Speyer Tierchen mit zwei Köpfen und Flügelpaaren
Neulich ist Nils im Speyerer Auwald gewesen. Er hat ein paar Äste für seine Biberburg gesucht. In einer Verschnaufpause sind ihm ganz große Mücken aufgefallen. Schon auf den ersten Blick erkannte er zwei Köpfe. Als Nils genau hinschaute, sah er auch zwei Flügelpaare und zwölf Beine. Er wunderte sich, was das wohl für seltsame Mücken sind.
Der Biber fragte den Insektenfachmann Erich Bettag aus Dudenhofen um Rat. „Du hast sicher Wiesenschnaken gesehen. Von denen gibt es jetzt viele. Auch bei mir daheim im Garten fliegen sie herum. Die zwei Köpfe und zwei Flügelpaare kommen daher, weil sich ein Weibchen und ein Männchen paaren. Das heißt, sie sorgen für Nachwuchs“, weiß der Naturforscher. Als Nils hörte, dass die Mücken, die er gesehen hatte, Schnaken sind, erschrak er: „Die können doch stechen – nicht nur Menschen, auch uns Biber.“ Aber Bettag beruhigte ihn: „Keine Sorge, Schnaken haben keinen Rüssel, mit dem sie stechen und Blut saugen können. Die fliegenden Angehörigen dieser Insektenfamilie ernähren sich nur von Wasser und Nektar. Als Larven, die wie Würmchen aussehen, fressen sie an Pflanzenwurzeln.“ Der Biber hat jetzt keine Angst mehr, gepikst zu werden. „Aber warum nennen dann die Menschen die Mücken, von denen sie gestochen werden, Schnaken“, fragte er den Insektenkundler. „Woher das kommt, weiß auch ich nicht. Der richtige Name für die Blutsauger ist aber Stechmücken. Sie bilden mit ihren vielen Hundert Arten eine eigene Familie innerhalb der Unterordnung der Mücken, wie es in der Wissenschaft heißt“, erklärte ihm Bettag. „Du wirst auch bemerkt haben, dass es jetzt nur noch wenige Stechmücken gibt“, sagte der Naturforscher zu Nils. „Ja, ich bin seit ein paar Tagen kaum noch gestochen worden“, bestätigte ihm der Biber. „Das liegt daran, dass die Stechmücken, anders als die Schnaken, bereits im Sommer für Nachwuchs gesorgt haben. Ihre Eier haben sie schon lange abgelegt am Rand von Flüssen, Bächen, Seen und Tümpeln. Erst im Frühjahr schlüpfen daraus wieder Stechmücken“, weiß Bettag. „Interessant ist auch, dass derzeit viele kleine Mücken in Schwärmen auftreten und Tänze aufzuführen scheinen. Die Arten dieser Familie heißen Tanzmücken“, sagte er. „Es sind vor allem Männchen, die mit ihren Tänzen auf Weibchen, die zunächst in Sträuchern und Büschen sitzen, Eindruck machen wollen. Die Weibchen fliegen dann irgendwann auf und suchen sich ein Männchen zur Paarung aus“, erklärte Bettag. „Ein anderer Name für diese Familie ist Zuckmücken. Das kommt daher, dass solche Mücken, auch wenn sie sitzen, immer zuckende Bewegungen mit ihren Vorderbeinen machen. Stechen und Blutsaugen können sie übrigens genauso wenig wie die Schnaken“, weiß der Dudenhofener. „Ich werde mal sehen, ob ich bei meinem nächsten Streifzug durch den Auwald welche entdecke“, sagte Nils. |tbg