Speyer „Tolle Wärme lohnt die Mühe“

91-94771670.jpg

Früher Samstagmorgen. Auf dem Weg zur Harthausener Brennholz-Versteigerung in dem kleinen Waldstück hinter dem Sportplatz erklingt ein vielstimmiges Vogelkonzert. Zwischen Hoffmannsruhe und Grillhütte tummeln sich Leute – weniger als in früheren Jahren. Und es sind weit und breit keine Holzstapel in Sicht.

Die Erklärung liefert der Ortsbeigeordnete Günter Gleixner (CDU). Nach einem Jahr Pause präsentieren Ortsgemeinde und Forstamt Pfälzer Rheinauen „eine abgewandelte Version des Althergebrachten“, sagt er. Statt Ster, zum Kubikmeter zurechtgemacht und aufgesetzt, versteigert Förster Jürgen Render daher Polterholz. Das ist sechs bis acht Meter lang und liegt irgendwo im Wald an der Stelle, an der es geschlagen wurde. Es darf nur von Interessenten mit Motorsägen-Schein und Schutzkleidung im Schrank erworben werden. Vor dem Abtransport im Anhänger, möglichst bis Ende April, muss das Laubholz an seiner Lagerstätte erst mal gestückelt werden. Renders Appell an die Holzkäufer: „Arbeiten Sie im Wald nie alleine! Verletzen Sie sich, bleibt Ihnen keine Zeit, das Handy aus der Schaffhose zu kramen.“ Den neuen Modus begründet er: „Meterholz konnte nicht mehr kostendeckend angeboten werden. 2015 für 58 Euro war bereits unter dem Aufwands- und Arbeitspreis.“ Zudem sei der Kundenkreis zuletzt immer kleiner geworden. „Etwas Bauchweh“ bereitete Render der Gedanke, dass sich der Termin mit dem Sortiment-Wechsel in Rauch auflösen könnte. Denn: „Die Brennholzversteigerung ist ein Alleinstellungsmerkmal von Harthausen, eine schöne Tradition, der wir gerne eine Zukunft geben wollen.“ Seine Sorge erweist sich am Ende jedoch als unbegründet, bei jedem Aufruf recken sich reichlich Bieter-Hände in die Höhe. Die Blaskapelle Dudenhofen spielt, der Kultur- und Heimatverein schenkt Glühwein aus, siedet Würstchen. Render erklärt die Regeln, schwingt den historischen Waldhammer des Forstreviers Dudenhofen des Forstamtes Speyer, Siegel SP 1, ansonsten verwahrt in der Asservatenkammer, und blättert in der Königlich Bayerischen Versteigerungsordnung der Pfalz von 1878. Aus dieser zitiert er Paragraf 1: „Notorisch zahlungsunfähige Personen sind von Holzversteigerungen ausgeschlossen.“ Lachen. Weiter: Jeder Steigerer hat einen in der Pfalz wohnenden Bürgen zu stellen. Es gilt: gekauft wie gesehen. Angegebene Menge, Qualität, und Brennwert sind nur Richtwerte. Kohlenmeiler dürfen nur an ausgewiesenen Stellen entzündet werden. Polter 933, etwa 4,9 Ster, 40 Prozent Linde – hat einen geringeren Heizwert, was den Preis mindert – der Rest ist Buche und Hainbuche, Aufwurfpreis 150 Euro. Die Versteigerung erfolgt in Fünf-Euro-Geboten, den Zuschlag gibt’s letztlich für 190 Euro. Polter 938, 4,4 Ster, Eiche, Buche, Hainbuche, Gebot 155 Euro, verkauft für 220 Euro. Otto Ludwig ist aus Freisbach gekommen, hat sich das im Wald deponierte Polterholz angeschaut, bietet zum erste Mal mit. Es selbst zu sägen und zu transportieren sei billiger, sagt er. Pro Jahr heize er mit vier, fünf Ster. Derzeit entspreche der Holzpreis ziemlich genau dem von Öl und Gas: „Ist aber eine ganz andere Wärme.“ Birke, Hainbuche und Eiche – Aufwurfpreis 175 Euro – bringt Render für 240 Euro an den Mann, 3,2 Ster Eiche und Hainbuche (110 Euro) für 170 Euro, Hainbuche und Roteiche (140 Euro) ersteigert jemand für 180 Euro, 2,7 Ster, 90 Prozent Linde (70 Euro) wechseln für 115 Euro den Besitzer. Linde preist der Förster als „ideales Schnitzholz“ an. Gustav Heidenreich aus Römerberg kauft fünf Ster. Er rechnet nach: „Macht pro Ster etwa 48 Euro. Vor zwei Jahren habe ich 58 bezahlt. Allerdings gesägt und gespaltet.“ Allein wegen der tollen Wärme lohne sich die Mühe.

x