SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Teststellen-Flut sorgt für freie Kapazitäten

Beim Naturfreundehaus: Tests durch das geöffnete Autofenster.
Beim Naturfreundehaus: Tests durch das geöffnete Autofenster.

Überall in Speyer sind in den vergangenen Wochen Corona-Schnellteststationen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Auch die Anzahl der Tests steigt. Die Genehmigungen für den Betrieb der Zentren erteilt ein Landesamt in Mainz, mit dessen großzügiger Vorgehensweise nicht alle glücklich sind.

In Speyer muss keiner allzu weit gehen oder fahren, um einen Test auf das Coronavirus zu erhalten. Beachten muss er dabei allerdings auch, dass die Teststellen teilweise kurzfristig geöffnet werden und auch wieder schließen. Gerade in den vergangenen Tagen gab es wieder Bewegung: Seit dem 27. Dezember ist die Standort-Anzahl laut Stadtverwaltung von 41 auf 47 gestiegen. Sie nähert sich damit wieder dem Rekord von Mitte 2021, als zeitweise die 50er-Marke knapp übertroffen war. Auch die Anzahl der Tests steigt – alleine bei den neun mit der Stadt kooperierenden Stellen von 6205 in der letzten Woche des alten Jahres über 6637 zwischen 2. und 8. Januar auf 7237 in der vorigen Woche.

Genehmigt und kontrolliert werden die Corona-Teststationen nicht von städtischen Behörden, sondern vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz. Die Stadt Speyer ist in das Verfahren nicht eingebunden. Sie versucht, auf ihrer Website unter speyer.de/corona einen Überblick zu geben. Er sei aber nicht tagesaktuell, sagt Sprecherin Lisa Eschenbach auf Anfrage, die auch auf die Landesseiten unter corona.rlp.de/de/testen/ verweist.

Auflagen vom Land

Die Betreiber müssen verschiedene Auflagen erfüllen. „Das Land Rheinland-Pfalz legt seit Beginn der Beauftragungen von Teststellen im März 2021 einen hohen Wert auf die Einhaltung von Qualitätsstandards“, heißt es beim Landesamt.

Zu den Standards gehöre, dass die zwingend zu verwendenden „professional-use Schnelltests“ per Gesetz nicht von jeder Person erworben werden können. Vielmehr müsse ein Nachweis einer mindestens dreijährigen medizinischen Ausbildung zur Berechtigung erbracht werden. Sei eine solche Qualifikation nicht durch die antragstellende Person gegeben, so seien Kooperationen beziehungsweise der gemeinsame Teststellenbetrieb mit entsprechend qualifiziertem Personal möglich. Dazu müsse ein individuelles Hygienekonzept kommen.

Um eine Beauftragung und Registrierung zu erhalten, müsse jede Teststelle gegenüber dem Land darlegen, dass sie die Anforderungen erfüllt. Ihre Leistungen können alle Anlaufstellen über die Kassenärztliche Vereinigung mit dem Bund entsprechend der vorgeschriebenen Pauschalen nach der Testverordnung (8 Euro pro Abstrich und 3,50 Euro pro Test-Kit) abrechnen. Für den Zeitraum 1. Dezember 2021 bis 31. Januar 2022 wurde die Pauschale je verbrauchtem Test von 3,50 auf 4,50 Euro angehoben, informiert eine Sprecherin des Landesamts. Die Kontrolle der Teststationen obliege dem Landesamt sowie den regionalen Gesundheitsämtern.

„Auf die Welle“

Einer der großen Anbieter in Speyer erachtet die Genehmigungspraxis als sehr großzügig: „Viele Anbieter springen auf die Welle auf und verschwinden auch schnell wieder“, sagt Frank Riffelmacher, Geschäftsführer der Riffelmacher GmbH & Co. KG, die für die „Drive Thru“-Teststelle auf dem Parkplatz des Naturfreundehauses Speyer verantwortlich zeichnet. Er sehe sich hingegen als Garanten einer „kontinuierlichen Teststrategie“, die mit einer hohen Qualität einhergehe.

Eine Folge der Teststellen-Zunahme sei eine begrenzte Nachfrage an den einzelnen Standorten, so Riffelmacher. Sein Angebot in Speyer sei von den 100 Tests pro Tag bei der Eröffnung vor rund vier Wochen inzwischen bei mehr als 200 pro Tag angelangt, habe aber „Kapazitäten für deutlich mehr“. Über 1000 Testungen pro Tag wären möglich. Die Motive der Besucher seien bunt gemischt – von Testbedarf für den Job über Erfüllung der 2G-plus-Pflicht im Freizeitbereich bis hin zu zusätzlicher Sicherheit. Mit der Verbreitung der Omikron-Variante des Virus sei steigender Bedarf zu erwarten, auch wenn sukzessive Gruppen aus der Testpflicht fielen, so Riffelmacher. Bis März, April erwarte er keinen Abbau der Testinfrastruktur.

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