Bogenschießen
TG Waldsee richtet erstes Turnier aus
Seit den 1970er-Jahren ist Bogenschießen wieder olympisch. In diesen Regionen bewegen sich die Aktiven der Abteilung der TG Waldsee nicht. Das Höchste können sie dennoch in der nächsten Saison erreichen. Bei einer Premiere am Wochenende haben sie ihre Meriten schon verdient. Konzentration liegt in der Luft in der Rheinauenhalle am Sonntagmittag.
Die letzten Stunden des Turniers laufen, dem ersten von der TG ausgerichteten. Lang ist es her, seit zum letzten Mal ein so genannter rekordberechtigter Wettbewerb in der Region stieg. In Landau war das, 2018/19, erinnert sich Bogenschützen-Sprecher Christian Breust. Zufrieden blickt er auf den Verlauf des Erstversuchs in Waldsee.
Jedes Alter
Von 160 Startplätzen gingen 103 weg. Aus der Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland reisen Sportler an. Die Altersspanne reicht von den Schülern B, Jahrgänge 2010/11, bis zu den Senioren, von denen der älteste Wettbewerber 75 Jahre zählt. Daraus spricht die Besonderheit des Bogenschießens.
„Der Sport kann in jedem Alter und bis ins hohe Alter ausgeübt werden“, sagt Breust. Selbst Kriegsversehrte hätten eigene Wettkämpfe. „Sie schießen richtig gut“, bewundert Breust die Leistungen. Der Physiotherapeut hat Ahnung: Er weiß um die gesundheitsfördernde Wirkung des Bogenschießens: aufrechte Haltung, Kräftigung des Schulter-Nacken-Bereiches und – ganz wichtig – mentale Stärkung.
Die Goldangst
„Gerade die ist hoch angesiedelt beim Training“, betont Breust. Der Kopf muss stimmen. Dann klappt’s mit dem Schuss. Wie wichtig es ist, den Geist zu fördern, zeigt er an einem Beispiel auf, das für Laien zunächst seltsam klingt. „Es gibt auch Krankheiten wie die Goldangst“, merkt Breust an – kein Scherz.
Das bezeichnet die Hemmung eines Schützen, den Zug zu lösen und den Pfeil mittig ins Gold zu platzieren. Vor allem erfahrene Schützen trifft dieses durch das Gehirn ausgelöste Problem. Entsprechendes Training, so Breust, soll die Blockade lösen.
Aufstiegshoffnung
Die eigenen Bogenschützen erreichen im Idealfall den Zenit des Leistbaren in der Winter- und Sommersaison. „Wenn’s gut läuft, steigen wir von der Regionalliga in die Zweite Bundesliga auf. Mit der ersten Pfalzliga-Mannschaft hoffen wir auf die Oberliga“, sagt er. Der Nachwuchs steht ebenfalls bereit bei der TG.
„Wir haben mit null angefangen. Mittlerweile trainieren über 20 Jugendliche“, erzählt Breust. Der Bogen an sich sei für die Jungen gleich. Nur der Zug sei leichter. Beim Hallenturnier am Wochenende wirken die jungen Schützen als Motivator. Ihr Spaß am Sport überträgt sich auf die Zuschauenden. Auch die Treffsicherheit der älteren beeindruckt und weckt Begeisterung für das Bogenschießen.
Die wird zum Finale des Turniers noch gesteigert: Andrea Flöck-Schmitt, amtierende deutsche Meisterin im 3D-Schießen, demonstriert ihre Fertigkeiten. Die Herzen der Schützen – ob mit Compound, Olympic Recurve oder Blankbogen – schlagen noch mal höher. Die Goldangst bekommt an diesem Wochenende keine Chance.