Netzer trat als erster mit seiner akustischen Gitarre auf die Bühne, und mit dem Thema des „Morning Blues“, also der Trauer, die ihn morgens bereits befällt, eröffnete er den Abend. Das Wort Blues kommt von dem englischen Ausspruch „I’ve got the blues“ oder „I feel blue“, was bildhaft gemeint ist und die Farbe Blau mit dem Gefühl der Traurigkeit verknüpft. Diese Traurigkeit betraf zur Entstehungszeit des Blues vor allem dunkelhäutige Sklaven in den USA. An dieser Tradition orientierte sich der Württemberger, denn er bekommt den Blues, wenn es regnet. So sang bereits Jim Reeves in seinem Song „I get the blues when it rains“. Mit der Liebesballade „Corina“ wiederum, die im Original von der Blues-Größe Muddy Waters gesungen wurde, wurde die schwermütige Stimmung zumindest teilweise gebrochen, und als in dem Lied von Norman Hutchins „Jesus is on the mainline“ – zu Deutsch: Jesus ist in der Leitung – die Frage „Are you having Luschd?“ aufkam, gab es im Bürgerhaus kein Halten mehr. Mit dem Titelsong seines ersten Albums „Down to the delta“ eröffnete Timo Gross seinen Auftritt. Der 53-Jährige Pfälzer brach das Akustik-Motto durch den Einsatz seiner E-Gitarre, mit der er eher rockigere Töne anspielte. Dabei verlor er aber keinesfalls die typischen Blues-Themen aus den Augen; „Bound to the shadows“ ist ein melancholisches Lied aus seinem 2014 veröffentlichten Album „It’s all about love“. Dass er aber auch ohne Verstärker und Mikrofon auftreten kann, zeigte er mit einer rein akustischen Version des selbst geschriebenen Songs „Here comes the blues“. Zuletzt trat Matthias „Biber“ Herrmann aus dem Rheingau vor das Publikum und verkündete: „Wer es in Dudenhofen schafft, der schafft es überall!“ Herrmann erklärte dem Publikum, wie er den Klang einer ganzen Band alleine macht und verwob dabei seine Musik in spannende Erzählungen: Der Titel „Sweet none“ handelte von einer wahren Begegnung, die Herrmann mit ein bisschen Fantasie zu einem alternativen Ende bringt. Apokalyptisch und gleichzeitig poetisch klang sein Klimawandel-Blues. Die schwermütige Stimmung des Blues gipfelte in einem Song der drei Künstler, die Sonny Terrys und Brownie McGhees „Walk on“ sangen.