Speyer
Tierschützer protestieren gegen Hubertusmesse im Speyerer Dom
Die Hubertusmesse zu Ehren des Schutzpatrons der Jäger spaltet die Gemüter. Das ist am Samstag vor dem Dom deutlich geworden. Auf der einen Seite standen 1500 Jagd-Befürworter, auf der anderen rund 30 Gegner. Andreas Walter, Dienstgruppenleiter der Speyerer Polizeiinspektion, berichtete von friedlichem Verlauf.
Zwei Unterstützerinnen der Stuttgarter Tierschutzorganisation „Peta“ beginnen, sich zu entkleiden. In hautfarbener Unterwäsche legen sie sich gegenüber dem Domplatz auf ausgebreitete Tannenzweige auf den Boden. Symbolisch soll auf von Jägern getötete Tiere aufmerksam gemacht werden, erklärt Peta-Sprecherin Nadja Michler auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Ein als Priester verkleideter Peta-Mann benetzt die Frauen mit Bluttropfen. Demonstranten gruppieren sich um das Transparent „Kein Segen für Tiermord“. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie „Du sollst nicht töten“ oder „Jagd ist Mord“. „Mit der Aktion fordern wir die Kirche auf, Hubertusmessen aufzugeben“, erklärt Michler. Vier Jahre waren sie wegen ähnlicher Protestaktionen schon ausgesetzt. Seit 2014 feiern Jäger die Messe wieder in Speyer.
Auch Edeltraud Glock aus Dudenhofen steht auf der Seite der Tierschützer. „Traurig, wie wenig Solidarität es für das Tierwohl in Speyer gibt“, sagt sie mit Blick auf die kleine Aktionsgruppe.
Demo stört die Jäger nicht
„Das ist Meinungsfreiheit“, kommentiert Andreas Tomek von der Kreisjägerschaft Ludwigshafen, mit Josef Szelig Organisator der Hubertusmesse, den Peta-Protest auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Er trägt ein Pappschild mit der Aufschrift „Esst mehr Wild“ auf den Domplatz. „Zur Anregung, regionales statt internationales Wild zu kaufen“, sagt er.
Hinter ihm beginnt das musikalische Vorspiel zur Hubertusmesse im Dom mit dem Großen Hörnerklang, an dem sich 13 Jagdhornbläsergruppen aus drei Bundesländern beteiligen. Dabei ist auch Hubertus Hollschuh von der Gruppe Grünstadt. „Die Demo stört uns nicht“, betont der Jäger und Bläser. „Ohne Jagen geht es nicht. Sonst werden die Schäden immer größer.“ Falkner Manfred Uhl vom Verband Deutscher Falkner wartet mit Habicht „Timmi“ auf den Beginn der Messe. „Heute hat unser Wild keine natürlichen Feinde mehr, ihr Lebensraum wird mit der Ausdehnung der Städte und Dörfer immer kleiner“, verteidigt der Falkner die Bedeutung der Jagd. Greifvogeljagd sei die älteste Fleischbeschaffung auf der Welt, informiert er. „Die gab es schon vor Pfeil und Bogen.“
Michael Libuda, Speyerer Mitglied im Deutschen Jagdverband, will auf die Tradition der Messe nicht verzichten. Er ist mit Ehefrau Katja und Hündin Hetty da. „Für Jäger haben Tiere hohen Stellenwert. Nachdem sie erlegt sind, werden sie geehrt und verblasen“, berichtet er von würdigem Abschied mit Musik. Die Dudenhofener Jagdhorngruppe spielt den Zapfenstreich. Tomek begleitet die Jäger zur Messe in den Dom. Tierschützer rollen Plakate ein. Die Jagdsaison wird eingeläutet.